Ryanair-Chef O'Leary plant den Abgang

Michael O'Leary führt seit 1994 Ryanair - im kommenden Jahr läuft sein aktueller Vertrag aus. Er wird diesen wohl verlängern, aber nicht noch einmal so lang wie zuletzt.

Michael O'Leary, Vorsitzender der Fluggesellschaft Ryanair. © dpa / Jens Wolf

Um die berufliche Zukunft von Ryanair-Chef Michael O'Leary ist eine größere Debatte entbrannt. Auf der Hauptversammlung in Dublin sagte er laut Medien, dass er nicht noch einmal einen Fünfjahres-Vertrag unterschreiben werde. "Ich wäre dann 62. Ich bin mir nicht sicher, ob Frau O’Leary glücklich wäre."

O'Leary ist seit 1994 Chef des Low-Costers. Sein aktueller Kontrakt läuft im Herbst kommenden Jahres aus. Ob er noch einmal einen Vertrag beim Billigflieger unterschreiben wird, sagte O'Leary in der Vergangenheit nie direkt.

Nun konkretisierte er jedoch: Fünf Jahre wolle er den Job nicht mehr machen - zwei oder drei Jahre höchstens. Marketing-Chef Kenny Jacobs hatte zu Wochenbeginn gegenüber britischen Medien gesagt, er glaube, dass O'Leary auch nach 2019 noch einmal fünf Jahre lang die Geschickes des Low-Costers leiten werde.

"Chairman von Aktionären abgestraft"

Auch die Aktionäre halten am polarisierenden Airline-Chef fest: O'Leary bekam auf der Hauptversammlung erneut die Rückendeckung der Investoren: 98,5 Prozent bestätigten ihm im Amt - im vergangenen Jahr waren es leicht bessere 99 Prozent. Hingegen wurde Chairman David Bonderman "deutlich abgestraft", titeln mehrere Medien. Er kam auf gut 70 Prozent Zustimmung (Vorjahr: 89 Prozent).

Die Gewerkschaftsverbände ETF und ITF (Flugbegleiter) und Eca (Piloten) hatten vor der Hauptversammlung die Abberufung Bondermans gefordert. In mehreren Briefen, die airliners.de vorliegen, werfen die Verbände dem US-Milliardär vor, die Streiks von Flugbegleitern und Piloten hätten verhindert werden können, wenn sinnvolle Verhandlungen stattgefunden hätten. Auch sei Bonderman ein "Vorsitzender aus dem letzten Jahrhundert" und Ryanair verdiene eine Führung aus dem 21. Jahrhundert.

Kabinen-Streiks kommende Woche

Ähnliche Forderungen stellten auch die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der britische Pilotenverband Balpa auf. Beide hatten ebenfalls an die Aktionäre plädiert, die Führungsspitze auszutauschen. So hieß es in einer Mitteilung der deutschen Pilotenvertreter, dass das Verhältnis zwischen dem Ryanair-Management und den Beschäftigten so stark beschädigt sei, dass es den weiteren Unternehmenserfolg gefährde.

Ryanair-Mitarbeiter in ganz Europa treten seit Monaten für bessere Arbeitsbedingungen und Personalvertretungen ein. So legten Flugbegleiter und Piloten den Billigflieger in diesem Jahr mehrfach lahm und führten hunderte Flugstreichungen herbei. Neue Ausstände sind für kommende Woche bereits angekündigt - "es sollen die größten der Unternehmensgeschichte werden", heißt es von der belgischen Gewerkschaft CNE/LBC.


Streiktermine von Crews bei Ryanair

Flugbegleiter:

  • 30. März, 1. und 3. April: Portugal;
  • 25. Juli: Belgien, Italien, Portugal und Spanien;
  • 26. Juli: Belgien, Portugal und Spanien;
  • 12. September: Warnstreik von Verdi in Deutschland;
  • 28. September: Belgien, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien.

Piloten:

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli, 3. August: Irland;
  • 10. August: Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande, Schweden
  • 12. September: Deutschland.

Quelle: airliners.de


Von: br, cs

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