Michael O'Leary holt die Corona-Brechstange raus

Neue Verträge mit Flughäfen und Mitarbeitern sowie die Einflottung der 737 Max sollen Ryanair nach dem Corona-Lockdown ein aggressives Wachstum erlauben. Verdi wehrt sich erbittert gegen Gehaltskürzungen und warnt, dass bei Lauda die Lichter bald ganz ausgehen könnten.

Ryanair-Chef Michael O'Leary. © dpa / Hannah Mckay

Ryanair will nach der Corona-Krise durch starkes Wachstum und weitere Kostensenkungen wieder in die Spur kommen. Dafür sollen einerseits neue Verträge mit den Mitarbeitern sowie den Flughäfen ausgehandelt werden, die durch die Passagierverluste aufgrund der Covid-Pandemie unter Druck stehen. Zum anderen brennen die Iren auf die Übernahme der ersten 737-Max-Jets, die deutliche Treibstoffeinsparungen versprechen.

Man befinde sich in Gesprächen mit Flughäfen in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Portugal, die mit "schweren Kapazitätskürzungen" konfrontiert sind, so der Ryanair-Group-Vorstandsvorsitzende Michael O'Leary, laut "Bloomberg". Dabei gehe es um "die Ausweitung unseres Verkehrs in den kommenden 18 Monaten."

Dabei erwartet Ryanair nach Corona erhebliche Wachstums-Chancen. Auf den Passagierrückgang in diesem Jahr werde ab 2021 starkes Wachstum in der ganzen Branche folgen, "insbesondere dort, wo Flughäfen deutliche zusätzliche Anreize bieten".

Erste 737 Max sollen vor Weihnachten kommen

Ryanair fliegt derzeit weniger als ein Prozent ihres regulären Flugplans. Richtig losgehen soll es wieder Anfang Juli, mit fast 1000 Flügen pro Tag. Neben der neu verhandelten Abfertigung an den Flughäfen soll vor allem die 737 Max helfen, die Billigfluggesellschaft zum Krisengewinner zu machen. O'Leary geht davon aus, dass der Jet in Nordamerika wieder ab dem vierten Quartal zum Einsatz kommt. Ryanair selbst erwartet die ersten Max-Maschinen vor Weihnachten. 135 Einheiten der Max-200-Variante sind fest bestellt.

"Ryanair ist eine der wenigen Fluggesellschaften, die die 737-Max tatsächlich jetzt abnehmen möchten", so O'Leary.

Gehaltskürzungen und Befristungen sind Verdi Dorn im Auge

Nicht nur bei den Flughafen-Entgelten, auch im eigenen Unternehmen setzt Ryanair gegenwärtig alles daran, insbesondere Personalkosten zu senken, berichtet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit Blick auf die deutschen Mittarbeiter der Günstig-Airline.

In Deutschland fliegt Ryanair unter maltesischer Flagge mit ihrem Tochterunternehmen Malta Air. Diese wolle nun rund 1.200 Arbeitsplätze streichen und über einen Zeitraum von fünf Jahren die Gehälter des Bestandspersonals um zehn Prozent in der Kabine und 20 Prozent im Cockpit - sowie bei neueingestelltem Personal generell um 20 Prozent - kürzen, erklärt Verdi. Auch unbefristete Arbeitsverträge solle es nicht mehr geben.

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Das sei ein Angriff auf die hart erkämpften Errungenschaften, obwohl Ryanair über genug Reserven verfüge, erklärt Susana Pereira-Ventura, Gewerkschaftssekretärin für die Low-Cost-Carrier bei Verdi. Das Unternehmen zeige Respektlosigkeit gegenüber langjährigen Mitarbeitern. Manche würden durch die neuen Regelungen unter die Armutsgrenze fallen Die EU-Kommission sei nun gefordert nicht zuzulassen, dass Mitgliedstaaten Airlines unterstützen, die Sozialstandards abbauten und der Verdrängungswettbewerb und Preiskampf in der Branche zulasten der Arbeitnehmer weiter angeheizt werde.

Lauda zahlt Ende Mai keine Gehälter in Deutschland

Auch bei der Ryanair-Tochter Lauda soll es laut Verdi große Probleme für die in Deutschland angestellten Mitarbeiter geben. In einem Memo an die Beschäftigten habe die Geschäftsführung angekündigt, Ende Mai keine Gehälter auszuzahlen und möglicherweise den Betrieb ganz stillzulegen.

Verdi sehe mit Sorge nach Österreich, wo kürzlich die größte Basis in Wien geschlossen wurde. In Deutschland unterhält Lauda die größten Basen in Düsseldorf und Stuttgart.

© dpa, Helmut Fohringer/APA Lesen Sie auch: Lauda schließt Basis in Wien - 300 Mitarbeitern wird gekündigt

O'Leary selbst gibt sich zunehmend genervt, von den Problemen rund um die österreichische Tochter. Derartiges wolle er nie wieder erleben "Lauda wird die letzte Fluggesellschaft sein, die wir erworben haben."

Ryanair will gegen Staatshilfen klagen

Derweil listet der Bloomberg World Airlines Index die Iren als drittbeste Performer im Jahr der Corona-Krise. Die Airline hat Liquiditäts-Reserven von über vier Milliarden Euro und große Kostenflexibilität. Zusätzlich gab es jüngst eine Kreditzusage über 600 Millionen Pfund (670 Millionen Euro) vom britischen Staat.

Das hält O'Leary jedoch nicht davon ab, entschieden gegen eine von ihm unterstellte Wettbewerbsverzerrung durch die Staatshilfen für europäische Airline-Konzerne vorzugehen.

© dpa-Bildfunk, Jasper Jacobs Lesen Sie auch: Ryanair will gegen Lufthansa-Staatshilfen klagen

Ein besonderes Dorn im Auge sind dem Ryanair-Chef die milliardenschweren Pakete für Air France-KLM und Lufthansa, sowie die Verstaatlichung von Alitalia. Das Rettungspaket für Lufthansa werde diese ermutigen, Tickets unter Kosten zu verkaufen, vermutet er und dürfte dabei vor allem Eurowings im Blick haben.

Daran werde auch die allgemeine Forderung der EU-Kommission, dass Lufthansa Slots in Frankfurt und München aufgibt, nichts ändern, so O'Leary. Es sei unwahrscheinlich, dass darunter wertvolle Slots seien. "Dass Lufthansa Freitag-Nachmittag oder Sonntag früh ein paar Flüge weniger macht, hilft keinem weiter."

Von: dk

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