Ryanair kündigt Basisschließung auf dem Hahn an - Piloten werden entlassen

Ryanair macht ihre Drohung wahr, dass auf eine Ablehnung eines neuen Tarifvertrags durch die Piloten Entlassungen und Basis-Schließungen folgen würden. Den Anfang macht der Standort am Flughafen Hahn. Weitere könnten bald folgen.

Passagiere steigen am Flughafen Hahn in eine Ryanair-Maschine. © Flughafen Frankfurt-Hahn

Europas größte Billigairline Ryanair will zum 1. November seine Basis am Hunsrück-Airport Hahn schließen. Auch den Standorten in Berlin-Tegel und im nordrhein-westfälischen Weeze drohe noch vor dem Winter das Aus, teilte die Ryanair-Tochter Malta Air in einem internen Schreiben mit. Darin spricht die Airline auch für weitere Standorte von einem erheblichen Personalüberhang.

Zuvor hatte es einen heftigen Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über Gehaltskürzungen in der Corona-Krise gegeben. Die bei der Ryanair-Tochter Malta Air beschäftigten Piloten aus Deutschland hatten die Vorschläge der Airline abgelehnt, die laut VC "flexible Kurzarbeit, Vergütung lediglich für geflogene Flugstunden, allerdings zu einem drastisch reduzierten Tages- und Stundensatz und das alles bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung, mithin höherer operativer Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", vorgesehen hätten.

VC will weiter verhandeln

Nach VC-Angaben sind von angedrohten Kündigungen bis zu 170 Piloten betroffen. Ein Sprecher der Pilotengewerkschaft bekräftigte auf dpa-Anfrage am Abend, die Gewerkschaft habe trotz mehrheitlicher Ablehnung der Forderungen des Managements ein Interesse an einer Verhandlungslösung. Auch lehne man die Vorschlage des Arbeitgebers nicht vollständig ab, aber es gebe "noch Luft nach oben". Eine Schließung von Basen ist nicht automatisch gleichbedeutend mit der Aufgabe von Flugverbindungen.

Für die VC ist der angekündigte Teilrückzug des irischen Billigfliegers aus Deutschland "unverständlich". Die Unternehmensleitung habe immer wieder betont, dass Ryanair "der Krise ganz gut Herr" geworden sei, sagte Cockpit-Sprecher Jannis Schmitt dazu am dem SWR. Er äußerte die Befürchtung, die Fluggesellschaft wolle in der Krise "einfach nur Mitnahmeeffekte generieren" und beispielsweise Piloten später zu schlechteren Konditionen wieder einstellen.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Ryanair drängt Crews konzernweit zu Gehaltsverzicht

Die Piloten in Hahn bekämen noch in dieser Woche ihre Kündigung, teilte Malta-Air-Personalchef Shane Carty mit. Die Airline wollte ihr internes Schreiben nicht weiter kommentieren. Die Pandemie hat weltweit die Fluggesellschaften hart getroffen und teils zu massiven Stellenkürzungen geführt.

Verdi fürchtet Kahlschlag in Berlin

Die Gewerkschaft Verdi hat die angekündigte Schließung von Standorten der Billigairline Ryanair in Deutschland scharf kritisiert. "Es ist nicht auszuschließen, dass die Gewerkschaften mit der Ankündigung in den laufenden Verhandlungen unter Druck gesetzt werden sollen", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin am Mittwoch.

Von den Plänen sind nach seinen Angaben etwa 350 der circa 1000 Flugbegleiter der Ryanair-Tochter Malta Air in Deutschland betroffen, der Großteil vermutlich am Berliner Standort Tegel. "Von den in Summe 350 Stellen könnten 150 bis 200 in Tegel wegfallen", sagte Bergelin.

Von: dk, dpa, afp

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