Ryanair schließt Basis in Hamburg

Ryanair zieht sich seit Monaten von deutschen Flughäfen zurück. Bisher hat es vor allem kleinere Plätze getroffen, auf denen die Iren eine Basis mit stationierten Flugzeugen unterhalten. Aber auch die größeren Airports sind vor der Neuausrichtung des Billigfliegers nicht gefeit.

Boeing 737-800 von Ryanair am Flughafen Hamburg. © AirTeamImages.com / HAMFive

Der irische Billigflieger Ryanair schließt seine Basis in Hamburg zum 8. Januar 2020. Das bestätigte der Flughafen Hamburg auf Nachfrage von airliners.de.

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburger Flughafen betonte jedoch, dass Ryanair ein starker Partner am Airport bleibe: "Wir bedauern, dass Ryanair zahlreiche Basen un Europa schliesst und auch Hamburg davon betroffen ist."

Die Airline werde jedoch im kommenden Sommer 14 Ziele ab Hamburg anfliegen. Von den gestrichenen Verbindungen entfielen lediglich zwei Nonstop-Strecken komplett aus dem Flugplan, alle anderen Ziele hätten andere Fluggesellschaften im Programm. Der Flughafen teilte auf Twitter zudem mit, dass Verona und Krakau die beiden Nonstop-Ziele sind, die mit der Schließung der Ryanair-Basis nicht mehr von Hamburg aus bedient werden.

Ryanair gebe sieben Routen zum Sommerflugplan 2020 auf, so der Flughafen weiter: Faro, Krakau, Lissabon, Oslo-Torp, Gran Canaria, Verona und Zadar. Edinburgh, Porto, Sevilla und Marrakesch sollen mit Beginn des Sommerflugplans wieder bedient werden.

Ryanair selbst verweist gegenüber airliners.de auf die verspätete Auslieferung von mittlerweile 30 Boeing 737 Max, die dazu führe, dass mehrere Ryanair-Basen in diesem winter verkleinert oder gleich ganz geschlossen werden. Man arbeite hart daran, so viele Strecken wie möglich zu erhalten und die Auswirkungen auf die Kunden zu minimieren.

Fortsetzung des Kapazitätsabbaus in Deutschland

In Deutschland ist der irische Low-Cost-Pionier jedoch schon seit geraumer Zeit auf dem Rückzug. Der Marktanteil von Ryanair und der Tochter Lauda fiel im vergangenen Jahr von 9,8 auf 8,4 Prozent. Schon bei der Vorstellung der Jahreszahlen im Frühjahr sagte der langjährige Ryanair-Chef Michael O'Leary, dass er für den deutschen Markt aktuell nur wenig Wachstumsmöglichkeiten sehe.

© APA/dpa, Helmut Fohringer Lesen Sie auch: Ryanair Group schrumpft in Deutschland

Signifikant sind dabei die Kapazitätsrückgänge an den Regional-Airports wie Frankfurt Hahn, Weeze und Bremen. So bot der Billigflieger im Sommer 2019 beispielsweise ab dem Hahn nur noch circa 410.000 Plätze. Im vergangenen Sommer waren es hier noch über 800.000. Knapp 300.000 Plätze waren es auch ab Weeze. Bremen muss einen Rückgang im Angebot des Billigfliegers von rund 75.000 Plätzen verkraften. Bereits zum Winter hatte der Billigflieger vor Ort die Basis geschlossen.

Zudem hat sich die Airline komplett aus dem innerdeutschen Verkehr zurückgezogen. So ist die zuletzt einzige innerdeutsche Verbindung zwischen Berlin-Schönefeld und Köln/Bonn nach Ablauf der aktuellen Sommerflugplanperiode nicht mehr buchbar. Bereits zum Winterflugplan 2018/19 hatte der Billigflieger die Frequenz zwischen Berlin und Köln/Bonn massiv zusammengestrichen.

Noch vor wenigen Jahren wollte Ryanair zweitgrößte Airline in Deutschland werden

Vor der Aufnahme der Route im September 2015 hatte Ryanair noch angekündigt, neben Berlin-Köln/Bonn auch noch weitere innerdeutsche Verbindungen ins Programm aufzunehmen, was jedoch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Damals waren die Ryanair-Pläne für Deutschland durchaus noch hochtrabend, nicht weniger als die Ablösung von Air Berlin als zweitgrößte Airline sollte am Ende einer mehrjährigen Expansion stehen. Davon kann heute keine Rede mehr sein.

Als Grund für die Zurückhaltung in Deutschland nennt Ryanair vor allem die Überkapazität am Markt nach der immer noch nicht abgeschlossenen Marktkonsolidierung. So prognostizierte O'Leary, dass die Preise in Deutschland auch in kommenden eins bis zwei Jahre weiter sehr niedrig bleiben werden.

© Bremen Airport, Lesen Sie auch: Ryanair schließt Basis in Bremen

Von: dk, br

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