Finanzmarkt reagiert skeptisch auf Ryanair-Geschäftszahlen

Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im abgelaufenen Jahr sieht sich der irische Billigflieger Ryanair mit schwindendem Vertrauen einiger Anleger konfrontiert. Bislang positive Bewertungen von Banken wurden teils deutlich zurückgestuft.

Ryanair-Chef Michael O'Leary. © APA/dpa / Helmut Fohringer

Ryanair gibt Rekordzahlen bekannt und Anleger haben Grund zur Freude - so jedenfalls der Standardablauf der Bilanzkonferenzen des Billigfliegers in den letzten Jahren. Doch dieses Jahr dreht sich der Wind: Ryanair-Chef Michael O'Leary verkündet einen herben Gewinneinbruch und muss nun mit enttäuschten Reaktionen der Finanzmärkte leben.

So reduzierte die britische Investmentbank HSBC Ryanair von "Hold" auf "Reduce" und senkte das Kursziel von 12,00 auf 9,40 Euro. Für den Billigflieger seien die Zeiten schwierig, schrieb Analyst Andrew Lobbenberg in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Der Gewinn aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr sei schwächer gewesen als am Markt erwartet. Auch die Zielsetzung für das aktuelle Geschäftsjahr enttäusche.

Der Analyst verwies auf konjunkturelle Herausforderungen, aber auch auf unternehmensspezifische Probleme wie Verzögerungen bei der Boeing 737 Max, steigende Arbeitskosten und eine Margenverwässerung durch das kostspielige Wachstum der Tochter Lauda.

Einschätzung HSBC JPMorgan Oddo BHF Credit Suisse RBC UBS
alt hold overweight buy neutral outperform buy
neu reduce neutral buy neutral outperform buy
Quelle: dpa

Auch die US-Großbank JPMorgan hat Ryanair wegen der Zielsetzung für das kommende Jahr von "Overweight" auf "Neutral" herabgestuft. Das Kursziel senkten die Banker von 13,25 auf 11,30 Euro.

Ebenso reduzierten die Investmentbanker von Oddo BHF das Kursziel für Ryanair, und zwar von 14,50 auf 13,00 Euro. Die Einstufung des Papier wurde aber auf "Buy" belassen. Das Preisumfeld gestalte sich für die Airline weiter schwierig, so die Einschätzung.

Die Schweizer Bank Credit Suisse senkte das Kursziel für die Ryanair-Anteile ebenfalls, und zwar von 12,07 auf 11,21 Euro. Die Einstufung wurde auf "neutral" belassen. Nach den Jahreszahlen der Airline habe er seine Prognose für den Nettogewinn des neuen Geschäftsjahres gekürzt, schrieb Analyst Neil Glynn in einer am Dienstag vorgelegten Studie.

Nicht alle Analysten reduzieren Kursziele

Es gibt allerdings auch andere Einschätzungen der Lage bei Europas führendem Billigflieger. So hat das Analysehaus RBC seine Einstufung für Ryanair auch nach der Bekanntgabe der schwächeren Zahlen auf "Outperform" mit einem Kursziel von 14 Euro belassen.

Der Gewinnschwund bei dem Billigflieger bleibe zwar ungünstig, so RBC. Wenn Ryanair in dem Preiskampf aber Probleme habe, sollten sich Anleger erst recht die Frage stellen, wie gestandene Fluggesellschaften diese Entwicklung verkraften können. RBC rechnet bei Ryanair mit einer Margenerholung und sieht dann Kurspotenzial.

Auch die Schweizer Großbank UBS hat ihre Einstufung für Ryanair auf "Buy" mit einem Kursziel von 15,25 Euro belassen. Die Fluggesellschaft habe im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten, aber der Ausblick sei schwach. Positiv aufgenommen wurden unter anderem die Aktienrückkäufe des Billigfliegers.

Kursziele von Ryanair am Finanzmarkt
HSBC JPMorgan Oddo BHF Credit Suisse RBC UBS
alt (Euro) 12.00 13.25 14.50 12.07 14.00 15.25
neu (Euro) 9.40 11.30 13.00 11.21 14.00 15.25

Kursziele für Ryanair von mehreren Banken/Analysten nach Bekanntgabe der Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2018/19, Stand 22.05.2019Quelle: dpa

Schwache Ryanair-Zahlen im abgelaufenen Jahr

Ryanair hatte am Montag einen Gewinnrückgang um 39 Prozent auf 885 Millionen Euro vermeldet. Der Gewinn war im abgelaufenen Geschäftsjahr eingebrochen, obwohl die Auslastung bei 96 Prozent lag und mit über 139 Millionen ein neuer Passagierrekord erreicht worden war. Die Gründe sieht Ryanair in gestiegenen Treibstoff- und Personalkosten sowie in Einmaleffekten aus der Übernahme der Airline Lauda.

© AirTeamImages.com, EstevezR Lesen Sie auch: Ryanair-Gewinn bricht um fast 40 Prozent ein

Von: hr mit dpa

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