Ryanair-Abzug verhindert Nürnberger Tariflösung für Bodenverkehrsdienste

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Die Tarifverhandlungen zwischen dem Flughafen Nürnberg und den Angestellten des flughafeneignen Bodenverkehrsdienstleisters stecken fest. Der Flughafen verweist auf eine ungewisse Zukunft nach dem Ryanair-Rückzug, Verdi hingegen vermutet eine Verhinderungstaktik.

Ryanair am Flughafen Nürnberg © Airport Nürnberg

Am Flughafen Nürnberg gibt es Streit um die Tarifbedingungen bei den Bodenverkehrsdiensten. In den Verhandlungen bei der Air Part GmbH (APG), einer hundertprozentigen Tochter des Flughafens und der einzige Anbieter vor Ort, hat die Arbeitgeberseite laut der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sämtliche Angebote zurückgezogen.

Wie airliners.de aus Verhandlungskreisen erfuhr, soll der Knackpunkt neben einer vom Flughafen angedeuteten Unsicherheiten nach der angekündigten Schließung der Nürnberger Ryanair-Basis über die künftige Geschäftsentwicklung vor allem die Laufzeit einer möglichen Tarifeinigung gewesen sein.

Während der Flughafen zuletzt eine Mindestlaufzeit bis zum 30.4.2021 wollte, bestanden Verdi und die Air-Part-Angestellten darauf, das ein verlängerter Haustarifvertrag inklusive Friedenspflicht nur bis zum 31.8. dieses Jahres läuft. Hintergrund soll sein, dass sich die Arbeitnehmer an den Verhandlungen für einen bundesweiten Branchentarifvertrag beteiligen wollen. Das geht aus Dokumenten hervor, die airliners.de vorliegen.

Flughafen rechnet damit, Wegfall der Ryanair-Strecken erst 2021 kompensieren zu können

Zuvor hatte Verdi den laufenden Tarifvertrag im vergangenen Sommer zum 31.12.2019 gekündigt. Darauf folgten laut einem Flughafen-Sprecher fünf Verhandlungsrunden, die jedoch schlussendlich ergebnislos endeten. Man habe der Arbeitnehmer-Seite im November ein Angebot vorgelegt, dass viele Forderungen aufgegriffen habe, jedoch wegen einer zweijährigen Laufzeit auf Ablehnung stieß. Ein weiteres Angebot hätte hingegen nur eine Einmalzahlung vorgesehen - die Rede ist von 150 Euro - und die von Verdi geforderte Laufzeit bis zum 31.8.

Ryanair hatte dann Anfang Dezember die Schließung ihrer Basis am Nürnberger Flughafen zum Frühjahr angekündigt, woraufhin der Flughafen beide Angebote zurückzog. In einem Schreiben der Geschäftsführung an die Mitarbeiter der Air Part heißt es dazu, dass sich nach dem angekündigten Ryanair-Abzug die nach der Germania-Insolvenz ohnehin schon "angespannte Lage" des Flughafens "weiter verschärfe". Daher könnten die Angebote in der ursprünglichen Form nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Trotzdem habe man Anfang Januar ein erneutes Angebot vorgelegt, dass jedoch eine Änderung der Bezugsklausel zum etwaigen allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag und eine Laufzeit bis zum 30.04.21 vorsah. Die Laufzeit bis zum 30.04.21 sei für den Flughafen von Bedeutung, "weil wir momentan hart daran arbeiten, den Ausfall der Ryanair-Flüge auszugleichen – aber vor Sommer 2021 wahrscheinlich nicht mit einer größeren Anzahl von neuen Strecken rechnen können," heißt in dem Schreiben an die Belegschaft. Dies habe Auswirkungen auf die Auftragslage der Air Part GmbH.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Verdi und Abfertiger AHS unterschreiben Tarifvertrag

Auch dieses neuerliche Angebot wurde von Verdi mit dem Verweis auf die sich abzeichnende Lösung auf Branchenebene abgelehnt, was man bei den Betreibern des Flughafens nicht nachvollziehen kann. Schließlich hätte auch das neuerliche Angebot einer Übernahme in den Branchentarifvertrag nach Laufzeit-Ende vorgesehen.

Verdi wiederum erkennt in einem Rundschreiben an die Belegschaft in der Verhandlungsführung des zweitgrößten bayerischen Airports den Versuch, die Nürnberger Belegschaft sowohl von den bundesweiten Tarifverhandlungen wie auch einem -vertrag fernzuhalten. Eine solche Branchenlösung sei aber für die Mitarbeiter der Nürnberger Bodenverkehrsdienste ebenso unverzichtbar wie an anderen Standorten.

© Wisag, Lesen Sie auch: Wisag und Verdi streiten weiter um Tarifvertrag in Frankfurt

Ein einheitlicher Tarif an allen Flughäfen würde die Qualität der Dienstleister als wichtigstes Wettbewerbsargument anstelle von Dumpingpreisen etablieren, teilte Verdi mit. Die Gefahr, dass der Flughafen einen Drittanbieter als neue Konkurrenz etabliere, um Druck auf die Air Part-Belegschaft zu machen, könne damit gebannt werden. Zudem könnten die Airlines die Flughäfen zumindest bei den Entgelten für die Bodenverkehrsdienste dann nicht mehr gegeneinander ausspielen.

Aus Mitarbeiterkreisen bei Air Part heißt es, dass nach den gescheiterten Tarifverhandlungen Ernüchterung vorherrsche. Bereits in den letzten Jahren habe mit dem Argument der wirtschaftlichen schwierigen Situation eine Prekarisierung vieler Arbeitsverhältnisse gerade auch bei Air Part stattgefunden. Dabei würden zur Begründung neben Airline-Insolvenzen und der "Drittabfertiger-Gefahr" immer neue Szenarien einer schwierigen Zukunft für den Airport die Runde machen, wie beispielsweise aktuell die Erhöhung der Luftverkehrssteuer.

© Berliner Flughäfen, Günter Wicker Lesen Sie auch: Verdi meldet Tarifabschluss für Bodenabfertiger Acciona in Düsseldorf

Von: dk

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