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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Meine Füße standen im feinen weißen Sand des Strandes von Sal auf den Kapverden vor ein paar Tagen. Von meinem Urlaub dort habe ich bereits berichtet. Aber eine Begegnung verlangt noch nach einer eigenen Kolumne: Denn urplötzlich drehte ein vierstrahliger Großraumjet über dem Strand zur Landung ein, den ich lange nicht gesehen hatte: eine Iljuschin IL-96-300. Die Aufschrift „Rossiya“ und das typisch geschwungene Band der russischen Nationalfarben am Rumpf ließen keinen Zweifel, es handelte sich um eines der Moskauer Präsidentenflugzeuge. Und damit einen typischen Vertreter jener spritdurstigen Spezies, die auf Zwischenlandungen an Plätzen wie Sal angewiesen sind.

Keine Ahnung, wohin dieses Exemplar unterwegs war und welcher Kreml-Zar an Bord geweilt haben könnte. Jedenfalls gibt es nach meinen Recherchen weltweit noch 13 kommerziell aktive IL-96 sowie zwei Exemplare aus der Präsidentenstaffel, die von Rossiya Airlines betrieben werden. An diesem wunderbar sonnigen, warmen November-Nachmittag in Sal schweiften meine Gedanken beinahe auf den Tag genau 30 Jahre zurück, zu einem völlig verregneten Oktobersonntag des Jahres 1981 auf dem Hamburger Flughafen.

Ich war damals 15 und Schulpraktikant. Mir war es gelungen, als Hospitant bei meiner Lokalzeitung, dem Hamburger Abendblatt, anzuheuern. Ich saß in der Wirtschaftsredaktion und eine Volontärin war für einen Sonntagstermin eingeteilt, der mein höchstes Interesse erregte. Der „rote Airbus“ sollte Premiere in Hamburg und ich glaube sogar in Westdeutschland feiern. Aeroflot hatte zur Vorstellung ihres neuesten Großraumjets Iljuschin IL-86 geladen. Die Volontärin erlaubte mir, sie zu begleiten.

So waren wir an diesem düsteren, von Dauerregen geprägten Sonntag in Fuhlsbüttel, ergötzten uns am reichhaltigen Büfett mit Kaviar und Krimsekt, bis endlich der Flieger einschwebte. Der riesige Vierstrahler war ein wenig unförmig und verfügte über eine beeindruckende Besonderheit, die ich weder zuvor noch danach je wieder bei einem Verkehrsflugzeug gesehen habe. Auf jeder Seite gab es drei aus dem Frachtraum ausfahrende Einstiege mit integrierten Treppen bis zum Boden. Erklomm man die Stufen, gelangte man erst zu einer Art Gepäckabteil im Unterdeck mit großen Regalen. Dort sollten die Fluggäste wohl ihre Koffer selbst einstellen können, bevor sie sich dann eine weitere Treppe höher in die Kabine begaben.

Andreas Spaeth - Über Schall und Rauch © airliners.de

Die IL-86 war nämlich tatsächlich als eine Art Luft-Bus für die Weiten der Taiga oder Sibiriens ausgelegt, wo die Flughäfen nicht über Geräte zur Abfertigung eines Großraumjets verfügten. Stattdessen konnten die Fluggäste dann in einer Art Do-it-Yourself-Boarding ihren Düsenriesen nach Moskau oder Novosibirsk besteigen.

Soweit die Theorie. Wie wenig sowjetische Planwirtschaft und die realen Anforderungen der Passagierluftfahrt zusammenpassten, zeigte sich schon an der seltsamen Tatsache, dass die Russen ihren Riesen ausgerechnet nach Hamburg einsetzten, wo nun wahrlich keine 300-plus Passagiere darauf harrten, ins novemberliche Moskau expediert zu werden. Unauslöschlich im Gedächtnis geblieben ist mir auch der stechende Geruch nach Ammoniak oder einem sonstigen Putzmittel in der Kabine. So riecht also die Sowjetunion, war mein damaliger Eindruck.

Später habe ich andere Errungenschaften der russischen Luftfahrt kennenlernen dürfen. Kurz nach Beginn von Gorbatschows Perestroika durfte ich im August 1990 mit dem Atomeisbrecher „Rossiya“ an der ersten Passagierfahrt zum Nordpol teilnehmen. Wieder lernte ich eine wichtige russische Eigenschaft kennen: technisches Improvisationstalent. Nie werde ich vergessen, wie ich in einem Mil-Mi-2-Hubschrauber mit ausgehängter Tür schlotternd im Tiefflug über dem ewigen Eis entlangruckelte, um unser Schiff von oben zu fotografieren. Festgeschnallt über dem arktischen Abgrund war ich nur mit einem Ledergürtel, der mich vor dem Herausfallen bewahrte. Gurte gab es keine.

Zwischen Himmel und Packeis schwebend habe ich gelernt, Vertrauen in die Robustheit russischer Flieger zu entwickeln. Leider haben ihre Talente den Russen in der Zivilluftfahrt auch in den Folgejahrzehnten nicht viel genützt. Von der IL-86, dem Taiga-Airbus, fliegen heute noch drei Exemplare weltweit, und die IL-96 wirkt wie ein Dinosaurier. Der Rest der einst stolzen russischen Luftfahrtindustrie ist kaum mehr existent. Auch das wurde mir neulich auf Sal bewusst, als der exotische Vierstrahler einschwebte.

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