Wirtschaft & Finanzen Verzwergung, Rückwärts-Prognose, Staat im Unternehmen

Das wöchentliche airliners.de-Wirtschafts-Briefing. Dieses Mal unter anderem mit einer Rückwärts-Prognose zu den Branchenaussichten, dem Streit um eine stille oder aktive Lufthansa-Beteiligung und Wiener Sorgen vor "Verzwergung".

Gegroundete Maschinen von Swiss und Helvetic. © AirTeamImages.com / Stephane Beilliard

Jour fixe auf airliners.de: Immer dienstags präsentieren wir die wichtigsten Meldungen der Woche aus den Bereichen Luftverkehrswirtschaft und Finanzen. Alle aktuellen Themen-Briefings finden Sie immer auf unserer Übersichtsseite.

Wirtschaft

Wohin geht es für den Luftverkehr? Veränderung steht an, ist vielfach zu hören. Die Iata erwartet einen Boom an Günstigtickets, wenn es endlich wieder richtig losgeht. Von freien Mittelsitzen will bei den Fluggesellschaften kaum noch einer was wissen. Die EU könnte in dieser Woche jedoch ein Machtwort sprechen. Zu schnelles Wachstum könnte für die Airlines allerdings zum Boomerang werden und das Klimschutzinstrument Corsia unbezahlbar machen.

Für die am Boden stehende Airline-Branche sind Staatshilfen das Thema der Stunde. In Deutschland und bei den südlichen Nachbarn steht natürlich Platzhirsch Lufthansa im Fokus und ist an allen Fronten gefordert. Die Kosten müssen runter und nachdem die Eckpunkte über ein deutsches Hilfspaket im Umfang von neun Milliarden Euro bekannt wurden, lodert der Streit über eine aktive oder passive staatliche Rolle im Konzern auf. Die EU betont das Wettbewerbsrecht und auch Rufe nach mehr Öko beim Kranich werden laut.

Gleichzeitig könnte es passieren, dass die Airline aus dem Dax fliegt. Im Juni steht eine Überprüfung nach strengeren Regeln an. Sollte ein Unternehmen so drastisch an Wert verlieren, dass es nicht mehr zu den 45 gewichtigsten Unternehmen an der Börse zählt, kommt es laut der Deutschen Börse zum sogenannten "Fast Exit". Wirtschaftsminister Altmaier schließt die Gefahr einer feindlichen Übernahme bundesrepublikanischen "Tafelsilbers" jedoch aus.

© BMWi, Susanne Eriksson Lesen Sie auch: Altmaier: Werden Verkauf von "Tafelsilber" Lufthansa verhindern

Die staatlichen Hilfen für die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss sind derweil schon unter Dach und Fach. Für Kreditverbürgungen über 1,4 Milliarden Euro bekommt die Schweiz einige Garantien. Swiss rechnet mit der Auszahlung der ersten Kredittranche bereits Anfang Juni.

Austrian Airlines plant offenbar, bis 2023 rund 1100 ihrer 7000 Mitarbeiter zu entlassen. Zudem sollen die Gehälter in diesem Zeitraum um 13 Prozent gekürzt werden. Lufthansa und die österreichische Regierung konnten sich bisher nicht auf Hilfszahlungen für Austrian einigen. Der Chef des Wiener Flughafens warnt schon vor einer "Verzwergung" seines Standorts. Schon bringt sich die International Airline Group (IAG) um British Airways, Iberia und Level als Alternative zur Lufthansa am Standort Wien ins Spiel.

Dabei geht es der Konkurrenz kaum besser. Virgin Atlantic will fast ein Drittel der Mitarbeiter entlassen und nicht mehr ab London Gatwick, bisher zweitgrößter Standort, fliegen. Von British Airways ist bezüglich Gatwick ähnliches zu hören. Darin sieht Wizz Air eine Chance und hat Wachstum in Gatwick angekündigt.

Auch Dänemark und Schweden helfen SAS in der Corona-Krise mit Garantien. Hingegen hat die kolumbianische Fluggesellschaf Avianca infolge der Corona-Krise Insolvenz angemeldet. Südafrika plant bereits einen Nachfolger für die insolvente South African Airways (SAA) und die beiden argentinischen Fluggesellschaften Aerolíneas Argentinas und Austral fusionieren.

Die desolate Lage setzt sich bei den Flughäfen fort. Laut dem Flughafenverband ADV liegt der Einnahmeausfall bei 95 Prozent. Die Branche fordert staatliche Kredite und die Übernahme der Kosten zur Betriebsbereitschaft. Die beziffert der Flughafen Düsseldorf auf zehn Millionen Euro im Monat. Fraport weist für das erste Quartal weist der Flughafenbetreiber ein Millionenminus aus und rechnet auch nicht mehr mit einer Erholung in diesem Jahr.

© dpa, Ina Fassbender Lesen Sie auch: Corona-Krise befeuert Diskussion um regionale Flughafensysteme

Die meist öffentlich finanzierten Betreiber benötigen neues Kapital - in der Folge wird nun auch auf Länderebene über Zusammenschlüsse verschiedener Standorte nachgedacht. Und in Berlin mehren sich die Zeichen, dass der Flughafen Tegel seine Pforten bald für immer schließt.

Einen Lichtblick in Corona-Zeiten konnte Airbus vermelden: Man habe im April keine einzige Stornierung hinnehmen müssen, verkündete der Hersteller. Eine solche könnte allerdings drohen, wenn sich die Rebellen auf der kommenden Easyjet-Hauptversammlung durchsetzen.

Rolls-Royce jedoch muss einen drastischen Einruch der Triebwerkauslieferungen in der Corona-Krise verkünden. Auch der US-Zulieferer Spirit Aerosystems hat im ersten Quartal nur 324 sogenannte "Shipsets", für die Montage bei Flugzeugherstellern vorbereitete Rumpfbauteile, gegenüber 453 im Vorjahr ausgeliefert. Der Gewinn brach um fast die Hälfte ein.

© dpa, May James Lesen Sie auch: Corona-Krise bringt Exporteinbruch von historischem Ausmaß

Unterdessen hat Embraer, nach der gescheiterten Übernahme durch Boeing, die Entwicklung einer neuen Turbopropmaschine ausgesetzt. Ganz anders Mitsubishi. Der janpanische Großkonzern will die Übernahme der CRJ-Reihe zum 1. Juni abschließen.

Bilfinger Berger freut sich über einen Auftrag über rund 13 Millionen Euro, am Münchner Flughafen Kersoinleitungen für die angestrebte Erweiterung von Vorfeld Ost zu verlegen.

Von: airliners.de

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