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Verkehrszahlen in Frankfurt brechen wieder ein

Neue Corona-Reisewarnungen haben die vorsichtige Erholung im Luftverkehr gestoppt. Um mehr als ein Viertel sind die Passagierzahlen in Frankfurt zuletzt wieder eingebrochen. Terminal 2 bleibt vorerst zu, die Startbahn West wird nun aber wieder in Betrieb genommen.

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen © Fraport AG

Die Erholung des Passagierverkehrs am Frankfurter Flughafen in der Corona-Krise hat im September einen Rückschlag erlitten. Der Flughafenbetreiber Fraport teilte mit, dass an Deutschlands größtem Airport knapp 1,15 Millionen Fluggäste und damit 82,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor gezählt wurden.

Das waren rund 360.000 Passagiere weniger als im August, als der Rückgang im Jahresvergleich 78,2 Prozent betragen hatte. Das Aufkommen an Fracht und Luftpost sank im September im Jahresvergleich um lediglich 5,2 Prozent auf 162.558 Tonnen - trotz der fehlenden Kapazitäten aus der Beiladefracht in Passagiermaschinen.

Wegen neuer Infektionswellen haben Regierungen in Europa seit Mitte August wieder verstärkt Reisewarnungen für wichtige Urlaubsregionen und ganze Länder erlassen. Damit wurde die Erholung des Flugverkehrs in der Corona-Krise wieder ausgebremst, die nach der Aufhebung der Reisewarnungen innerhalb der EU Mitte Juni begonnen hatte.

Die Verkehrszahlen für Frankfurt veröffentlicht Fraport seit Anfang September nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch monatlich. Zuvor war der Reiseverkehr wegen der Pandemie bereits auf ein Minimum zusammengebrochen und dann kurz wieder leicht gewachsen. Auch die übrigen deutschen Flughäfen mit ihrem Verband ADV bestätigen den Trend: Nach einem kurzen Sommerhoch sind seit Mitte August die Passagierzahlen tendenziell rückläufig.

Wöchentliche Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt
Kalenderwoche Passagiere Vorjahr
KW12 331353 1250389
KW13 118965 1279194
KW14 66151 1378146
KW15 46338 1448063
KW16 37015 1370926
KW17 45270 1414688
KW18 48570 1387714
KW19 52773 1388763
KW20 60264 1401488
KW21 65659 1427370
KW22 75276 1420302
KW23 111823 1471355
KW24 109376 1519111
KW25 161482 1523415
KW26 172671 1613748
KW27 251033 1503192
KW28 275129 1537034
KW29 307560 1577231
KW30 321746 1584956
KW31 343865 1606846
KW32 353438 1570836
KW33 353289 1556339
KW34 330428 1551305
KW35 319207 1542063
KW36 297179 1539788

Die Wöchentlichen Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt sowie die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr der Corona-Krise.Quelle: Fraport

Startbahn West geht wieder in Betrieb

Ab Ende der Woche starten nun trotz der geringen Auslastung wieder Flugzeuge auf der Startbahn "West" am Frankfurter Flughafen. Ab dem 15. Oktober nimmt die Flughafengesellschaft die Piste 18 wieder in Betrieb. Grund für die Wiederinbetriebnahme ist laut Fraport der Beginn der Winterperiode. Es sei mit mehr Flugzeug-Enteisungen zu rechnen und die wichtigsten Flächen für die Flugzeug-Nachenteisung befänden sich im Bereich der Startbahn 18, hieß es.

Im Winter müsse außerdem bei Schneefall mit kurzzeitigen Einschränkungen der Nutzbarkeit einzelner Start- und Landebahnen gerechnet werden, so der Flughafenbetreiber weiter. Um Engpässe zu vermeiden, sei die Verfügbarkeit aller Pisten "von großer Bedeutung". Die Startbahn "West" war im Mai aufgrund des geringeren Flugverkehrs temporär außer Betrieb genommen worden.

Terminal 2 weiterhin zu

Der größte deutsche Flughafen läuft schon seit Monaten auf Sparflamme. 20.000 statt mehr als 200.000 Passagiere zählen die Verantwortlichen nun an einem normalen Herbstferientag. Ein Passagier-Terminal ist komplett geschlossen, das größere Terminal 1 nur in Teilen belegt. Ein bisschen was los ist eigentlich nur im Übergangsgebäude zum Flughafen-Bahnhof, denn dort ist das Corona-Testzentrum zu finden. Doch selbst hier sind die Schlangen überschaubar.

Von der Pandemie sind auch die zahlreichen Shops und Gaststätten hart getroffen, die sonst gut von den Fluggästen leben. Inzwischen haben wieder rund 60 Prozent der Läden geöffnet, sagt ein Fraport-Sprecher. Im Bedarfsfall habe man sich mit den Betreibern geeinigt. Die Mieten sind ohnehin stark umsatzabhängig, so dass in der Flaute auch automatisch weniger zu zahlen ist.

Erst in den Jahren 2022/2023 dürften die Passagierzahlen einen neuen verlässlichen Basiswert erreichen, den Fraport-Chef Stefan Schulte 15 bis 20 Prozent unter dem Rekordwert aus 2019 von gut 70 Millionen verortet.

Kurzarbeit, Abfindungen und Stellenabbau

Wenn bis zu 15 Millionen Menschen weniger kommen, braucht es auch weniger Personal beim Flughafenbetreiber. Zwischen 3000 und 4000 der rund 22.000 Stellen will das Unternehmen möglichst sozialverträglich abbauen und nutzt zwischenzeitlich intensiv die Möglichkeiten der Kurzarbeit.

Für die angebotenen Abfindungen haben sich bislang rund 2300 Fraport-Beschäftigte interessiert. Die tatsächliche Annahmequote steht wohl erst Ende Oktober fest, denn auch das Unternehmen muss im Sinne der "doppelten Freiwilligkeit" schauen, wen man mit einem finanziellen Anreiz ziehen lässt. Allzu golden fällt der Handschlag Gewerkschaftern zufolge ohnehin nicht aus, denn mit einer Quote zwischen 0,75 und 1,0 Brutto-Gehältern pro Beschäftigungsjahr kommen zumindest keine Riesensummen zusammen.

Für ältere Beschäftigte einschließlich des Jahrgangs 1963 könnten Altersteilzeit und Vorruhestand attraktiver sein, doch in diesem Programm könnten die verfügbaren Mittel knapp werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Fristen für diesen Teil des Personalabbaus laufen bis zum Jahresende. Der Betriebsrat bereitet sich bereits auf die Aushandlung von Interessensausgleich und Sozialplan bei anstehenden Entlassungen vor.

Terminal 3 kommt später

Ungeachtet des Corona-Schocks läuft der Ausbau des größten deutschen Flughafens nur sanft gebremst weiter. Das dritte Passagier-Terminal im Süden des Geländes entspricht mit einer zusätzlichen Jahreskapazität von rund 25 Millionen Passagieren gestandenen Flughäfen wie Düsseldorf oder Berlin-Tegel. Es soll nun 2025 und damit ein gutes Jahr später als zunächst geplant ans Netz gehen. Frühestens muss man wohl dazusagen, denn Fraport will darüber "nachfrage-orientiert" entscheiden.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Fraport erwartet trotz Corona-Krise operativen Gewinn im Ausland

Diese Nachfrage fällt beim teilverstaatlichten Großkunden Lufthansa auf Sicht sehr gering aus. Der Kranich fliegt zu guten Zeiten rund zwei Drittel des Verkehrs in Frankfurt, lässt aber im Moment wegen der fehlenden Interkont-Flüge zahlreiche Jets am Boden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr klagt zudem weiterhin über die hohen Gebühren am Main und hatte schon vor der Krise Verkehr nach München, Zürich und Wien umgelenkt. Dennoch haben die beiden Unternehmen ein Gemeinschaftsunternehmen namens "FraAlliance" gegründet, mit dem gemeinsam neue Umsatzquellen erschlossen werden sollen.

Um die Durststrecke zu überstehen, hat sich Fraport, mehrheitlich im Besitz des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt, im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Finanzmittel besorgt und mit einer neuen Anleihe im Juli weitere 800 Millionen Euro hereingeholt. Damit sei die Liquidität mindestens bis zum Ende des Jahres 2021 abgesichert, sagt Schulte. Über weitere Staatshilfen wird auf dem anstehenden Luftverkehrsgipfel Anfang November gesprochen.

Von: dh, dpa

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