RKI sieht wenig Sinn in Temperaturkontrollen an Flughäfen

Als "vernachlässigbar" beschreibt das Robert-Koch-Institut den Nutzen von obligatorischen Temperaturmessungen an Flughäfen. Zuvor hatten Verkehrsminister Scheuer und die Airlines dafür plädiert. Letztere wohl um eine schmerzhaftere Maßnahme abzuwenden.

Touristen wird am Flughafen Bangkok mit einem Thermal Body Scanner die Körpertemperatur gemessen. © dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat sich gegen Temperaturkontrollen an Flughäfen in der Corona-Pandemie ausgesprochen. "Insgesamt werden Entry- und Exit-Screening-Maßnahmen an Flughäfen mit Temperaturmessungen bei der Covid-19-Bewältigung in Deutschland für ineffektiv und der mögliche Mehrwert für vernachlässigbar eingeschätzt", schreiben RKI-Experten in einem Bericht.

Die Fachleute führen als Argumente gegen Temperaturmessungen an, dass viele Corona-Infizierte nicht erkannt werden würden: So sei bei weniger als der Hälfte der Betroffenen, über die das RKI Daten hat, überhaupt Fieber aufgetreten. Reisende könnten ihre Temperatur zudem durch die Einnahme fiebersenkender Mittel verschleiern. Manche Infizierte hätten noch keine oder generell keine Symptome, könnten aber dennoch ansteckend sein.

Daten von Sars-Ausbruch belegen keine Wirksamkeit

Auch bei früheren Ausbrüchen - etwa bei Sars 2002/2003 - habe sich der Einsatz von Screening-Verfahren in anderen Ländern "nicht als wirksam erwiesen, um Fälle zu erkennen", so die Experten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plädierte Anfang Mai für Temperaturmessungen bei Passagieren an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen. Die Messungen könnten ein Kriterium sein, um auszuschließen, wer an Bord darf und wer nicht, sagte Scheuer damals "Zeit Online". Auch die Airlines warben für die Kontrollen, um Maßnahmen wie die Pflicht zu freien Mittelsitzen zu umgehen.

© Vietnam Airlines, Lesen Sie auch: Diskussionen um freie Mittelsitze und "Social Distancing" an Bord Hintergrund

Als für Flughäfen angemessen und sinnvoll erachten die Experten Verhaltenshinweise für den Corona-Verdachtsfall in mehreren Sprachen sowie eine elektronische Erfassung der Kontaktdaten der Reisenden, damit diese im Fall des Falles schnell von Gesundheitsämtern kontaktiert werden können. Neben dem Einhalten von Abstand und Hygiene-Regeln spricht sich das RKI dafür aus, Laboruntersuchungen und medizinische Versorgung für alle Patienten zugänglich zu machen - unabhängig von Herkunft und Versicherungsstatus.

Von: dk, dpa

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