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Risikoland Deutschland: Destinationen verlangen Corona-Test bei Einreise

Ohne negativen Corona-Test keine Einreise: So halten es derzeit viele Länder für Reisende aus dem "Risikogebiet Deutschland". Ein Corona-Test ist nicht günstig. Und es bleibt ein Restrisiko, dass das Ergebnis nicht rechtzeitig vorliegt.

Passagiere tragen Mund-Nasen-Bedeckungen. © dpa / Ahmed Gomaa

Reisen während Corona ist möglich, aber vielfach mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Für einige Länder benötigen Reisende einen negativen Corona-Test. Den Nachweis zu bekommen, ist manchmal gar nicht einfach.

Aktuell sind es meist Länder außerhalb Europas, die von Reisenden aus dem "Corona-Risikoland Deutschland" einen negativen Test verlangen. Darunter sind beliebte Urlaubsländer, die gerade im Winter wieder als Reiseziele interessant werden könnten. Bedingung ist immer: Das Ergebnis darf nur zwei oder drei Tage alt sein.

In Ägypten zum Beispiel darf ein Testergebnis nachweislich nicht älter als 72 Stunden sein. In Tunesien wiederum gilt die Testpflicht mit 72-Stunden-Regel nur für Individualreisende, nicht aber für Pauschaltouristen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate verlangen derzeit einen negativen Test, der bei Abflug nicht länger als 96 Stunden zurückliegen darf. Auch einige Fernreiseziele verlangen einen negativen Test. Dazu zählen etwa die Malediven, die Seychellen und Kenia.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Welcher Test genau Voraussetzung für eine Einreise ist, ist von Land zu Land unterschiedlich. "Reisende müssen sich sehr genau informieren, wie genau die Bescheinigung auszusehen hat", sagt Prof. Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). "Manche wollen zum Beispiel die Passnummer und die genaue Uhrzeit des Tests." Ägypten etwa verlange eine Originalunterschrift und einen Stempel der testenden Einrichtung. "Bei anderen Ländern reicht eine Bescheinigung per Download", erklärt der Experte.

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) bietet online eine Übersicht mit den Corona-Einreisebestimmungen aller Länder an. Die Regeln können sich allerdings stets kurzfristig wieder ändern. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sowie die Webseiten der deutschen Botschaften im Ausland können ebenfalls helfen.

Am besten wenden sich Reisende für einen Test frühzeitig an ihren Hausarzt oder eine spezielle Praxis für Reisemedizin. "Auf keinen Fall sollte man unmittelbar vor Reiseantritt zum Flughafen fahren in der Hoffnung, dass dort ein Abstrich gemacht wird, dessen Ergebnis in wenigen Minuten vorliegt, sodass man an Bord gehen kann", sagt Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte. Ein PCR-Test dauere immer noch rund vier Stunden zuzüglich der Zeit für Probenvorbereitung, den Transport in ein Labor sowie Rückübermittlung des Ergebnisses.

Deutschland gilt vielfach als Risikogebiet

In der Corona-Pandemie gelten für Reisende aus Deutschland vielerorts Beschränkungen. Wegen steigender Infektionszahlen erklärten einige Länder auch Deutschland zum Risikogebiet. Ein Überblick, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

EUROPA

In FINNLAND ist die Einreise für Menschen aus Deutschland seit Montag wieder beschränkt. Freizeitreisen sind gar nicht erlaubt - nur die Rückkehr, der Transit auf dem Weg in andere Staaten, Dienstreisen und Reisen mit anderen triftigen Gründen. Wer begründet einreist, muss 14 Tage in Quarantäne. Mit zwei freiwilligen Coronatests lässt sich das abkürzen.

Auch in NORWEGEN ist Deutschland mit einer Warnung versehen. Wer kommt, muss zehn Tage in Quarantäne. Das Außenministerium rät von nicht notwendigen Reisen in die Bundesrepublik ab.

In ISLAND gelten keine Beschränkungen für Deutschland, aber Einreisende müssen generell 14 Tage in Quarantäne oder zwei Tests machen.

In IRLAND steht Deutschland seit Montag nicht mehr auf der «Green List». Das bedeutet, dass Einreisenden aus Deutschland - und den meisten anderen Staaten - empfohlen wird, 14 Tage nach der Einreise ihre Bewegungen im Land stark einzuschränken.

Für BELGIEN ist Deutschland zwar kein Risikogebiet. Allerdings empfiehlt das Außenministerium bei Einreisen aus einigen Regionen - darunter Köln, Düsseldorf, Hannover sowie weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs - Corona-Test und Quarantäne.

In SLOWENIEN gilt Deutschland als Risikogebiet mittlerer Stufe. Wer kommt, muss einen negativen Test vorlegen - oder zehn Tage in Quarantäne.

Für UNGARN ist die ganze restliche Welt Risikogebiet. Ausgenommen von der Grenzsperre sind Ausländer mit einem Wohnsitz in Ungarn. Sie müssen bei einer Einreise zehn Tage in Quarantäne. Ausnahmen gelten auch für Geschäftsleute.

In BOSNIEN-HERZEGOWINA müssen Reisende aus Deutschland einen Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Für den Transit gilt das nicht.

USA

Das Außenministerium ruft US-Bürger weiterhin auf, Reisepläne nach Deutschland zu überdenken. Auf einer Warn-Skala von eins bis vier steht Deutschland auf Stufe drei. Der gesamte Schengenraum gilt als Risikogebiet. Für Nicht-Amerikaner, die in den vergangenen 14 Tagen dort waren, gilt ein Einreiseverbot. Niemand weiß, wann es aufgehoben wird - zumal auch die EU ihre Grenzen für Reisende aus den USA dicht hält.

LATEINAMERIKA

Die meisten Länder in Lateinamerika führen keine Listen mit Risikogebieten, sondern behandeln alle Ausländer gleich. In MEXIKO gab es seit Beginn der Pandemie keine Einreisebeschränkungen. BRASILIEN hat seine Flughäfen auch für Touristen wieder geöffnet. In ARGENTINIEN müssen alle in eine 14-tägige Quarantäne - unabhängig davon, woher sie einreisen. CHILE hat sich abgeschottet. Nur Chilenen und Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis dürfen rein.

AFRIKA

In vielen Ländern Afrikas kann man von überall wieder einreisen, auch aus Deutschland. Etliche Länder fordern einen negativen Test, zum Beispiel ÄTHIOPIEN oder KENIA. Auch In NIGERIA sind Einreisen wieder möglich - doch Fluglinien wie die Lufthansa dürfen nicht landen, als Antwort auf ein Verbot von Flügen aus Nigeria. SÜDAFRIKA erlaubt von Donnerstag an wieder internationale Reisen.

ARABISCHER RAUM

Auch viele Länder im Arabischen Raum behandeln alle Ausländer gleich, statt Listen mit Risikogebieten zu führen. So müssen für die Einreise nach ÄGYPTEN alle Fluggäste einen negativen Test vorlegen. Ähnliches gilt im LIBANON. In Ländern wie JORDANIEN und TUNESIEN ist auch bei einem negativen Test mehrtägige Heim-Quarantäne vorgeschrieben.

Ausnahmen gibt es teilweise für Pauschalreisende. Diese müssen in Tunesien etwa keinen Test vorlegen. Das gilt auch für Direktflüge in ägyptische Strandorte wie Scharm el Scheich und Hurghada.

Einige Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika führen aber auch Länderlisten. TUNESIEN listet Deutschland in einer orangefarbenen Kategorie. MAROKKO hat seine Grenzen geschlossen und internationale Passagierflüge bis 10. Oktober untersagt.

ASIEN-PAZIFIK

Die Grenzen der meisten Länder sind für Ausländer weiter dicht. AUSTRALIEN und NEUSEELAND betrachten im Grunde alle anderen Staaten als Risikogebiete. Nach THAILAND dürfen Ausländer nur mit Sondergenehmigung. Alle müssen in staatliche Quarantäne.

OSTASIEN

CHINA betrachtet Deutschland nicht speziell als Risikogebiet. Vielmehr gelten für Reisende aus allen Ländern gleich strenge Beschränkungen. Normale Visa werden nicht vergeben. Meist sind Sondergenehmigungen erforderlich. Auch müssen Reisende grundsätzlich 14 Tage in Quarantäne in Hotels oder andere Einrichtungen. Es gibt auch wenig Flüge. Selbst Chinesen haben große Mühe, zurückzukehren.

Für JAPAN ist ganz Europa Risikogebiet. Am Donnerstag werden die Grenzen für Ausländer wieder etwas geöffnet, aber nur für Besitzer einer Aufenthaltsgenehmigung von mehr als drei Monaten. Zudem müssen sie negativ getestet sein, zwei Wochen in Quarantäne und dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Für Touristen gilt weiterhin ein generelles Einreiseverbot.

In SÜDKOREA ist eine Einreise ohne Visum für Deutsche nicht mehr möglich. Grundsätzlich müssen alle, die kommen, zwei Wochen in Quarantäne. Ausnahmen: Personen, die aus einem «wichtigen geschäftlichen, humanitären oder akademischen Grund» ins Land müssen. Allerdings brauchen sie ein Zertifikat der jeweiligen südkoreanischen Botschaft.

Wer einen Test allein für die Einreise in ein Land braucht, hat in der Regel keine Krankheitssymptome. In diesem Fall wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen. Reisende müssen also privat selbst dafür bezahlen.

Der Test koste für Privatpatienten laut Gebührenverordnung rund 120 Euro, sagt Bobrowski. Das Centrum für Reisemedizin in Berlin zum Beispiel nimmt 123 Euro inklusive Zertifikat. Wohlgemerkt gilt dieser Preis immer pro Person. Günstiger ist es in der Regel bei privaten Anbietern, die es etwa an größeren Flughäfen gibt. Die Kosten für die Tests sind aber auch dort abhängig vom Verfahren.

Am günstigsten ist der Test bei Centrogene am Flughafen Frankfurt am Vortag mit 59 Euro. Der Identitätsnachweis, also das Hinterlegen der Reisepassdaten in den Test, kostet noch einmal neun Euro extra. Am teuersten ist das "Fast-Track"-Verfahren mit 139 Euro. Das ist aber noch günstiger als der Test in der Notfallambulanz des Flughafens, der dort 215 Euro kostet.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Corona-Schnelltest-Zentrum am Frankfurter Flughafen eröffnet

Das BCRT macht derzeit nach eigenen Angaben rund 120 Tests pro Woche, hauptsächlich für Geschäftsreisende, die etwa nach Ägypten, Dubai, Russland oder Nigeria wollen. "Viele müssen reisen, weil sie einen geschäftlichen Auftrag haben", berichtet Prof. Jelinek. Damit zahlen häufig Firmen für ihre Mitarbeitenden.

Airlines oder Reiseveranstalter zahlen den Test in der Regel nicht. Die Gäste müssten selbst bezahlen, wenn die Tests nicht beispielsweise bei Einreise kostenlos möglich seien, heißt es etwa bei DER Touristik. Derzeit habe man aber mit Madeira nur ein Ziel im Angebot, das einen negativen Test verlange - und auf der Insel im Atlantik können Urlauber den Test kostenlos bei Einreise machen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht generell die Reisenden in der Pflicht. Die Forderung eines Corona-Tests durch das Zielland sei eine nachträgliche Änderung der Einreisebestimmungen, vergleichbar mit der Einführung eines Visums - der Urlauber hat hier also die Zusatzkosten zu tragen. Der Reiseveranstalter müsse jedoch darüber informieren, wenn der Urlauber zur Einreise einen Schnelltest vorzuweisen hat.

Der Großteil der Länder, die aktuell einen negativen Test verlangen, liegt auf der Fernstrecke und ist wegen der Reisewarnung aktuell noch kein Thema, so FTI aus München. Das könnte sich nun mit dem Wegfall der weltweiten Reisewarnung schrittweise ändern.

Der internationale Airline-Verband Iata fordert nun Corona-Test für jeden Passagier vor Abflug. Zahlen sollen die Regierungen. Damit würden Quarantäne-Vorschriften im Zielland überflüssig. In Deutschland will auch die Lufthansa Tests anbieten, um so den Langstreckenverkehr wieder anzukurbeln. Negative Testergebnisse sollten die Passagiere von den geltenden bilateralen Einreiseverboten befreien. Dazu bräuchte es auch die Zustimmung der beteiligten Regierungen.

© Iata, Lesen Sie auch: Iata fordert Corona-Test für jeden Passagier vor Abflug

Problematisch ist ein Abflug am Montag

Ein weiteres Problem ist die Unberechenbarkeit der Wartezeit bis zum Testergebnis. Und das macht den Corona-Test gerade für Reisende, die das Ergebnis aufgrund der Einreisebestimmungen ja stets ganz kurzfristig brauchen, zu einem Nervenspiel.

"Die Abstriche für die Tests sind kurzfristig schnell gemacht, das Ganze dauert maximal zehn Minuten", sagt Reisemediziner Jelinek. "Bei uns kann man auch zwei Tage vorher anrufen, wenn man den Test dringend braucht." Danach kann es aber spannend werden.

Laut Rechtsverordnung des Gesundheitsministeriums soll das Ergebnis nach dem Abstrich beim Arzt und der Analyse im Labor innerhalb von 24 Stunden vorliegen, erläutert Bobrowski. Diese Zeitspanne sähe etwa auch das RKI in Übereinstimmung mit der WHO vor. Das sei aber in der Vergangenheit aufgrund von Engpässen bei der Materialbeschaffung teilweise nicht zu halten gewesen, so der Mediziner.

In der Praxis kann es weiterhin zu Verzögerungen im Labor kommen, wodurch das Ergebnis frühestens nach 48 Stunden vorliegt. "Wir hatten schon die Situation, dass jemand seinen Flug verschieben musste, weil das Testergebnis nicht schnell genug vorlag", erzählt Prof. Jelinek.

Wahrscheinlich ist das nicht unbedingt, aber es kann eben doch mal passieren. In 99 Prozent der Fälle liege das Ergebnis aber innerhalb von 24 Stunden vor, so Jelinek. "Wer sich morgens testen lässt, hat das Ergebnis mitunter noch am Abend des gleichen Tages."

Schwieriger wird es, wenn der Flug Montag früh geht, das Testergebnis aber nicht älter als 48 Stunden zurückliegen darf. Jelinek rät: Am besten kommen Reisende dann Freitagnachmittag, Samstagnachmittag liegt dann das Ergebnis aus dem Labor vor - und bei Einreise sind in diesem Fall dann meist noch keine 48 Stunden vergangen. "Wir hatten schon Reisende, die noch in Erwartung ihres Testergebnisses losgeflogen sind", berichtet der Reisemediziner. Dabei bekommen Reisende ihr Testergebnis nicht direkt vom Labor. Das klingt zwar nach dem schnellsten Weg, ist aber nicht möglich. "Wir als Labore dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Befunde über das Internet schicken", erklärt Bobrowski. Das heißt, der Befund geht zuerst ins EDV-System des Arztes, dies allerdings ohne Verzögerung. Der Arzt stellt dann den Nachweis aus.

Jelinek weist darauf hin, dass das allgemeine Reiseaufkommen derzeit gering sei. In Zukunft könnte sich das ändern, entsprechend würden auch mehr Tests und Laboruntersuchungen nötig.

Schnelltests wie jener des Pharmaunternehmens Roche könnten künftig viel schnellere Ergebnisse liefern. Solche Antigen-Tests würden derzeit aber von vielen Ländern noch nicht anerkannt, sagt Prof. Jelinek. Seiner Ansicht nach wäre es hilfreich, wenn sich das ändern würde. Dann kämen Reisende auf jeden Fall unkomplizierter zu ihrem Negativ-Nachweis.

Von: dh mit dpa

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