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Gedankenflug Den Schaden hat der Hersteller

Ein interessantes Konzept für elektronische Gepäckbänder garantiert noch keinen Erfolg. Zwar hat der deutsche Traditionshersteller Rimowa sich eindeutig bemüht, doch am Ende trägt er selbst den Schaden, urteilt Andreas Sebayang.

Nur wenige Airlines unterstützen das Rimowa Electronic Tag. © airliners.de / Andreas Sebayang

Verwundern sollte das Scheitern von Rimowa niemanden. Das Electronic Luggage Tag kam mit zu wenigen Funktionen bei zu wenigen Partnern und praktisch ohne Unterstützung der restlichen Koffer-Industrie in den Handel. Obendrein wurde auch noch eine verbesserte Version angedeutet bevor das Produkt sich überhaupt etablieren konnte. Oder anders formuliert: Wer das zugrundeliegende Bag2Go-Konzept, das in Zusammenarbeit mit Airbus und T-Systems entstand, verfolgte, der wusste, wie weit weg das System vom Idealzustand ist.

© airliners.de, Andreas Sebayang Lesen Sie auch: Rimowas E-Kofferband ist am Ende

Der Marktstart wurde mit zahlreichen Fehlern in der Praxis torpediert. Oft war das Service-Personal der Lufthansa an den Flughäfen völlig überfordert, Flughäfen waren in nicht öffentlich einsehbaren Rimowa-E-Tag-Sperrlisten und die Bestätigung in der App, dass der Koffer angekommen ist, kam anfangs erst Wochen nach der Landung. Bananenware ist dafür in der Software-Industrie ein beliebter Ausdruck: Das Produkt (hier: die Softwarebasis der Koffer) reift beim Kunden.

Rimowa lässt Anfragen unbeantwortet

Was allerdings gerade für einen Traditionshersteller wie Rimowa verwundert, ist die Art und Weise, wie mit den eigenen, zahlungskräftigen Kunden umgegangen wird. Statt offen die Probleme zu kommunizieren, versucht Rimowa offensichtlich das Thema auszusitzen. Wie bei einem Billighersteller reagiert Rimowa nicht auf Anfragen, lässt die App schleifen und das Electronic Tag plötzlich und ohne Ankündigung von seiner Webseite verschwinden. Das schädigt eine Qualitätsmarke wie Rimowa.

Dabei wären die Möglichkeiten zur Information durchaus vorhanden. Mit der App hat sich das Unternehmen eine eigene Kontaktdatenbank aufgebaut. Eine simple Rundmail würde helfen. Das wäre auch keine Marketing-E-Mail. Zudem könnten die Nachrichten auch über die Apps verteilt werden, etwa als Anmerkung zu einem Update. Nichts davon ist jedoch geschehen.

Diese Art von Produktunterstützung ist den Kunden gegenüber nicht akzeptabel, zumal die Gepäckpreise im hohen dreistelligen Bereich liegen und zuletzt noch einmal deutlich gestiegen sind. Das Vertrauen der Kunden in den Kofferhersteller dürfte verspielt sein.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as

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