Wirtschaft & Finanzen Rettungspakete, Finanzzahlen, Aktien-Verkauf

Das wöchentliche airliners.de-Wirtschafts-Briefing. Dieses Mal unter anderem mit frischem Geld für Fluggesellschaften und Flughäfen, massiven Quartalsverlusten und einem Aktien-Mogul der seine Airline-Beteiligungen abstößt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Hauptversammlung 2018. © Lufthansa

Jour fixe auf airliners.de: Immer dienstags präsentieren wir die wichtigsten Meldungen der Woche aus den Bereichen Luftverkehrswirtschaft und Finanzen. Alle aktuellen Themen-Briefings finden Sie immer auf unserer Übersichtsseite.

Frisches Geld für Fluggesellschaften und Flughäfen

Die internationalen Verbände für Flughäfen (ACI) und Airlines (Iata) haben einen gemeinsamen Aufruf an Regierungen weltweit veröffentlicht, in der "beispiellosen" Corona-Krise so schnell wie möglich umfangreiche Hilfen für die Luftfahrt zur Verfügung zu stellen. Das sei auch für die sonstige Erholung der Volkswirtschaften essentiell.

Die Woche beginnt für Lufthansa mit der Online-Hauptversammlung am Dienstag und bringt wohlmöglich eine Entscheidung in Sachen Corona-Staatshilfen. Die Politik streitet weiter über den Einfluss des Staats. Forderungen kommen auch von Umweltschützern. Weiterlesen

Lufthansa Group und Staatshilfen

Die Verhandlungen über Corona-Staatshilfe für Lufthansa dauern an. Beim Rettungspaket soll es um neun bis zehn Milliarden Euro gehen. Wie der "Spiegel" berichtete, soll gut die Hälfte davon als stille Beteiligung fließen. Dafür verlange der Staat 25,1 Prozent der Lufthansa-Anteile. Zudem solle die staatliche Förderbank KfW 3,5 Milliarden Euro bereitstellen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Der Staat mit im Cockpit? Schiene, Straße, Luft (42)

In Deutschland, Österreich und Belgien wird weiter hart um Staatshilfen für die Lufthansa Group verhandelt, in der Schweiz steht jetzt eine Vereinbarung. Der Staat garantiert für Corona-Kredite an an Swiss und Edelweiss im Umfang von über einer Milliarde Euro. Weiterlesen

Nach den Debatten um politische Einflussnahme im Gegenzug für staatliche Corona-Unterstützungen für die Lufthansa Group in Deutschland und Österreich verlangen nun auch die belgische Regierung und Schweizer Politiker Garantien. Weiterlesen

In Wien gibt es Befürchtungen, dass eine verkleinerte Lufthansa-Gruppe den Standort als Drehkreuz aufgeben oder stark stutzen könnte. Kanzler Kurz kündigt vor einem Treffen mit Carsten Spohr an an, in den Verhandlungen um Staatshilfen auf die eigenen Vorteile zu pochen. Weiterlesen

André Dosé, erster CEO der 2002 gegründeten Swiss, fürchtet in einem Interview mit "abouttravel.ch", dass die monopolähnliche Stellung der Swiss in Zürich nach der Corona-Krise noch stärker sein könnte. Das wäre für niemanden gut, auch für Swiss nicht.

Die isländische Regierung denkt darüber nach, Anteilseigner von Icelandair zu werden, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Laut Regierungschefin Jakobsdottir müsse der Staat einen Anteil bekommen, sollte er die Airline unterstützen.

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire hat Air France mit 4 Milliarden Euro gestützt, jetzt kommt die Einflussnahme der Politik. Air France darf keine Kurzstreckenflüge mehr durchführen und soll die grünste Airline der Welt werden, berichtet "Business Insider".

© TT News Agency/epa/dpa, Johan Nilsson Lesen Sie auch: Norwegian einigt sich mit Gläubigern auf Rettungsplan

Finnair will neue Aktien im Wert von 500 Millionen Euro ausgeben, um die entstandenen Verluste in der Corona-Krise aufzufangen. Das habe der Aufsichtsrat der Airline beschlossen, berichtet "Reuters" und weist darauf hin, dass das ganze Unternehmen derzeit nur mit 488 Millionen Euro an der Börse bewertet wird.

Virgin Australia gab bekannt, insgesamt mit 20 potenziellen Käufern über einen Verkauf der zweitgrößten australischen Fluggesellschaft bis Ende Juni zu verhandeln, meldet "Reuters". Zuvor hatte die Airline aufgrund der Corona-Krise Insolvenz angemeldet.

Ryanair plant wegen der Corona-Krise den Abbau von bis zu 3000 Stellen bei den Piloten und dem Kabinenpersonal. Zudem sollen die meisten Flüge bis Ende Juni gestrichen werden, wie das Unternehmen jetzt mitteilte. Weiterlesen

© European Union , 2017, Lukasz Kobus Lesen Sie auch: Grünes Licht für Air-France-Milliardenhilfen

Die Deutsche Bahn benötigt wegen der Corona-Krise Milliardenhilfen vom Staat. Wie der "Spiegel" berichtet, werden Staatshilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro notwendig. Die Bahn hatte den Fahrplan trotz deutlich weniger Passagiere kaum angepasst. Zudem fehlt Fracht.

Der Genfer Flughafen besorgt sich über eine dreijährige Anleihe 300 Millionen Franken Liquidität, um die Finanzierung zu sichern und die Wiederaufnahme des vollen Betriebs vorzubereiten, berichtet "abouttravel.ch".

Für den Flughafen Parchim gibt es ein Jahr nach dem Beginn der Insolvenzverfahren noch keine konkrete Zukunftsperspektive. Bislang hätten sich rund 35 potenzielle Investoren gemeldet, teilte Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Stobart Group steigt erneut bei dem irischen Regionalflieger Stobart Air ein, berichten irische Medien. Der britische Misch-Konzern kauft 49 Prozent der Anteile. Die übrigen 51 Prozent verbleiben bei den Mitarbeitern von Stobart Air.

Trotz fehlender Passagiere beantragt der Hunsrück-Flughafen Hahn in der Corona-Krise vorerst keine finanzielle Hilfe vom Staat. Hintergrund sind die strikten Beihilfe-Regularien der EU. Weiterlesen

Finanzzahlen

Airbus hat wegen der Corona-Pandemie im ersten Quartal einen Verlust von 481 Millionen Euro verbucht. Im Vorjahresquartal hatte unter dem Strich noch ein Gewinn von 40 Millionen Euro gestanden. Der Umsatz sank in der Krise um 15,2 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Weiterlesen

Die Corona-Pandemie und das Debakel rund um den Unglücksflieger 737 Max haben Boeing im ersten Quartal einen Verlust von 641 Millionen US-Dollar beschert. Bis zu 16.000 Arbeitsplätze könnten zur Disposition stehen. Weiterlesen

Statt wie zuvor geplant ein neues "Middle of the Market"-Flugzeug zu entwickeln, erwägt Boeing nach den herben Verlusten durch die 737-Max-Groundings und die Corona-Pandemie eine Neuauflage der 757 und 767. Wie "Reuters" berichtet, könnten die rund 40 Jahre alten Plattformen gründlich überholt und mit neuen Triebwerken versehen werden.

Boeing gibt Anleihen im Wert von 25 Milliarde US-Dollar aus und verzichtet auf Staatshilfen. Im Gegenzug ist nun der Weg frei für Massenentlassungen. Der Flugzeugbauer ist geschwächt in die Krise gestolpert. Weiterlesen

Die IAG-Fluggesellschaften haben im ersten Quartal über eine halbe Milliarde Euro Verlust eingeflogen. Im Zuge der Corona-Krise sollen nun bis zu 12.000 Stellen wegfallen, teilte die Airline-Gruppe um British Airways und Iberia mit. Weiterlesen

Die Corona-Pandemie hat die US-Fluggesellschaft United Airlines tief in die roten Zahlen gebracht. Im ersten Quartal fiel ein Nettoverlust in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) an, wie die Airline am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Vor einem Jahr hatte United noch 292 Millionen Dollar verdient. Der Umsatz fiel um 17 Prozent auf 8,0 Milliarden Dollar.

American Airlines hat wegen der Corona-Krise ihren ersten Quartalsverlust seit der Rückkehr aus der Insolvenz im Jahr 2013 erlitten. In den drei Monaten fiel unterm Strich ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar an, teilte die Airline mit. Im Vorjahr gab es noch einen Gewinn von 185 Millionen Dollar.

© dpa, Peter Steffen Lesen Sie auch: MTU erwartet deutlichen Nachfrageeinbruch

Swissport hat im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz um rund fünf Prozent auf 3,13 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr gesteigert, teilte der Bodenverkehrsdienstleister mit. Der Betriebsgewinn (EBITDA) lag mit 273 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau aus.

Der Mannheimer City Airport rechnet wegen der Corona-Pandemie für dieses Jahr mit einem Defizit von 1,4 Millionen Euro, berichtet der "SWR". Derzeit fallen 95 Prozent der Geschäftsflüge aus. Auch die Linienflüge nach Hamburg und Berlin der flughafeneigenen Rhein-Neckar-Air bleiben weiter ausgesetzt.

Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von US-Staranleger Warren Buffett hat alle Beteiligungen an US-Fluggesellschaften veräußert, schreibt "Forbes" Buffett tut sich mit Zukäufen seit langem schwer, da ihm die Bewertungen zu hoch sind. "Wir sehen nichts besonders Attraktives", erklärte er nun auf der Berkshires Hauptversammlung.

(Foto: Fortune Live Media, gepostet auf Flickr, CC BY-NC-ND 2.0) Foto: © Fortune Live Media

© Flughafen München, Lesen Sie auch: "Die Nachfrage wird zurückkehren" Interview

Der US-Ersatzteilhändler AvAir hat mit Lufthansa Technik eine langfristige Vertriebsvereinbarung abgeschlossen und 9.+000 Komponenten aus dem Überbestand an Umlaufteilen von Lufthansa Technik erworben, teilte die Lufthansa-Tochter mit.

Von: airliners.de

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