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Reiseveranstalter müssen für Zugverspätungen haften

Kein Stau, keine Zubringerflüge: Viele Urlauber reisen mit einem "Rail & Fly"-Ticket zum Abflughafen. Doch die Bahn verspätet sich häufig. Für den verpassten Anschlussflug in die Ferne muss sie aber nicht haften, sondern der Reiseveranstalter.

Mehrere ICE-Züge am Bahnhof. © dpa / Frank Rumpenhorst

Urlauber dürfen beim Planen eines Fluges grundsätzlich darauf vertrauen, dass die Bahn während der Fahrt zum Flughafen ihre Abfahrts- und Ankunftszeiten einhält. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden (Az.: 2-24 S 74/19) und damit Touristen Recht gegeben, die von ihrem Reiseveranstalter die Mehrkosten nach dem Verpassen eines Flugs nach Thailand forderten.

Im verhandelten Fall ging es um eine Pauschalreise, bei der ein "Rail & Fly"-Ticket für die Bahn enthalten war. Die betroffene Familie war in den Reisedokumenten aufgefordert worden, sich spätestens 120 Minuten vor dem Abflug am Schalter der Fluggesellschaft einzufinden.

Laut Fahrplan hätte die Urlauberfamilie knapp zweieinhalb Stunden vor dem Abflug am Flughafen eintreffen müssen. Wegen einer Zugverspätung und einem Ende der Zugfahrt am Frankfurter Hauptbahnhof kam sie aber erst 50 Minuten vor Abflug am dann bereits geschlossenen Check-in-Schalter an.

Reiseveranstalter muss zahlen

Unter anderem für die Umbuchung auf einen Flug nach Thailand am Tag darauf musste die Familie rund 2200 Euro bezahlen und klagte auf Übernahme der Kosten durch den Veranstalter.

Und das Landgericht gab der Familie Recht: Durch "Rail & Fly" sei der Bahntransfer ein Teil des Reisepakets geworden, und die Familie habe nur Verzögerungen einplanen müssen, mit denen regelmäßig zu rechnen sei.

Die Reiserechtskammer entschied dabei, dass eine Zugverspätung von zehn Minuten einzukalkulieren sei - und bei dieser Planung hätte der verbliebene Zeitpuffer gereicht, um rechtzeitig 120 Minuten vor Abflug am Check-in-Schalter anzukommen. Das Urteil ist rechtskräftig.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Mit dem Zug zum Flug ist riskant und wenig komfortabel Zug statt Flug (7)

Das neue Urteil macht das Angebot nun für Passagiere ein wenig attraktiver - allerdings nicht für die Reiseveranstalter. Zuvor waren Passagiere bei einer Verspätung der Bahn im Zweifel sogar bei Kombiangeboten wie "Rail & Fly" auf dem Schaden für einen verpassten Anschluss-Langstreckenflug sitzen geblieben, sofern sie nicht mindestens drei Stunden Puffer zum Umsteigen von der Bahn ins Flugzeug eingeplant hatten.

Eigentlich soll die Bahn innerdeutsche Zubringerflüge langfristig ersetzen. Durch die Angebotsnachteile im Bahn-Zubringersystem erwarten Beobachter für den Fall einer Einstellung von innerdeutschen Zubringerflügen eher eine Verlagerung auf Flüge zu Drehkreuzen im Ausland.

Von: dh mit dpa

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