Reiserückkehrer fallen in den Corona-Statistiken auf

Der RKI-Situationsbericht beinhaltet eine Liste der sogenannten Expositionsländer. Dabei stellt sich heraus, dass Reiserückkehrer zu einer auffälligen Gruppe werden. Die meisten Infektionen finden allerdings hier statt.

Beim Check-in, an der Sicherheitskontrolle und überall dort, wo Fluggäste oft anstehen müssen, helfen Hinweise und Bodenmarkierungen beim Abstandhalten. Hier am Flughafen Stuttgart. ©, Flughafen Stuttgart

Der RKI-Lagebericht vom 28. Juli 2020 (PDF) beinhaltet, wie erwartet, wieder eine Liste der sogenannten Expositionsländer. Diese listen auf, wo sich Covid-10-Erkrankte mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert haben. Verglichen zu dem letzten Berichtsdatum (PDF vom 21. Juli) gibt es einige Auffälligkeiten: Reiserückkehrer haben ihren Anteil an Covid-19-Erkrankungen erhöht. Bedenklich sind dabei vor allem die vom RKI ausgewiesenen Risikogebiete.

Der letzte Berichtszeitraum beinhaltet die Kalenderwochen 27 bis 30. Auch in diesem Zeitraum bleibt es dabei, dass das Gros der Ansteckungen in Deutschland passiert: 6.809 von 7.977 Fällen, bei denen das Ursprungsland genannt wurde, fanden in Deutschland statt. Der vorherige Berichtszeitraum (KW 26-29) nannte 7.015 von 7.803 Fällen. Es fanden sich also mehr Infektionen außerhalb Deutschlands. Wie in der Vorwoche sind die vier häufigsten Fälle der Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Es gab dabei allerdings eine deutliche Verschiebung.

© dpa, Marius Becker Lesen Sie auch: Spahn: Testpflicht ab kommende Woche - Bundesärztekammer dafür

Werden die beiden Zeiträume verglichen, fällt vor allem der Kosovo auf. Es sind nunmehr 303 Fälle statt zuvor 147 Fälle. Mehr als eine Verdoppelung durch die Entnahme der Kalenderwoche 26 und dem Zufügen der Daten der Kalenderwoche 30. Damit überholt der Kosovo Serbien. Serbien legte nur moderat von 224 auf 242 Fälle zu. Starke Zuwächse gibt es auch bei der Türkei und Bosnien-Herzegowina. Die Werte steigen vom unteren 40er-Bereich in Richtung 70.

Rückkehrer aus diesen Ländern sollen sich nach den Plänen der Bundesregierung kostenlos testen lassen. Ab kommender Woche soll für Risikoländer gar eine Testpflicht gelten.

Werte müssen mit Vorsicht gelesen werden

Der RKI-Bericht nennt zum Teil sehr besondere Fälle, sodass die Betrachtung der Zahlen nur als Grundlage dienen kann. Zu beachten ist, dass nicht für alle Fälle in der Vergangenheit überhaupt ein Ursprungsland erfasst wurde, da in dem aktuellen Zeitraum (KW 27-30) fast 12.000 Infektionen dem RKI bekannt wurden. Auch wenn ein Drittel der Daten fehlen, sind diese als Untergrenze aufschlussreich. Da jeweils ein Vier-Wochen-Zeitraum verglichen wird, sind die Zahlen mitunter kritischer zu bewerten sind. Sie mögen auf den ersten Blick harmlos erscheinen, das kann allerdings täuschen, da der Zeitraum so lang ist. Dementsprechend wird eine Besserung der Infektionszahlen allerdings auch erst spät in den Vier-Wochen-Zeiträumen Auswirkungen haben.

Gleichzeitig dürfen die Zahlen nicht pauschal auf alle Reisenden angewandt werden, da die Anzahl der Reisenden pro Land nicht bekannt ist. Die für Deutschland besonders wichtige Sommerdestination Spanien ist beispielsweise im aktuellen Bericht mit nur 17 Fällen genannt und erreicht Platz 15. Von dort dürften erheblich mehr Rückkehrer nach Deutschland gelangt sein, als etwa von einzelnen Ländern des Balkans. Anders formuliert, wirken sich die zahlreichen Ausbrüche in Spanien bisher nicht oder kaum auf Reiserückkehrer aus, auch wenn das Auswärtige Amt von Reisen dorthin abrät. Das kann sich in den folgenden Wochen jedoch noch ändern.

Von: as

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