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Reisebüros stöhnen über Iata-Bürgschaften

Trotz massiver Umsatzverluste in der Reisebranche besteht die Iata auf hohen Bürgschaften für die Teilnahme am Ticket-Handel über ihre Plattform. Der Fokus auf das Wohl der Fluggesellschaften verschärfe ihre Lage zusätzlich, klagen die Reisebüros.

Beratung in einem Reisebüro © Thomas Cook

Reisebüros in Deutschland fühlen sich zunehmend vom internationalen Airline-Verband Iata im Stich gelassen. Diese habe nicht im Ansatz verstanden, in welcher wirtschaftlichen Notlage viele Reisebüros seien, zitiert die Fachzeitschrift "FVW" Dirk Inger, den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV).

Beklagt wird angesichts der großen Schwierigkeiten der Branche in der Corona-Krise vor allem eine fehlende Flexibilität seitens der Iata bei der Bemessung von Bürgschaften. Die Bürgschaften müssen Lizenznehmer hinterlegen, um über das BSP-System (Billing and Settlement Plan) der Iata die verkauften Tickets mit den Airlines abzurechnen. Die Höhe der Bürgschaften ergibt sich aus dem Umsatz der vorangegangen Jahre. Reisebüros, die 2018 und 2019 viele Tickets verkauft haben, müssen nun eine entsprechend hohe Bürgschaft hinterlegen, obwohl der Umsatz mit Beginn des Corona-Lockdowns im März auf breiter Front eingebrochen ist.

Für viele der über 2400 Reisebüros in Deutschland, die Inhaber der entsprechenden Iata-Lizenz sind, liegen die Bürgschaften im mittleren sechsstelligen Bereich. Doch statt sie aufgrund der Liquiditätsengpässe in der Branche abzusenken oder die Regeln zu lockern, treibe die Iata die Bürgschaften derzeit rigoros und mit verhängten Strafzahlungen ein, so der FVW-Bericht. Über allem schwebt dabei der existenzbedrohende Verlust der Lizenz bei Nichtzahlung.

Für Empörung in der Branche sorgt dabei auch, dass einige Reisebüros noch immer auf Erstattungen von in der Corona-Krise annullierten Flügen der Iata-Airlines warten. Denn in Sorge um ihre eigene Liquidität haben viele Airlines mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr die eigentlich automatische Rückerstattung von annullierten Tickets an die Reisebüros über das BSP-System monatelang ausgesetzt.

Der Geldfluss im BSP-System lief nicht mehr wie vorgesehen in zwei Richtungen, sondern nur noch von Reisebüros zu den Airlines. Lange währte danach der Streit um staatliche Absicherungen für Erstattungen und Gutscheinlösungen. Die Iata habe sich nur halbherzig engagiert, für die Einhaltung der Regeln des eigenen Abrechnungssystems zu sorgen, kritisierten Experten. Sie agiere nur im Interesse der Airlines.

Von: dk

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