Regierung plant Gutscheine statt Bargeld für Ticket-Erstattungen

In der Corona-Krise wird die schiere Menge an Erstattungsforderungen für annullierte und stornierte Flüge zur existenziellen Gefahr für die Airlines. Jetzt bereitet die Politik eine Gutscheinlösung anstatt der eigentlich gesetzlich vorgesehenen Geldzahlungen vor.

Der Luftfahrtbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), findet die Erhöhung der Luftverkerhsteuer auch zum jetzigen Zeitpunkt gerechtfertigt. © Tobias Koch

Bei stornierten Flügen und Pauschalreisen sollen Konsumenten nach Vorschlägen aus der Bundesregierung künftig Gutscheine erhalten anstelle von Erstattungen. Damit könnten Fluggesellschaften und Reiseveranstalter in der Corona-Krise finanziell erheblich entlastet werden, argumentierten Regierungsvertreter.

Die Luftverkehrsbranche brauche Hilfen bei der hohen Anzahl der Erstattungsforderungen, damit ihre Liquidität sichergestellt bleibe, sagte der Regierungs-Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU). "Die Airlines sollten die Möglichkeit bekommen, Gutscheine für Kunden auszustellen - diese könnten sie dann einlösen, wenn der Flugbetrieb wieder hochgefahren wird oder später auch auszahlen lassen. Dies würde die Airlines und am Ende die Steuerzahler finanziell deutlich entlasten."

Lufthansa hat die automatisierte Erstattung schon abgestellt

Lufthansa und andere Gesellschaften versuchen derzeit, ihre Kunden von konkreten Erstattungsanträgen für stornierte Flüge abzuhalten. Sie gewähren aktuell lange Fristen, um die bereits bezahlten Tickets auf andere Flüge im Laufe des Jahres umzubuchen.

Bei Lufthansa können aktuelle Tickets noch mindestens bis zum 31.8. kostenlos umgebucht und storniert werden. Die Airline bietet dafür sogar einen Bonus von 50 Euro an. In den professionellen Buchungssystemen etwa für Reisebüros hat der Konzern die automatisierte Erstattung einseitig gestoppt. Die entsprechenden Online-Funktionen auf den Websites der Konzern-Airlines verweisen Kunden auf einen telefonischen Kontakt mit dem Service-Center.

© dpa, Armin Weigel Lesen Sie auch: Lufthansa deaktiviert Online-Erstattungsfunktion für Tickets

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) unterstützt das Vorhaben einer Gutscheinlösung: "In der jetzigen Situation bedroht eine Rückzahlpflicht die Liquidität der Fluggesellschaften existenziell. Eine Gutscheinlösung bei annullierten Flügen würde unseren Unternehmen helfen und gleichzeitig die Kunden nicht schädigen, denn diese könnten ihre gebuchten Reisen nach Ende der Corona-Pandemie tatsächlich auch antreten", erklärte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Man setze darauf, dass Bundesregierung und EU-Kommission die Lösung ermöglichen.

Verbraucherschützer wehren sich gegen die Gutscheinpläne

Widerstand gegen den Plan, bei stornierten Flügen und Pauschalreisen den Konsumenten zunächst nur Gutscheine auszuhändigen, regt sich beim Verbraucherzentrale Bundesverband: "Die Verbraucher dürfen nicht gezwungen werden, der Reisebranche einen Kredit zu gewähren, wenn sie selber das Geld für anderes wie Miete oder Lebensmittel einsetzen wollen", sagte die Mobilitätsexpertin des Verbandes, Marion Jungbluth. Dies wäre unfair und gerade für Menschen mit kleinen Einkommen eine nicht zu verantwortende soziale Härte. Gutscheine für ausgefallene Reisen müssten freiwillig bleiben.

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Insgesamt leidet der Luftverkehr wie wohl keine zweite Branche unter den Folgen der Corona-Pandemie. Der Verkehr ist weltweit drastisch zurückgegangen, in Europa ist im Vergleich zum Vorjahr nicht einmal mehr jeder vierte Flieger unterwegs. Den Airlines droht im laufenden Jahr nach Schätzungen ihres Weltverbandes IATA ein Umsatzrückgang von bis zu 252 Milliarden US-Dollar (233 Milliarden Euro), was einem Anteil von 44 Prozent der Erlöse aus 2019 entsprechen würde.

Auf die Reiseveranstalter kommt eine milliardenschwere Welle an Erstattungen zu

Auch in der Reisebranche sind die Erstattungsforderungen enorm. Der Branchenverband DRV gehe von 4,8 Milliarden Euro bis Ende April aus. Er mache sich um die Reiseveranstalter große Sorgen, sagte der Wirtschafts-Staatssekretär und Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU). "Auch kerngesunde Unternehmen halten das nicht länger aus. In der Tat könnte eine Gutscheinlösung hier Liquidität sichern." Es sei aber wichtig, dass der Kunde sicher bleibe, dass sein Geld nicht verloren geht. Dies müsse auf eine ordentliche Grundlage gestellt werden, sagte Bareiß.

DRV-Präsident Norbert Fiebig hatte für den Fall von Reisegutschriften eine staatliche Garantie für die Kunden vorgeschlagen. Das geltende Reiserecht sehe diese Lösung bislang nicht vor. "Wenn die Bundesregierung die Reisewirtschaft in ihrer bestehenden Form erhalten will, brauchen wir Lösungen, die auf die Branche zugeschnitten sind", sagte Fiebig. Die Aufwendungen für Stornierungen von Reisen wegen der weltweiten Reisewarnung müssten mit einer "schnellen und unbürokratischen Beihilfe" ausgeglichen werden.

Die Reisewarnung der Bundesregierung wegen der Corona-Krise gilt vorerst bis Ende April und betrifft damit auch die Osterferien. Auch die Reisebüros benötigten dringend Unterstützung, mahnte DRV-Präsident Fiebig. Diese müssten bereits erhaltenen Provisionen an die Veranstalter zurückführen. "Das werden auch viele Reisebüros nicht stemmen können", warnte Fiebig.

© dpa, Mark Schiefelbein Lesen Sie auch: Juristen rechnen mit Coronavirus-Prozesswelle um Flugentschädigungen

Von: dk, dpa

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