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Hintergrund Rapit Osaka: So muss ein Flughafenzug aussehen

Deutsche Flughafenzüge haben in der Regel weder Gepäckfächer noch speziellen Komfort. Die Fahrt zum Flughafen Osaka Kansai ist dagegen ein echtes Erlebnis. Denn selbst für japanische Verhältnisse ist Nankais Rapit etwas Besonderes. Eine Probefahrt, die viele Leser interessiert hat.

Nankais Rapit-Züge für Flughafengäste. © Nankai Electric Railway
Die Rap:t-Züge (rot) teilen sich die Gleise mit den lokalen Zügen. © Privat / Andreas Sebayang
Modernes Anzeigesystem für Züge. © Privat / Andreas Sebayang
Der Rap:t steht im Bahnhof des Flughafens Osaka Kansai © Privat / Andreas Sebayang
Die Spitze des Zuges ist ungewöhnlich. © Privat / Andreas Sebayang
Fast wie im Flugzeug und mit sehr viel Platz in der zweiten Klasse. © Privat / Andreas Sebayang
Die geräumigen Sitze werden entsprechend der Fahrtrichtung gedreht. © Privat / Andreas Sebayang
Die Gepäckablagen sind großzügig. © Privat / Andreas Sebayang
Vorbildliche Hinweise auf andere Sprachen, wenn auch nur online. © Privat / Andreas Sebayang
Ein Teilstück der Nankai-Strecke, das aufgeständert wird. © Privat / Andreas Sebayang
Innerhalb von 40 Minuten Fahrzeit wird rund vier Minuten für Unterwegshalte genutzt. © Privat / Andreas Sebayang
Die Konkurrenz von JR West lässt insgesamt drei Hello-Kitty-Designs zum Flughafen Osaka fahren. © JR West

Hinweis: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 3. März 2020 veröffentlicht.

In Deutschland sind spezielle Flughafenzüge eine Seltenheit. Einzige Ausnahmen sind der überregionale Flughafen-Express Üfex in München, der den Norden des Flughafens direkt anbindet, sowie der geplante FEX zum neuen Berliner Flughafen BER. Ansonsten sind die Flughäfen hierzulande über den normalen Schienennahverkehr angeschlossen.

Mehr Komfort als in den normalen Zügen gibt es bei den speziellen Flughafenangeboten allerdings nicht, trotz des sehr speziellen Einsatzbereichs. Im Gegenteil: Der Üfex hält beispielsweise am Flughafen München an einem S-Bahnsteig. Der Zugeinstieg ist dadurch niedriger als der Bahnsteig, was doch recht ungewöhnlich ist. Eine besondere Ausstattung wie etwa Kofferregale fehlt komplett.

© airliners.de, Andreas SebayangLesen Sie auch: Münchens Flughafen-Express Üfex mit Optimierungsbedarf

Der Berliner FEX hingegen soll zumindest Anzeigen für die Abflüge an den Terminals bekommen, aber noch ist es nicht so weit. Mehr wird hierzulande nicht getan, um den Bedürfnissen der per Bahn-Nahverkehr anreisenden Fluggästen entgegenzukommen.

Ein Blick ins Ausland zeigt, welches Potential eigentlich vorhanden ist.

Wer etwa in Japan zu einem der besonders großen Flughäfen will, der nimmt - wenn er nicht gerade ein Sparfuchs ist - in der Regel einen Zug der Kategorie Limited Express. Das ist eine der schnellsten Zugkategorien im ÖPNV Japans. Diese teilen sich in aller Regel die Gleise und Bahnhöfe mit langsameren Zügen wie Commuter Express, Special Rapid Express oder Local Trains. Gerade als Flughafenzug sind sie zudem oft etwas Besonderes, so auch Nankais Rapit in Osaka, der die etwas seltsame Eigenschreibweise "Rap:t" nutzt.

Der hier näher betrachtete Zug in Osaka ist für alle Besucher empfehlenswert, was auch am japanischen ÖPNV-System liegt. Limited-Express-Züge haben mindestens einzelne, reservierungspflichtige Wagen und viele Sitzplätze. Dazu muss man wissen, dass der japanische ÖPNV so gut ausgelastet ist, dass in der Regel nur eine Längsbestuhlung verbaut wird. Das Besondere an den Limited-Express-Zügen ist zudem etwas, was hierzulande kaum vorstellbar ist: Diese Züge sind auf denselben Gleisen erheblich schneller unterwegs als die anderen Zugkategorien, was wir anhand des Beispiels dieses Flughafen-Express-Zuges genauer erklären wollen.

Die Gepäckablage reicht für einen typischen Trolley. Foto: © Privat, Andreas Sebayang

Der Rapit der japanischen Bahngesellschaft Nankai in Osaka ist dabei ein Paradebeispiel dessen, wie ein Flughafen-Express funktionieren kann. Wer den Express das erste Mal sieht und Japan nicht kennt, der wird erst einmal erstaunt sein.

Der Zug folgt einem für Eisenbahnen ungewöhnlichen Designstil und erinnert eher an Retro-Flugzeuge. Riesige runde Fenster hintereinander angeordnet wie beim Flugzeug. Dazu kommt eine markante pfeilförmige Spitze, die den Rapit ein bisschen wie einen Jet aussehen lässt.

Auch innen ist das so. Es gibt klassische schließbare Gepäckablagefächer, die sehr an die Konstruktion von Overhead Bins in Flugzeugen erinnern. Dazu kommen großzügige Gepäckregale jeweils an einem Wagenende. Gepäck lässt sich sogar festmachen. Nötig ist das in Japan allerdings kaum. Diebstähle sind die absolute Ausnahme in diesem Land.

Typisch für Japan und Limited-Express-Züge ist, dass der Fahrgast immer in Fahrtrichtung sitzt. Wer jetzt denkt, dass deswegen die Züge gedreht werden, liegt falsch. Die Sitze sind natürlich für den Fahrtrichtungswechsel technisch ausgelegt. Sie lassen sich entweder drehen oder die Lehne kann zum Fahrtrichtungswechsel umgeklappt werden.

Vorteilhaft zudem: Es gibt sehr viel Beinfreiheit. Im Notfall lässt sich der Platz sogar für einen Koffer verwenden. So viel Beinfreiheit kennt man selbst in Europa kaum, obwohl die Menschen hier deutlich höher gewachsen sind.

VBB, Lesen Sie auch: ÖPNV am BER: Flughafenexpress-Frühstart und ein neuer Busbahnhof Analyse

Die Fahrt zum Flughafen aus der südlichen Innenstadt von Osaka dauert rund 40 Minuten bei sehr hoher Pünktlichkeit. Das verwundert auf den ersten Blick, denn auf denselben Gleisen verkehren noch mehrere andere Züge von Nankai, die allesamt langsamer sind und auch eine dichte Zugfolge bieten. Am Flughafen teilt sich Nankai sogar die Gleise mit dem Konkurrenten Japan Railways, der ein ähnliches Konzept verfolgt und teils Hello-Kitty-Haruka fahren lässt. Beide Gesellschaften fahren alle 30 Minuten einen Limited-Express-Zug. Zusätzlich halten am Flughafen und auf der Strecke unterwegs Züge langsamerer Kategorien.

Japans Eisenbahnkonzept sieht dabei zahlreiche Bahnhöfe vor, in denen die langsamen Züge auf die Durchfahrt der Express-Züge warten. Dank großer Reserven der langsamen Züge funktioniert das mit einer hierzulande kaum vorstellbaren Pünktlichkeit.

So pünktlich wie die Shinkansen ist der ÖPNV allerdings nicht. So kam der Rapit während der Testfahrt rund drei Minuten zu spät an. Der Grund war aber nachvollziehbar: Nankai ständert seit einiger Zeit einen Teil der Strecke auf, um Kreuzungen mit Straßen zu vermeiden - im laufenden Betrieb versteht sich. Japanische Bahngesellschaften sperren nur ungern Strecken für Baumaßnahmen oder Wartung, wenn es sich vermeiden lässt. Störungsfrei verläuft es in Japan natürlich trotzdem nicht. Erdbeben und Taifune sind große Herausforderungen für die dortige Infrastruktur.

Die Züge werden nach jedem Umlauf gereinigt. Foto: © Privat, Andreas Sebayang

Japans System hat natürlich auch Nachteile. Das Ganze kommt zu einem recht hohen Preis. 1.290 Yen kostet die Fahrt in dem Nankais Express-Zug. Umgerechnet sind das etwas über zehn Euro. Der Preis muss aber in dem Kontext des ohnehin recht teuren ÖPNV in Japan gesehen werden. Mit einem normalen, lokalen Zug, der typisch für Japan fast nur Stehplätze bietet, kostet die Fahrt auch schon rund sieben Euro. Zum Vergleich: In Berlin wird die Fahrt zum BER 3,60 Euro kosten. In München sind es 11,50 Euro mit einer normalen S-Bahn.

Für einen Aufschlag von grob 50 Prozent bietet Osakas Flughafen-Express also Gepäckregale mit Schlössern, einen bequemen Sitzplatz mit erstaunlich viel Beinfreiheit in Fahrtrichtung und geschlossene Overhead-Bins über dem Sitzplatz. Große Fenster und ein schönes Interior machen die 40-Minuten-Fahrt sehr angenehm und selbst für Nicht-Eisenbahnfans zu einem Erlebnis. Konkurrent Japan Railways versucht sogar, Touristen mit Hello-Kitty-Zügen und entsprechend bedruckten Icoca-E-Tickets die zum Zug zu locken. Nicht zu vergessen, dass die Züge beim Kopf machen binnen weniger Minuten komplett geputzt werden und immer sauber sind.

Von: Andreas Sebayang

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