Boeing lässt Gewinn-Ziele für 2019 offen

Boeing hatte eigentlich mit einem Rekordumsatz gerechnet. Doch der Absturz von zwei 737 Max und das anschließende Grounding hat alle Pläne Makulatur werden lassen - und hinterlässt schon jetzt deutliche Spuren in der Bilanz.

Das Boeing-Logo ist auf einem Bildschirm über dem Tradingfloor der New Yorker Börse zu sehen. © dpa / Richard Drew/AP

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat zu Jahresbeginn deutlich weniger verdient und nach den Abstürzen zweier 737-Max-Maschinen seine Ziele für 2019 gestrichen.

Da weiter unklar ist, wann und zu welchen Bedingungen der absatzstärkste Flugzeugtyp wieder abheben darf, soll eine neue Prognose erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden, teilte der Airbus-Rivale am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalszahlen in Chicago mit.

Das Debakel um die 737-Max-Maschinen hinterließ bereits deutliche Spuren in der Bilanz. Im ersten Quartal brach Boeings Gewinn verglichen mit dem Vorjahreswert um 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro) ein. Weil der Hersteller aktuell keine neuen Exemplare davon mehr ausliefern darf, fiel der Umsatz um zwei Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar.

Boeing bezifferte die bisherigen Kosten durch die 737-Max-Probleme auf über eine Milliarde Dollar, machte aber noch keine Angaben dazu, wie stark die künftigen Geschäfte darunter leiden werden.

Unklarheit über Schadenersatzforderungen

Der bisherige Geschäftsausblick für 2019 habe jedoch keine Gültigkeit mehr und werde aktualisiert, wenn es mehr Klarheit über die Probleme mit der 737-Max-Baureihe gebe. Boeing hatte ursprünglich angepeilt, in diesem Jahr 895 bis 905 Passagier- und Frachtflugzeuge auszuliefern. Der Umsatz sollte 109,5 bis 111,5 Milliarden Dollar erreichen.

Für den Gewinn je Aktie hatte das Management 21,90 bis 22,10 Dollar im Auge. Wegen Schadenersatzforderungen von Fluggesellschaften und Angehörigen der bei den Unglücken getöteten Passagiere drohen Boeing aber nun hohe Belastungen.

Auch wenn ein massenhafter Umstieg und eine Stornierungswelle von Fluggesellschaften schon allein aus Mangel an Ausweichmöglichkeiten als unwahrscheinlich gilt, wird die Lage für Boeing immer kritischer. Je länger sich die Flugverbote hinziehen, desto stärker gerät der Hersteller gegenüber Kunden in Verzug, was zu Regressforderungen führen kann. Zudem ist es bereits ein logistischer Kraftakt, die vielen Maschinen zu lagern.

© dpa, Frederik Ureel/BELGA Lesen Sie auch: 737 Max bleibt mindestens bis August am Boden

Brisanter als diese operativen Probleme könnte aber Boeings Rolle bei den Abstürzen sein. Der Flugzeugbauer steht nach den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, massiv in der Kritik. Ein Herstellerfehler bei einer Steuerungssoftware, die eigens für Boeings spritsparende Neuauflage der 737-Reihe entwickelt wurde, gilt laut vorläufigen Ermittlungsberichten als möglicherweise entscheidende Unfallursache.

Es liegen bereits etliche Klagen von Angehörigen der Absturzopfer vor. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass eine hausgemachte fehlerhafte Software der entscheidende Faktor bei den Unglücken war, so würde Boeing eine viel weitreichendere Haftung mit deutlich höherem Schadenersatz drohen. Zudem muss Boeing die staatlichen Strafverfolger fürchten. Der Konzern wird verdächtigt, bei der 737-Max-Zulassung Informationen unterschlagen zu haben, was die Angelegenheit zum Kriminalfall machen könnte.

Boeing arbeitet laut eigenen Angaben auf Hochtouren an einem dringend erwarteten Update der Software, um bei den Luftfahrtbehörden eine Wiederzulassung der 737-Max-Unglücksflieger zu erreichen. Doch mit einer raschen Zertifizierung ist derzeit nicht zu rechnen.

Von: dk, dpa

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