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Proteste gegen Stellenabbau bei Airbus in Deutschland und Frankreich

Tausende Airbus-Beschäftigte in Europa bangen um ihre Jobs. Die Gewerkschaft IG Metall mahnt: Der überzogene Personalabbau riskiert die Zukunftsfähigkeit des Flugzeugbauers - und organisiert einen Aktionstag.

Frankreich, Blagnac: Demonstranten protestieren gegen die Pläne des europäischen Flugzeugherstellers Airbus zur Streichung von Arbeitsplätzen. © dpa / Remy Gabalda/AFP

Mit einem bundesweiten Aktionstag hat die IG Metall am Mittwoch gegen den geplanten Stellenabbau beim Flugzeugbauer Airbus protestiert. Kundgebungen gab es demnach etwa in Hamburg, im niedersächsischen Nordenham, Stade und Varel, in Bremen sowie an mehreren Standorten in Bayern.

Vor dem Airbus-Hauptgelände in Bremen demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben 1500 Menschen gegen den drohenden Stellenabbau. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter gefährdet der geplante Stellenabbau die Zukunft von Airbus und seinen Tochtergesellschaften. "Hinter jeder Stelle, die gekürzt wird, steht ein Schicksal", sagte der Politische Sekretär der IG Metall Bremen, Ernesto Harder. Er forderte die Arbeitnehmerseite auf, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen.

Zu dem geplanten Stellenabbau gebe es durchaus Alternativen wie 24 Monate Kurzarbeitergeld, um Airbus die Personalkosten einsparen zu lassen oder staatliche Fördergelder zur Zukunftsentwicklung, schrieb die Gewerkschaft.

Vor dem Eingang zum Werk in Hamburg stellte die Gewerkschaft 2000 Klappstühle auf - beklebt mit Fotos von Mitarbeitern und gemalten Bildern ihrer Kinder. Dies sei ein Symbol für die Arbeitsplätze, die der Flugzeugbauer streichen wolle, teilte die Gewerkschaft mit. Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor sprachen Vertreter der IG Metall und Betriebsräte, etwa 100 Beschäftigte demonstrierten am Standort. "«Sichere Arbeit für alle" und "Erst Kurzarbeit, dann arbeitslos - nicht mit uns", war auf Plakaten und Bannern zu lesen.

Zuletzt hatte Airbus Druck auf die Bundesregierung gemacht. Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1500 der 5100 gefährdeten Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten, hatte Produktionschef Michael Schöllhorn gesagt. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern.

© dpa, Karl-Josef Hildenbrand Lesen Sie auch: Airbus-Chef stellt Bedingungen für Erhalt von Jobs in Deutschland

Auch vor dem Firmensitz der Airbus-Tochter Premium Aerotech in Augsburg versammelten sich Beschäftigte am Mittag zu einer Kundgebung. Sie ließen Hunderte Luftballons mit ihrem Forderungen steigen.

"Wir fordern Airbus und Premium Aerotec auf, betriebsbedingte Kündigungen klipp und klar auszuschließen, um die Beschäftigten in dieser schwierigen Zeit nicht noch mehr zu verunsichern", sagte der Bezirksleiter IG Metall Bayern, Johann Horn, laut Mitteilung. Mit Kurzarbeit und möglichen Arbeitszeitabsenkungen könnten die coronabedingten Auslastungslücken kompensiert werden. In Augsburg sind Airbus zufolge rund 1000 Arbeitsplätze bedroht.

© Premium AEROTEC, Lesen Sie auch: 2800 Arbeitsplätze bei Airbus-Tochter Premium Aerotec auf der Kippe

Aktionen fanden der IG Metall zufolge zudem an den Airbus-Standorten Donauwörth bei Airbus Helicopters und Manching bei Airbus Defence and Space statt.

Proteste auch in Frankreich

Auch in Frankreich haben Mitarbeiter des Flugzeugherstellers gegen die geplante Streichung von 5000 Stellen protestiert. In Toulouse beschäftigt Airbus rund 25.000 Menschen.

Mehrere tausend Menschen versammelten sich am Mittwoch am Stammsitz in Toulouse im Südwesten des Landes. Gewerkschaftsvertreter nannten die Pläne "überzogen". Sie forderten einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, die die Konzernleitung nicht ausschließt.

© dpa, Airbus B. Lange Lesen Sie auch: 5000 Jobs in Deutschland gefährdet: IG Metall sieht Airbus im "Blindflug"

Airbus hatte Anfang Juli angekündigt, wegen der Coronakrise weltweit 15.000 Stellen zu streichen - 5100 davon in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen hatte der Konzern nicht ausgeschlossen.

Von: dh mit dpa, AFP

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