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Passagier verlassen ein ATR-Flugzeug © ATR / BARTHE Pierre
Blick auf den linken Motor und Propeller einer ATR im Flug © ATR / BARTHE Pierre
ATR 42-600 der Amakusa Airlines © ATR
Cockpit des ATR 42-600-Prototyp in der Produktion © ATR / BARTHE Pierre

ATR hat eine neue Version seines Klassikers 42-600 entwickelt, die auf nur 800 Meter langen Bahnen starten und landen kann. Auf der Pariser Luftfahrtmesse in Le Bourget konnte der französisch-italienische Turboprop-Spezialist bereits 17 Bestellungen der neuen STOL-Variante (Short Take Off and Landing) verkünden.

Ganz sicher sind die 17 Bestellungen für den neuen Typ des bewährten 50-Sitzers indes noch nicht, denn das Programm wurde vom Aufsichtsrat noch nicht abgesegnet. Ein Sprecher von ATR bestätigte allerdings auf airliners.de-Anfrage, dass der endgültige Startschuss für die 42-600S bis Ende des Jahres fallen soll. In einem Interview mit ATW Online hatte CEO Stefano Bortoli kürzlich gesagt, dass man von der Kundenakzeptanz des neuen Modells ermutigt sei.

Air Tahiti und die Leasingfirma Elix Aviation sollen die ersten Kunden werden. Elix Aviation hat insgesamt zehn ATR 42-600S bestellt, die zwischen 2022 und 2024 ausgeliefert werden sollen. Air Tahiti steht mit zwei Maschinen im Bestellbuch. Die restlichen Kunden hat der Hersteller noch nicht bekannt gegeben.

STOL-Version ermöglicht Kapazitätssteigerungen

Eine grundsätzliche Logik in der Fliegerei ist grob überspitzt: Kurze Piste gleich kleines Flugzeug. Durch die Möglichkeit, von kürzeren Pisten zu starten, ermöglicht ATR seinen Kunden also, ein vergleichsweise großes Flugzeug auf Routen einzusetzen, die sonst von kleineren Maschinen bedient werden müssten.

Viele ATR-Kunden, wie auch Erstkunde Air Tahiti, operieren auf kleinen regionalen Flughäfen oder Inselverbindungen, wo nur sehr kurze Runways zur Verfügung stehen. Mit der STOL-Modifikation sollen nun laut Hersteller mehrere hundert zusätzlicher Airports für ATR-Flugzeuge erreichbar werden.

Produktion von ATR-Flugzeugen Foto: © ATR, BARTHE Pierre

Kurzstart-Modifikation erfordert keine neue Musterzulassung

Technisch gesehen ist die STOL-Version eine Weiterentwicklung der bewährten ATR 42-600, von der bisher knapp 500 Exemplare verkauft wurden. Die bisher verfügbare Variante braucht für Start und Landung Pisten von 1050 Metern oder mehr Länge. Die STOL-Variante soll mit 800 Metern auskommen.

Um die 800 Meter Start- und Landedistanz zu schaffen, soll die 42-600S unter anderem stärkere Bremsen, ein etwas größeres Seitenruder und geänderte Kontrollmechanismen für Avionik und Motorleistung bekommen, wie ATR-Chef Bortoli im Interview mit ATW-Online sagte. Die Motoren bräuchten aber keine Hardware-Änderungen. Insgesamt handele es sich bei den Neurungen um Modifikationen, weshalb keine neue Musterzulassung (Type Certificate) notwendig werde.

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In Medienberichten war zuletzt spekuliert worden, ob für die 800 Meter aus Gewichtsgründen eventuell nur mit 40 statt der vollen Kapazität von 50 Passagieren geflogen werden könne. Ein ATR-Sprecher wollte dies auf Anfrage von airliners.de weder bestätigen noch dementieren. Technische Details zu Gewicht und Leistungsdaten wolle man erst nach dem Launch des Programms Ende des Jahres bekannt geben.

Cockpit einer ATR 72-600 Foto: © AirTeamImages.com, Mehrad Watson

ATR sieht sich mit dem neuen STOL-Flugzeug gut gerüstet für die Zukunft und erwartet eine stabile Nachfrage nach Turboprops. Der Hersteller geht davon aus, dass in den kommenden Jahren gut 1200 Flugzeuge der Größe von 30 bis 50 Sitzen ersetzt werden müssen. Durch die STOL-Eigenschaften und weitere Vorteile sei die ATR 42-600 mit 50 Sitzen so günstig zu betreiben wie andere Flugzeuge mit 30 Sitzen und damit in einer idealen Position.

© Airbus, Lesen Sie auch: Single-Aisle-Jets sind gefragteste Flugzeuge in Paris