Probleme im Markt für Großraumflugzeuge

Eine Analyse sieht Risiken für die Produktion von Großraumflugzeugen durch Handelsstreitigkeiten, zögernde Neubestellungen und starke Abhängigkeiten von einige wenigen Betreibern. Airbus und Boeing müssen deshalb möglicherweise Fertigungsraten reduzieren.

A330-Montage in Toulouse. © Airbus / H. Goussé

Airbus und Boeing könnten vor Kürzungen bei der Fertigung von Großraumflugzeugen stehen. Wie aus einer Studie des Bloomberg-Analysten George Ferguson hervorgeht, aus der "Aviationweek" zitiert, gebe es mehrere Faktoren, die auf eine solche Entwicklung im Markt hindeuteten.

Boeing hatte bereits angekündigt, die Produktionsrate seines Widebody-Beststellers 787 Ende 2020 reduzieren zu wollen. Dieser Schritt wurde im Oktober mit dem globalen Handelsumfeld begründet. Für zunächst zwei Jahre solle die monatliche Rate von derzeit 14 auf dann nur noch zwölf Maschinen heruntergefahren werden. Künftig könne es auch die anderen Programme von Airbus treffen.

Laut Bloomberg-Analyse benötigt die Boeing 787 mindestens ein ausgeglichenes Verhältnis von Bestellungen und Auslieferungen. Flugzeugbauer würden sich aus kommerzieller Sicht in der Regel mit etwa drei Jahren Backlog wohlfühlen. Momentan liege der Auftragsbestand von Boeing bei 328 Dreamlinern. John Plueger, Chef des Leasingunternehmens Air Lease Corporation, wird mit der Aussage zitiert, ihn würde eine Drosselung der 787-Produktion auf nur noch zehn Maschinen pro Monat nicht wundern. Diese Rate würde besser zum derzeitigen Auftragsbestand passen.

Verhältnis von Bestellungen und Auslieferungen muss stimmen

Airbus und Boeing zusammen sind der Analyse zufolge im abgelaufenen Jahr bei ihren Großraumprogrammen nur auf ein Verhältnis von etwa 0,3 zwischen Bestellungen und Auslieferungen gekommen. Es habe 146 Aufträge gegeben, die 419 Auslieferungen gegenüberstanden. Airbus' Bilanz leide unter der Abbestellung von 70 Großraumjets vom Typ A380, während Boeing Probleme mit chinesischen Kunden durch den andauernden Handelskonflikt habe. Aus der Volksrepublik seien in letzter Zeit auch keine neuen Bestellungen für Boeing mehr gekommen.

Im 777-Programm wird momentan die Umstellung der Produktion auf das neue Modell 777x vorangetrieben. Die monatliche Rate des Programms sei von 3,5 auf nun nur noch drei Maschinen im Monat angepasst worden. Um Lücken zu überbrücken, würden Fracht-Versionen im Produktionsablauf vorgezogen, so der Bericht. Boeing wolle die Rate wieder auf fünf erhöhen, sobald die 777X im Liniendienst sei. Dies werde ohne einen Anstieg der Bestellungen allerdings schwierig. Boeing sei mit 54 Prozent der 777-Orders zu abhängig von den Golf-Airlines, die ihre Flottenplanungen derzeit überdenken würden.

© Boeing, Josh Drake Lesen Sie auch: Boeing-Auslieferungen brechen um die Hälfte ein

Das dritte Boeing-Widebody-Programm 767 spielt für das Unternehmen aus wirtschaftlicher Sicht nur noch eine untergeordnete Rolle, da nur noch Cargo- und Militärversionen gebaut werden.

Airbus steht etwas besser da

Airbus stehe beim der A330 mit einem Backlog von 331 bei einer Fertigungsrate von vier pro Monat noch relativ solide da. Der Hersteller sei bei dem Long-Range-Programm jedoch zu einen großen Teil auf wackelige Kunden angewiesen. So würden 35 Prozent des Autragsbestandes von AirAsiaX und Iran Air ausgemacht. Bei AirAsiaX gebe die finanzielle Situation Anlass zur Sorge, bei Iran Air die US-Sanktionen, so Luftfahrt-Analyst Ferguson.

Beim größeren Bruder A350 sehe es dagegen besser aus. 579 Bestellungen stünden einer Fertigungsrate von 120 Maschinen im Jahr gegenüber und der Kundenstamm sei gut aufgestellt.

Von: hr

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