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Embraer Phenom 300E © Embraer

Unter dem Namen Northwings will eine neue deutsche Businessjet-Airline mit Sitz in Hamburg und Basis am Flughafen Münster/Osnabrück ab August Charterflüge zu europäischen Destinationen anbieten.

"Wir wollen die Professionalität der Airline-Fliegerei mit der Flexibilität der Privatfliegerei verbinden", sagt Airline-Chef Nicholas John Koch im Gespräch mit airliners.de. Sicherheit sei das Wichtigste, weswegen das Team im Wesentlichen aus Airlinern bestehe.

Koch, selbst seit über zehn Jahren Pilot bei namhaften deutschen Linienfluggesellschaften, setzt bei der Flotte auf fabrikneue Flugzeuge von Embraer. Anders als die meisten kleinen Geschäftsreiseflugzeuge sei die Phenom-Serie von Embraer vom Verkehrsflugzeug nach unten entwickelt worden - nicht andersherum.

Im Übrigen werde Northwings der erste Betreiber für die nochmal verbesserte Phenom-Variante "2020 300E" in Deutschland. Die neueste Version des beliebten Businessjets verfügt im Wesentlichen über effizientere Triebwerke, eine gesteigerte Reichweite und einem Runway overrun awareness and alerting System (ROAAS).

Das erste von zwei selbst gekauften Flugzeugen will Northwings den Angaben zufolge im Juli direkt von der Fertigung in Melbourne im US-Staat Florida zur Northwings-Basis in Münster/Osnabrück überführen.

Flugzeug Nummer zwei wird den Planungen zufolge im Dezember zur Flotte stoßen. Avisierter Betriebsstart ist im August, bis dahin will Koch auch das AOC vom Luftfahrt-Bundesamt erhalten haben.

Die Region rund um Münster/Osnabrück sei Privatjet-mäßig unterversorgt, obwohl es vor Ort ein hohes Potenzial gibt, sagt Koch. Wichtig ist dem Gründer, dass seine Airline selbst als Marke wahrgenommen wird. "Wir möchten unsere Kunden als unsere wehrten Gäste begrüßen", so Koch. Das funktioniere nur mit einer eigenen vertrauensvollen Markenbildung und Direktvertrieb.

CO2 Kompensation für jeden Flug

Neben dem Geschäftsreisepotential setzt Koch dabei auch auf Privatreisende. Um Flüge günstig zu poolen, erwägt Northwings beispielsweise, einen Balearen-Shuttle mit regelmäßigen Verbindungen anzubieten.

Das Geschäftsmodell habe allerdings nichts mit Corona zu tun. Dieses müsse immer mittel- bis langfristig angelegt sein, sagt Koch, der eigenen Angaben zufolge bereits seit etlichen Jahren an der Umsetzung arbeitet. Dabei denkt der Pilot auch an die Umwelt: "Wir arbeiten daran, eine CO2 Kompensation für jeden Flug mit in das Produkt aufzunehmen."

"Wenn man in die USA schaut, dann sieht man, wie sich das Businessjet-Segment entwickeln wird. Hier habe sich privates Fliegen mittlerweile etabliert. Auch in Europa gebe es immer mehr Menschen mit immer mehr Geld – "und die werden das auch dazu ausgeben, Flugzeuge privat zu chartern", ist sich Koch sicher.

Die beiden Northwings-Flugzeuge sind mit einer Kabine für bis zu neun Passagiere plus zwei Piloten konfiguriert. Die Reichweite der neuen 300E mit PW535E1-Triebwerken beträgt laut Embraer bis zu 3700 Kilometer, was einen Einsatz von der Heimatbasis bis nach Nordafrika hinein ermöglicht, bei reduzierter Payload sogar bis auf die Kanaren.