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Welche Konsequenzen hat das Münchner Security-Debakel? Polizei fordert Security-Verantwortung

Nach der Security-Panne am Flughafen München fordert die Bundespolizei wieder die alleinige Verantwortung für Kontrollen an Flughäfen. Der Vorfall an sich wird derweil immer obskurer: Der offenbar ahnungslose Unbekannte wurde sogar unerkannt ein zweites Mal kontrolliert - er hatte den Flughafen nie verlassen.

Passagiere warten am Flughafen München © dpa

Bei den Ermittlungen zu der schweren Sicherheitspanne am Münchener Flughafen legen sich die Behörden zunehmend auf einen Fehlalarm fest. Die Regierung von Oberbayern stuft den unbekannten Laptop-Träger, der am Mittwoch einen Sprengstoffalarm ausgelöst hatte, nach Auswertung der Videobilder vom Flughafen als harmlos ein.

Nach dem Vorfall kam es zu heftigen Debatten um die Flughafen-Security in Deutschland. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte am Montag nun sogar wieder die alleinige Verantwortung der Bundespolizei für die Flugsicherheit. In den letzten Jahren waren die Aufgaben an vielen deutschen Flughäfen nach und nach an verschiedene private Sicherheitsdienste ausgegliedert worden.

«Die Bundespolizei ist das geeignetste Unternehmen, um diese Verantwortung insgesamt wahrzunehmen», sagte der für den Bereich Bundespolizei zuständige GdP-Vorsitzende Josef Scheuring am Montag in Frankfurt. Derzeit gebe es zwar viele Zuständige, aber keinen Hauptverantwortlichen.

Die Sicherheit an deutschen Flughäfen solle wieder zu einer rein staatlichen Aufgabe werden, sagte Scheuring. Mitarbeiter aus privaten Sicherheitsfirmen könnten geschult und dann bei der Polizei angestellt werden. Derzeit seien 1.800 Stellen unbesetzt, allein am größten deutschen Airport in Frankfurt fehlten 240 Bundespolizisten.

Derzeit gebe es zwar viele Zuständige, aber niemand sei im Kern verantwortlich, kritisierte der Gewerkschafter. Das sei für eine solche Aufgabe inakzeptabel. Scheuring forderte: «Luftsicherheit muss von A bis Z, von der ersten Kontrolle bis zur letzten Kontrolle, von der ersten Verantwortlichkeit bis zur letzten Verantwortlichkeit aus einer Hand ausgeübt werden.» Deshalb rief er Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf, alle Verantwortlichen möglichst schnell an einen Tisch zu holen.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert ebenfalls Konsequenzen aus der Sicherheitspanne am Münchner Flughafen. Man könne jetzt nicht einfach «zur Tagesordnung übergehen», sagte Seehofer am Montag nach einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. So müsse zum Beispiel über «bauliche Veränderungen» bei der Sicherheitskontrolle nachgedacht werden. Seehofer kündigte an, am Dienstag werde sich das bayerische Kabinett mit dem Thema befassen.

Unbekannter wartete mit allen anderen Passagieren

Der Unbekannte vom Mittwoch ist offensichtlich nicht in ein Flugzeug gestiegen. Das haben Videoaufnahmen gezeigt, die nun ausgewertet wurden. Die Videobilder zeigen den Angaben zufolge, dass sich der Fluggast nach dem Verlassen der ersten Kontrolle «offenkundig ganz ohne Eile» in einem Duty-Free-Shop im Sicherheitsbereich aufgehalten hatte.

«Offenbar wusste er nicht einmal, dass er selbst am Nachmittag mit seinem vorzeitigen Verlassen des Kontrollbereichs die Großaktion ausgelöst hatte», erklärte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand in der Mitteilung.

Die Kameras an den Kontrollschleusen hätten auch aufgezeichnet, wie der Mann dann am Abend vor dem erneuten Eintritt in den Abflugbereich ein zweites Mal kontrolliert wurde. Obwohl die Polizei zu diesem Zeitpunkt fieberhaft nach ihm suchte, wurde er dabei nicht erkannt.

Während einer Fluggastkontrolle vor dem Zugang zum Abflugbereich im Terminal 2 hatte am Mittwoch ein Sprengstoffdetektionsgerät angeschlagen, als das Notebook des Mannes routinemäßig überprüft wurde. Eine Bedienstete der Sicherheitsfirma wollte den Laptop einer Nachkontrolle unterziehen, doch der Reisende verschwand mit dem Notebook in der Menge im Abflugbereich.

Anschließend gab es Verwirrungen um den Mann, denn die Security-Firma alarmierte die Bundespolizei erst etliche Minuten nach dem Vorfall. In der Zeit bis zur Abriegelung des Terminals hätte der Man daher ohne Probleme in ein Flugzeug steigen können.

Von: dpa, ddp, airliners.de

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