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Politik verschärft Spardruck auf Lufthansa

Die Erholung des Luftverkehrs lässt länger auf sich warten, als gedacht. Das betrifft auch die Lufthansa, die mit staatlicher Hilfe vor der Insolvenz gerettet wurde. Aber die Finanzzahlen liegen weit unter den pessimistischsten Annahmen in Berlin. Das ist ein ernstes Problem für die beteiligte Politik.

Zwei Airbus A380 der Fluggesellschaft Lufthansa sind auf dem Flughafen Teruel abgestellt. © dpa / Javier Escriche

Angesichts deutlich zu niedriger Auslastungen der Lufthansa-Maschinen in der Corona-Pandemie wächst in der Bundesregierung laut einem "Spiegel"-Bericht die Sorge vor weiterem Finanzbedarf bei der Airline. Bereits vor der neuen Corona-Welle befand sich die Lufthansa nur bei einer Auslastung von 25 Prozent und damit unter den pessimistischen Annahmen in Berlin, wie das Magazin laut Vorabmeldung vom Freitag unter Berufung auf ein internes Papier der Bundesregierung berichtete.

Das Papier war demnach Grundlage für den Staatseinstieg bei dem Luftfahrtunternehmen. Das günstigere Szenario in dem Papier ging demnach davon aus, dass ab November die Hälfte der "angebotenen Sitzplatz-Kilometer" wieder erreicht würde. Diese Annahme sei auch Grundlage für die Staatshilfe gewesen. Ein zweites Szenario ging von 32 Prozent aus.

Dem Konzern verbleiben laut Quartalsbericht von gestern rund zehn Milliarden an flüssigen Mitteln. In der Regierung wird es laut "Spiegel" deshalb für möglich gehalten, dass der Konzern kommendes Jahr neues Geld brauchen könnte. Der Vorstand müsse daher das Unternehmen schrumpfen. Die Personalkosten würden den Konzern "auffressen, wenn nicht etwas dagegen unternommen" werde, sagte ein Regierungsvertreter dem Magazin.

Lufthansa stellt sich derweil nach einem weiteren Milliardenverlust im Sommer auf schmerzhafte kalte Monate ein. "Wir stehen am Beginn eines Winters, der für unsere Branche hart und herausfordernd sein wird", sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag in Frankfurt. Die Lufthansa-Führung versucht den anhaltenden Geldabfluss in der Corona-Krise einzudämmen und hat die Ausgaben stark heruntergefahren.

Doch der Flugverkehr in Europa und großen Teilen der Welt liegt wegen der Corona-Pandemie immer noch weitgehend am Boden. Und die Lufthansa verliert jeden Tag mehrere Millionen Euro. Der Vorstand will den Geldabfluss im operativen Geschäft im vierten Quartal jetzt auf durchschnittlich 350 Millionen Euro pro Monat begrenzen. Im Frühjahr waren es zum Teil 500 Millionen Verlust pro Tag gewesen.

Im Sommerquartal hatte die Lufthansa den Mittelabfluss dann auf durchschnittlich 200 Millionen Euro eingedämmt - auch dank der vorübergehenden Erholung im Passagiergeschäft. Nun aber geht die Nachfrage aufgrund immer neuer Reisewarnungen und Quarantänevorschriften wieder nach unten. Der Lufthansa-Konzern hat sein Flugangebot für das laufende Quartal auf rund ein Viertel des Vorjahreswerts zusammengestrichen. Man fliege nur, wo es sich lohne, hieß es. Manche Routen würden sich nicht durch die Passagierauslastung, sondern durch die Fracht rechnen.

Was fehlt ist ein echter Sanierungsplan

Dass die Lufthansa überhaupt noch fliegt, verdankt sie milliardenschweren Staatshilfen aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz. Die Regierungen haben den Lufthansa-Konzern und seine Auslandstöchter Austrian Airlines, Brussels Airlines und Swiss im Sommer mit insgesamt neun Milliarden Euro vor dem Aus bewahrt.

Wegen eines fehlenden Sanierungskonzepts gerät Spohr nun aber zunehmend in die Kritik von Beamten und Politikern. "Wenn die Lufthansa auf 10.000 Metern fliegen würde, wäre der ausgebildete Pilot Spohr der Richtige", sagte laut "Spiegel" ein hochrangiger deutscher Regierungsbeamter. "Aber gerade fliegt die Lufthansa auf 2000 Metern und die Bergspitzen sind verdammt nah."

Dagegen stärkte Großaktionär Heinz Hermann Thiele dem Lufthansa-Chef den Rücken. "Carsten Spohr ist der richtige Mann in dieser schwierigen Situation", sagte Thiele dem "Spiegel". Doch auch der Großaktionär erhöhte den Druck und fordert "dringend ein tragfähiges Sanierungskonzept". Entweder Vorstand und Gewerkschaften einigten sich im Rahmen der bestehenden Tarifverträge auf einen sozial verträglichen Abbau von 30.000 Stellen, "oder die Lufthansa muss die Tarifverträge kündigen".

Thiele fordert zudem, alle Geschäftsbereiche, Tochtergesellschaften und Vermögenswerte müssten daraufhin überprüft werden, "ob durch einen Verkauf Geld eingespielt und ein Sanierungsbeitrag geleistet werden kann".

Von: dh mit dpa, AFP

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