Piloten und Flugbegleiter lehnen Lockerung ärztlicher Schweigepflicht ab

Personalvertretungen von Piloten und Flugbegleitern haben sich gegen eine Änderung der ärztlichen Schweigepflicht ausgesprochen. Eine Meldepflicht über das bereits bestehenden Maß hinaus könne sogar zu weniger Sicherheit führen.

Ein Arzt hält ein Stethoskop in den Händen. © dpa / Patrick Pleul

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat Forderungen nach einer Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht vor dem Hintergrund der Germanwings-Absturzes eine Absage erteilt. Der Präsident der Pilotengewerkschaft, Ilja Schulz, sagte der "Rheinischen Post", derlei Anregungen könne es nur von Menschen geben, die mit der Branche nicht vertraut seien. Nur bei einer Schweigepflicht könne der Arzt "echte Hilfe anbieten".

"Wenn mein Arzt von der Schweigepflicht entbunden ist, werde ich ihm gegenüber kein Problem ansprechen, weil immer die Angst vorm Fluglizenzentzug mitschwingt", sagte Schulz. Er reagierte damit auf jüngst erhobene Forderungen anlässlich des Germanwings-Unglücks, die ärztliche Schweigepflicht für Menschen in bestimmten Berufen zu lockern.

"Lockerung könnte negative Auswirkungen auf die Sicherheit haben"

Ähnlich argumentiert auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO). Anne Struck, Vorstand Berufspolitik, warnte vor den möglichen negativen Konsequenzen einer ärztlichen Meldepflicht. Besatzungsmitglieder würden sich bei einer wie auch immer ausgestalteten medizinischen Meldepflicht mit gesundheitlichen Problemen eventuell gar nicht mehr um medizinische Hilfe bemühen.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte erklärt, dass der Co-Pilot der vor einer Woche in Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine vor seiner Pilotenkarriere psychotherapeutisch behandelt worden war. Schon seit einigen Tagen ist zudem bekannt, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks eigentlich krank geschrieben war. Der Erste Offizier steht im Verdacht, die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Fluggesellschaften verschärfen Cockpit-Vorschriften

Vor dem Hintergrund der Tragödie hatte es auch Forderungen nach regelmäßigen psychologischen Untersuchungen für Piloten gegeben. Auch das lehnte Schulz ab. "Davon halten unsere Psychologen überhaupt nichts, weil das auch nur eine Momentaufnahme ist", sagte er. Nach "einschneidenden Erlebnissen" könne sich der Zustand eines Menschen in kürzester Zeit ändern. Viel wichtiger sei die schon heute etablierte kontinuierliche Betreuung, etwa das Simulatortraining. Wer psychisch instabil sei, falle dabei auf.

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Von: AFP, airliners.de

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