Piloten fordern bessere Trainings für Boeing 737 Max

Vertreter von US-Piloten und Chesley Sullenberger sagen vor dem Kongress zu den 737-Max-Abstürzen aus. Der einheitliche Tenor: Reine Computer-Trainings sind nicht ausreichend. Hersteller Boeing sieht das bislang anders.

Chesley "Sully" Sullenberger. © dpa / Nina Prommer

US-Piloten haben vom Flugzeugbauer Boeing eine bessere Vorbereitung auf künftige Flüge mit Maschinen des Typs 737 Max gefordert. Die von dem US-Unternehmen angebotenen Computer-Schulungen zu Modifizierungen an dem Flugzeugtyp seien nicht ausreichend, sagte der Chef der Pilotengewerkschaft Allied Pilots Association, Daniel Carey, am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem Luftfahrt-Unterausschuss des Repräsentantenhauses.

Die Änderungen, die Boeing nach zwei Abstürzen mit 346 Toten am System der Maschinen vorgenommen habe, seien zwar begrüßenswert. Allerdings seien die Piloten "besorgt", ob das neue Trainingsprotokoll sowie die Materialien und Methoden für die Fortbildungen genügten, damit sie die Maschinen anschließend "in völliger Sicherheit" steuern können.

Der in den USA als Held verehrte Flugkapitän Chesley Sullenberger nahm bei seiner Anhörung vor dem Ausschuss die Piloten der verunglückten Maschinen des Typs Boeing 737 in Schutz. Die Flugzeughersteller müssten Maschinen planen, die nicht "ungewollte Fallen" für die Crews bedeuteten, sagte er.

"Held vom Hudson" fordert Simulator-Trainings für alle Max-Piloten

Sullenberger sprach sich zudem dafür aus, vor Wiederinbetriebnahme der überarbeiteten Maschinen alle Piloten einem Simulator-Training zu unterziehen. Der Hersteller Boeing hält das nicht für notwendig. Simulator-Schulungen sind im Vergleich zu reinen Computer-Training teuer und zeitaufwendig. Da es tausende Piloten für die 737 Max gibt, würde neben dem erheblichen Kostenaufwand entstehen und es könnte zu Verzögerungen bei der Wiederindienststellung der Flotte kommen.

"Ich gehöre zu der relativ kleinen Gruppe von Menschen, die eine solche Krise durchgemacht haben und ich lebe, um meine Erfahrungen weiterzugeben", sagte Sullenberger. "Ich kann Ihnen aus erster Hand sagen, dass der Schreckfaktor echt ist und riesig", betonte Sullenberger, der die Unglücke mit Maschinen der 737 Max jüngst in einem Simulator nacherlebt hat. Es sei schnell der Punkt erreicht, an dem effektives Handeln nur noch eingeschränkt möglich sei. "Innerhalb von Sekunden haben diese Crews um ihr Leben und den Kampf ihres Lebens gekämpft."

Sullenberger hatte am 15. Januar 2009 eine mit 155 Passagieren besetzte Maschine des Typs Airbus 320 nach dem Ausfall beider Triebwerke spektakulär auf dem Hudson River in New York notgelandet. Der Fall, bei dem alle Insassen überlebten, hatte den Piloten weltberühmt gemacht.

© Ethiopian Airlines, Lesen Sie auch: Ethiopian-Chef nimmt seine 737-Max-Piloten in Schutz

Von: hr, dpa, afp

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