Piloten stellen Forderungen an 737-Max-Wiederzulassung

Piloten fordern mehr Transparenz bei der Wiederzulassung der Boeing 737 Max. Zudem stellen sie Forderungen an die Zertifizierungsprozesse. Auf einer internationalen Konferenz diskutieren die Luftaufsichtsbehörden aktuell das weitere Vorgehen.

Cockpit einer 737 Max © Air Team Images / Weimeng

Vor den heute startenden Beratungen internationaler Flugsicherheitsbehörden in Texas haben Pilotenvertreter und die Europäische Flugsicherheitsbehörde Easa Forderungen für die Wiederzulassung der 737 Max erhoben. Dabei geht es neben der Flugsicherheit auch um die Zertifizierungsprozesse.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) fordert Transparenz über die Änderungen am kritischen MCAS-System und über das Trainingspaket für die Piloten. Die Inhalte der nun von Boeing geplanten Software-Updates müssten nachvollziehbar dargestellt werden, sagte Björn Reimer, VC-Vorstand Flight Safety, zu airliners.de.

Außerdem müsse laut Reimer der Zertifizierungsprozess der 737 Max insgesamt überprüft werden. Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA hatte dem Hersteller Boeing Teile der Zertifizierung selbst überlassen. Wichtig sei, dass Behörden selbst ausreichend Expertise hätten, damit sie für die Zulassung nicht auf die Hersteller angewiesen seien, so Reimer.

Forderungen der Europäischen Pilotenvereinigung

Auch die europäische Pilotengewerkschaft European Cockpit Association (ECA) kritisiert in einer Mitteilung die Auslagerung der Zulassung an den Hersteller. Die ECA wirft die Frage auf, ob Boeing und die FAA eine zuverlässige Lösung des Problems liefern könnten, ohne ihr fehlerhaftes System der Zertifizierung selbst zu hinterfragen.

ECA-Präsident Jon Horne forderte Klarheit, ob es noch weitere Systeme in dem Muster gebe, die unter derselben Logik zugelassen worden seien. Er sieht die europäische Flugsicherheitsagentur Easa in der Pflicht, im Sinne der Passagiere und Piloten unabhängig für Sicherheit zu sorgen.

Das MCAS Softwareupdate

Die zwei AOA-Sensoren der Boeing 737 Max Foto: Boeing

Boeing hat am 28. März Einzelheiten zu den Änderungen seiner umstrittenen Flugsteuerungs-Software MCAS für die 737 Max vorgestellt:

  • MCAS gleicht von nun die Daten beider AOA-Sensoren (sie messen den Anstellwinkel) ab, bevor es aktiv wird. Wenn die Daten mehr als 5,5 Prozent voneinander abweichen, bleibt das System inaktiv. Hinzu kommt eine Disagree-Anzeige im Cockpit, die im Cockpit vor fehlerhaften Daten warnt.
  • MCAS greift nicht mehr so stark in die Trimmung des Höhenruders ein, dass die Piloten nicht mehr manuell gegensteuern können.
  • MCAS reagiert künftig nur mit einem einmaligen Steuerbefehl auf einen zu hohen Anstellwinkel und nicht wiederholt. So kann ein erratisches Flugprofil wie beim Lion-Air-Absturz verhindert werden.
  • Mehr Informationen zur Änderung der 737-Max-Flugsteuerung auf der Boeing-Webseite

Easa will selber prüfen

Die Easa untermauert unterdessen, dass sie selbst umfassende Prüfungen vor einer Wiederzulassung der 737-Max-Baureihe durchführen werde. Wie die Behörde auf Anfrage von airliners.de mitteilte, arbeite sie daran, die Max so schnell wie möglich wieder für den regulären Betrieb freizugeben. Zuvor müsse die Sicherheit jedoch „komplett sichergestellt“ sein. Bevor die Max in Europa wieder fliegen darf, werde die Easa einen unabhängigen „Design Review“ durchführen.

Bereits im März hatte sich Easa-Chef Patrick Ky selbstkritisch gezeigt und zugegeben, dass die Easa 2017 die von der FAA für sicher erklärten Flugsteuerungsfragen der Max-Baureihe nicht separat überprüft habe. Er garantiere, dass die 737 Max von der Easa nicht erneut freigegeben werde, bis alle Fragen geklärt sein, "ungeachtet dessen was auch immer die FAA macht".

Konferenz zur 737 Max

Am heutigen Donnerstag beginnt ein Meeting der FAA mit Vertretern von insgesamt 31 Flugaufsichtsbehörden, bei der die Wiederzulassung der 737 Max international besprochen werden soll. Nach Angaben des Luftfahrtbundesamtes, dessen Vertreter ebenfalls teilnehmen, werden die FAA und Boeing dort den aktuellen Stand der Verbesserungen an der 737 Max präsentieren.

Boeing hatte zuletzt mitgeteilt, die Entwicklung eines Updates für die MCAS-Steuerungs-Software des Flugzeugs abgeschlossen zu haben. Zudem hat der Flugzeugbauer eigenen Angaben zufolge Mängel an der Software in Flugsimulatoren beseitigt.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Update für Steuerungs-Software der 737 Max abgeschlossen

Bereits seit Ende April tagt das so genannte “Joint Authorities Technical Review“ (JATR) der FAA. Darin überprüfen Vertreter von neun internationalen Luftfahrtbehörden den Zertifizierungsprozess des automatischen Steuerungssystems der 737 Max. Für die Wiederzulassung der Max ist dieses Gremium allerdings nicht entscheidend.

Weiterer Zeitplan noch offen

Die FAA hat bisher offengelassen, wann sie die 737 Max wieder in die Luft lässt. Behördenchef Daniel Elwell erklärte am Mittwoch, sollte es ein Jahr dauern, bis die Behörde alles Nötige hätten, um die Flugzeuge wieder fliegen zu lassen, "dann soll es so sein". Damit könnte das Flugzeug auf nicht absehbare Zeit am Boden bleiben.

Die Sperrung des deutschen Luftraums für die Boeing 737 Max 8 und 9 gilt derzeit laut Daten der Deutschen Flugsicherung bis einschließlich 12. Juni. Das Verkehrsministerium kann das Grounding aber jederzeit verlängern.

Von: hr mit Material von dpa

Lesen Sie jetzt
Themen
Industrie Fluggesellschaften Rahmenbedingungen Luftsicherheit Technik F&E Produktion Verkehr Wirtschaft Boeing Boeing 737 MAX EASA FAA Zwischenfälle Behörden, Organisationen