Lot-Mutter zieht sich von Condor-Kauf zurück

Die polnische PGL wird Condor doch nicht übernehmen. Der Kauf sei im Zuge der Corona-Krise abgeblasen, teilte die Lot-Mutter mit. Jetzt ist die Deutsche Bundesregierung am Zug. Ein neues Schutzschirmverfahren ist bereits beantragt.

Condor-CEO Ralf Teckentrup und Lot-CEO Rafal Milczarski. © Chris Christes

Die polnische PGL zu der auch Lot gehört, verzichtet auf den geplanten Kauf des Ferienfliegers Condor. Von dieser Entscheidung habe man Condor unterrichtet, sagte ein Sprecher des Mutterkonzerns PGL gegenüber der dpa. Eine Begründung für den Schritt nannte er nicht.

Die polnische Luftfahrtholding PGL hatte sich Anfang des Jahres als neuer Investor für Condor durchsetzen können. In den vergangenen Tagen waren allerdings die Zweifel an dem bereits im Januar abgeschlossenen Kaufvertrag immer lauter geworden. So muss die wichtigste PGL-Gesellschaft Lot wahrscheinlich selbst Staatshilfe in Anspruch nehmen.

PGL braucht selbst öffentliche Gelder

"Im Fall der Lot kommen wir sicher nicht ohne öffentliche Hilfe aus", hatte Polens Schatzminister Jacek Sasin kürzlich dem Fernsehsender TVN24 gesagt. Er sei in ständigem Kontakt mit dem Vorstand der Fluggesellschaft. Dieser bereite einen Rettungsplan für den Fall vor, dass die Flugverbindungen noch für viele Monate unterbrochen sein werden.

© Chris Christes, Lesen Sie auch: Lot-Mutter PGL übernimmt Condor

Die Bundesregierung soll sich bereits bereiterklärt haben, Condor zu verstaatlichen, sollte der Deal nicht zustandekommen. Das jedenfalls hatte "Reuters" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen Anfang April berichtet.

Die Verstaatlichung würde nur für eine begrenzte Zeit in Angriff genommen. Der Staat wollen den Verkaufsprozess wieder aufnehmen, sobald die Branche sich nicht mehr im Würgegriff der Coronavirus-Pandemie befinde, so die Berichte.

Condor befindet sich seit der Insolvenz der ehemaligen Mutter Thomas Cook in einem staatlichen Schutzschirmverfahren, dass eigentlich in diesen Wochen durch den Verkauf an PGL beendet werden sollte. Ebenso sollte ein staatlicher Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro nun zurückgezahlt werden.

Dieser Schutzschirmplan des Insolvenzspezialisten Lucas Flöther sah den Verkauf der Condor mit mehr als 50 Flugzeugen und rund 4900 Beschäftigten an die staatliche polnische PGL vor. Im Zuge der Corona-Auswirkungen hatte sich Condor dann bereits um einen weiteren vom deutschen Staat verbürgten Überbrückungskredit bemüht.

Hintergrund ist, dass PGL "unerfüllbare Bedingungen" vom deutschen Wirtschaftsministerium verlangt haben soll, um den Kauf trotz Corona-Krise durchzuziehen. Jetzt gibt es Berichte, dass Deutschland die Airline für begrenzte Zeit selbst übernehmen könnte.

Von: dk, br, dh, dpa

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