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In der Corona-Krise zeigt sich, wie unverzichtbar Luftfracht ist

"Passagierflugzeuge als Cargo-Jets" ist das Gebot der Stunde bei den großen Airlines. In Frankfurt ist der erste Lufthansa-Flug gelandet. Ein großes Problem für die Branche in Zeiten der Grenzschließungen sind Bürokratie und nationale Alleingänge.

Boeing 747 der Cargolux © AirTeamImages.com / ACEdwards

Luftfracht ist in der Corona-Krise ein unerlässlicher Pfeiler, um die Grundversorgung von Menschen und Wirtschaft und die Aufrechterhaltung wichtiger Produktionsketten sicherzustellen. Nach einem weltweit durchwachsenen Jahr 2019 für die Cargo-Airlines und Logistiker schießt die Nachfrage für den Transport von Gütern auf dem Luftweg vielerorts derzeit in die Höhe.

Gleichzeitig haben die organisatorischen Herausforderungen während der Corona-Krise täglich zugenommen. Die vielen unterschiedlich scharfen Einreise- und Quarantäne-Bestimmungen sind für die Crews der zumeist interkontinental agierenden Branche eine Belastung und machen die Planung schwierig. Das gilt auch für Überflug- und Landegenehmigungen. So erlaubt etwa Singapur derzeit keinerlei Transitflüge zum Nachtanken, beispielsweise auf dem Weg von Europa nach Australien.

Auch der Ausfall vieler Passagierflüge, gerade auf der Langstrecke, wird zunehmend zum Problem. Ein Großteil des weltweiten Cargo-Volumens, der Frankfurter Flughafen geht von rund 40 Prozent aus, wird normalerweise in den Bäuchen der Großraumjets transportiert. Vielfach setzen die großen Airlines die Jets nun für reine Frachtflüge ohne Passagiere ein.

Erste Lufthansa-Maschine mit Cargo in Kabinen-Gepäckfächern

Der erste Lufthansa-Flug in dieser Konfiguration landete heute in Frankfurt. Beladen mit rund 30 Tonnen Fracht sei eine A330 in elf Stunden Flugzeit aus China angekommen, meldete Lufthansa Cargo. Neben den Frachträumen des Airbus A330 sei auch die Kabine einschließlich der Staufächer über den Sitzen beladen worden.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Lufthansa will 747-Flotte für Frachtflüge einsetzen

Auch Austrian flog jüngst medizinisches Gerät mit zwei Passagier-777 von China nach Österreich. Und American Airlines hat ihren allerersten reinen Fracht-Flug seit 35 Jahren durchgeführt. Es ging mit Boeing 777-300ER von Dallas nach Frankfurt. Flugzeuge mit leeren Sitzen und vollen Bäuchen setzen laut Iata derzeit daneben auch Swiss, Air Canada, Aeromexico, British Airways, Cathay Pacific, Emirates, Iberia, Korean, Latam, Qantasm, Virgin Atlantic und Scoot ein.

Die großen Flughäfen versuchen, trotz Kurzarbeit und verschiedenster Pandemie-Beschränkungen ihre Cargo-Kapazitäten voll aufrecht zu erhalten. Fraport beispielsweise betont, das die gesamte Cargo-Infrastruktur in Frankfurt uneingeschränkt zur verfügung stehe. Man sei sich bewusst, welche kritische Rolle der Branche in der Krise zufalle. Seit dem Rückgang der Passagierverkehre verzeichne man eine Zunahme an Frachtflügen nach Nordamerika, Südost-Asien und China. Für den erwartbaren weiteren Anstieg würden Vorbereitungen getroffen.

Iata pocht auf Krisen-Ausnahmen für die Luftfracht

Der Weltdachverband der Fluggesellschaften, die Iata, wird derweil seit Wochen nicht müde zu betonen, dass die internationale Politik besonders in der Pflicht stehe, einen reibungslosen Frachtflugverkehr in der sich verschärfenden Corona-Krise zu gewährleisten. In seinem jüngsten Statement wird Iata-Ceo Alexandre de Juniac deutlich: "Wir sehen immer noch Beispiele von Frachtflügen, die mit lebensrettenden medizinischen Hilfsgütern und Ausrüstungen gefüllt sind, die aufgrund umständlicher und bürokratischer Verfahren zur Sicherung von Slots und Betriebsgenehmigungen am Boden bleiben. Diese Verzögerungen gefährden Leben."

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Daher müssten die Regierungen weltweit die wichtigsten Hindernisse schnell beseitigen, führt die Iata weiter aus. Dazu gehörten die Einführung von Schnellverfahren für Überflug- und Landgenehmigungen vor allem in Asien und die Befreiung von Crew-Mitgliedern von 14-tägigen Quarantäne-Verpflichtungen, obwohl diese bei einem Zwischenstopp keinen Kontakt mit der Öffentlichkeit haben. Zudem müssten wirtschaftliche Hindernisse wie eine Aufrechterhaltung strenger Slot-Regeln und Nachtflugverbote für einen flexiblen Betrieb bei derzeit häufig anfallender kurzfristiger Nachfrage aufgeweicht werden.

Von: dk

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