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Eine Gedenktafel erinnert vor der Germanwings-Zentrale in Köln an die Opfer des Absturzes. © dpa / Henning Kaiser

Am ersten Jahrestag des Germanwings-Absturzes hat der Opferanwalt Elmar Giemulla bekräftigt, dass er im Namen von Opferangehörigen in den USA höhere Entschädigungszahlungen des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa erstreiten möchte.

Lufthansa habe sich bei den finanziellen Ausgleichszahlungen "ganz korrekt verhalten nach deutschem Recht". Es gehe aber nicht nur um Beerdigungskosten, sondern darum, "dass Familien zerstört worden sind". Hierfür sieht das deutsche Recht laut Giemulla keine einzige Entschädigung vor. Lufthansa habe "10.000 Euro angeboten und sich dann noch als großzügig empfunden".

"Das halten wir nicht für eine angemessene Reaktion auf eine Katastrophe dieser Dimension", sagte der Anwalt. Das Unternehmen könne sich "in solchen Situationen nicht nur nach den Buchstaben des Rechts richten, und da glauben wir, dass wir in Amerika besseres Gehör finden."

Für jedes Opfer war nach Angaben von Germanwings eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt worden. Dazu sollen 25.000 Schmerzensgeld für jeden Toten gezahlt werden. Nächste Angehörige sollten ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen.

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Auch Rechtsanwalt Christof Wellens , der weitere Angehörige vertritt, hatte diese Entschädigungsangebote der Lufthansa als zu niedrig abgelehnt. In den USA sei teilweise mit dem 20- oder 30-fachen Entschädigungsbetrag des deutschen Schadenersatzrechts zu rechnen, hieß es. In den USA sitzt eine Flugschule der Lufthansa.

© airteamimages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Germanwings-Absturz: Angekündigte Klage in den USA wird eingereicht

Weitreichende Konsequenzen gefordert

Giemulla forderte nun auch weitere Konsequenzen aus dem Unglück. Das Arztgeheimnis müsse "in sehr sensiblen Bereichen" wie etwa in der Luftfahrt gelockert werden, sagte der Antwalt im Deutschlandfunk. Dies dürfe allerdings nicht zu dem Preis geschehen, dass die Betroffenen nicht mehr zum Arzt gingen und dadurch keine Heilungschance hätten.

Die Bundesärztekammer hatte sich in der Debatte erst kürzlich gegen eine "generelle Aufweichung" der ärztlichen Schweigepflicht ausgesprochen. Piloten und Flugbegleiter äußerten sich ähnlich.

Piloten mit psychischen Problemen müsse garantiert werden, dass sie einen anderen, gleich bezahlten Job im Unternehmen bekämen, forderte Giemulla weiter, der an der Technischen Universität Berlin Luftrecht lehrt. Dadurch solle sichergestellt werden, "dass sie nicht in ein soziales Loch hineinfallen".

Am 24. März 2015 hatte ein Co-Pilot eine Germanwings-Maschine über den französischen Alpen absichtlich zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord starben. Der 27-Jährige hatte offenbar jahrelang unter Depressionen gelitten und deswegen auch Ärzte aufgesucht.

© dpa, EPA/F. BALSAMO / SIRPA GENDARMERIE / MINISTERE DE L'INTERIEUR Lesen Sie auch: Abschlussbericht zu Germanwings-Absturz vorgelegt

Auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf hatte der Co-Pilot die Tür abgesperrt, nachdem der Flugkapitän das Cockpit verlassen hatte - dieser hatte keine Möglichkeit mehr, die Tür von außen zu öffnen. Daher wurde als Konsequenz die Regel eingeführt, dass immer zwei Menschen gleichzeitig im Cockpit sein müssen.

Giemulla sagte dazu im Deutschlandfunk, er könne sich nicht vorstellen, dass diese Regel immer eingehalten werde. Schließlich sei die Organisation von Flügen "mittlerweile so eng gestrickt", dass die Piloten oft erst Gelegenheit zu einem Toilettengang hätten, wenn die Maschine nach dem Start ihre Flughöhe erreicht habe. Zu diesem Zeitpunkt sei aber die Kabinenbesatzung mit der Ausgabe von Speisen und Getränken "hoch beschäftigt".

Einen zum Suizid entschlossenen Piloten könne die Regel ohnehin nicht abhalten. "Denn wenn er zu allem entschlossen ist, würde er auch die Stewardess ausschalten", führte Giemulla aus. Die Regel sei eher für jemanden gedacht, der "auf der Kippe ist".

© dpa, Paul Zinken Spaeth fragt: "Herr Giemulla, wie kann man an Unglücken etwas Konstruktives finden?"

Giemulla sieht die Zweier-Regel aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen kritisch - "und zwar deswegen, weil sie das Grundprinzip der Luftfahrt, und das ist das Vertrauen, stört beziehungsweise aus den Angeln hebt." Wenn selbst der Arbeitgeber seinen Piloten nicht mehr vertraue, "dann könnte das ganze sehr sensible Räderwerk der Luftfahrt erodieren", warnte der Luftfahrt-Experte.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

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