Krankmeldungen führen zu operativen Problemen bei Lauda in Stuttgart

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Die österreichische Ryanair-Tochter Lauda hat erneut Probleme mit ihrer Belegschaft, diesmal in Stuttgart. Weil sich viele Kabinenmitarbeiter kurzfristig krank meldeten, mussten bereits Flüge gestrichen werden.

Andreas Gruber mit Lauda Crew, Lauda Crew in neuen Uniformen. © Lauda Motion

Die Lauda-Basis Stuttgart hat operative Probleme wegen hoher Krankenstände unter den Kabinenmitarbeitern. Wie aus einem Schreiben von Laudas "Head of Inflight" an die gesamte Kabinenbelegschaft am Standort Stuttgart hervorgeht, musste die Airline im September sogar Flüge streichen.

Als Grund für die Streichungen nennt die Airline in dem Schreiben, das airliners.de vorliegt, dass sich Kabinenmitarbeiter kurzfristig - und zum Teil direkt vor oder nach freien Tagen krankgemeldet hätten. Eine Lauda-Sprecherin erklärte auf airliners.de-Anfrage lediglich, dass es sich um Einzelfälle gehandelt habe.

In der als "Memorandum" überschriebenen Mitarbeiter-Mail wird erklärt, dass Lauda sogar eine 50-prozentige Standby-Quote habe, im Gegensatz zu 20 Prozent, die bei anderen Fluggesellschaften der Ryanair Group üblich seien. Man erwarte eine sofortige und nachhaltige Verbesserung bei der Anwesenheit und werde prüfen, ob einzelne Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden könnten, sollten sie sich weiterhin wiederholt kurzfristig krankmelden.

Lauda hat überdurchschnittliche Standby-Quote

Nach Angaben des Tarifexperten Eckhard Bergmann liegt der Branchendurchschnitt bei etwa zwei Standby-Tagen pro Monat und Mitarbeiter, also etwa 10 Prozent der Arbeitstage. In der Hochsaison könne dieser Wert allerdings auch geringer sein. Laudas Standby-Wert liege mit 50 Prozent - hier allerdings wohl bezogen auf die Anzahl der Abflüge, nicht auf die Crew-Arbeitstage - deutlich über dem Branchenschnitt.

Bei einem derart hohen Standby-Verhältnis ist also ein Ausfall von Flügen wegen fehlender Cabin Crew tatsächlich eher ungewöhnlich. Normalerweise werden laut Bergmann solche übermäßigen Ausfälle mit Personal abgedeckt, das eigentlich einen freien Tag hat, in Notfällen auch mit Personal aus dem Urlaub.

© APA/dpa, Herbert Pfarrhofer Lesen Sie auch: Krise bei Laudamotion erzwingt massiven Sparkurs

Ein durchschnittlicher Krankenstand bei Flugbegleitern liegt nach Angaben des Tarifexperten zwischen fünf und zehn Prozent. Die realen Quoten hängen laut Bergmann allerdings stark von der Altersstruktur der Belegschaft, saisonalen Belastungen, dem Betriebsklima und weiteren Bedingungen ab.

Das Lauda-Management hatte in den zurückliegenden Monaten mehrfach Brandbriefe über die schwierige Marktsituation an die Mitarbeiter geschickt. Zahlreiche Airlines in Europa würden in finanziellen Schwierigkeiten stecken und Pleite gehen hieß es darin. Ebenso wurde angekündigt, dass die Mutter Ryanair am Standort Wien selber aktiv werden könne, sollte die operative Performance nicht deutlich gesteigert werden.

© Thomas Ramgraber, Lesen Sie auch: Laudamotion-Betriebsrat beklagt "Akt des Angriffs" von Geschäftsführung

Von: hr

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