Verwirrung um deutsche Small Planet

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Die insolvente deutsche Small Planet sucht auch nach dem Ende der Operations noch einen Käufer: Dieser könnte aus den Niederlanden oder aus der Türkei kommen. Bestätigen will die Airline diese Informationen nicht.

Im Inneren einer Airbus-Maschine von Small Planet Airlines. © AirTeamImages.com / Jan Severijns

Der Fall der deutschen Small Planet sorgt erneut für Verwirrung: Aus Unternehmenskreisen heißt es, die türkische Onur Air zeichnet sich als Käufer ab. Offiziell erklärt die Airline auf Anfrage von airliners.de, dass noch kein Kaufvertrag unterschrieben worden sei.

Dabei würde eine Übernahme durch Onur Air nicht nur für viele der rund 400 Mitarbeiter der deutschen Small Planet Sinn ergeben: Auch Onur Air könnte profitieren. Denn dem Vernehmen nach sind die Türken vor allem an den Verkehrsrechten des deutschen Small-Planet-AOCs interessiert. So darf Onur Air zwar unbegrenzt Flüge zwischen der Türkei und Deutschland anbieten, nicht aber in Drittstaaten.

Onur Air in Deutschland
Angaben in Prozent
Düsseldorf 41.4
Berlin-Tegel 27.1
Berlin-Schönefeld 7.9
Köln/Bonn 7.0
Dresden 3.8
Nürnberg 3.4
Übrige Airports 9.4

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der von Onur Air im Winter angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab deutschen Airports. Angaben gerundet. "Übrige Airports" sind jene mit jeweils weniger als drei Prozent Anteil. Quelle: ch-Aviation

Bereits in der kommenden Woche soll ein Treffen zwischen dem türkischen und dem deutschen Management stattfinden: Die Wiederaufnahme des Flugbetriebs wird besprochen - unter neuem Branding. Wie viele Flugzeuge und Mitarbeiter Onur Air von dem deutschen Charter-Carrier übernehmen will, ist noch unklar.

Mitarbeiter wurden bereits gekündigt

Am Donnerstag fand der vorerst letzte Flug der deutschen Charter-Gesellschaft statt. Feste Aufträge für den Winter gibt es bislang keine. Bis zuletzt suchte die Airline nach einem Investor. Doch Gespräche über eine Übernahme durch den Logistiker Zeitfracht scheiterten bereits vor einigen Wochen.

Die Verhandlungen mit der ebenfalls interessierten VLM (SF Aviation Holding BV) gestalteten sich zuletzt schwierig. Zudem wollte die Airline nur maximal drei Maschinen im Sommer weiter operieren. Allerdings wurde bis Mittwoch kein Kaufvertrag unterschrieben.

Dabei war der 31. Oktober ein wichtiges Datum. Wären die Kündigungen an die rund 400 Mitarbeiter nicht bis dahin ausgesprochen worden, hätten die Gehaltszahlungen nicht zu Ende November eingestellt werden können. Sprich: Die Zahlungen wären nicht mehr vom Insolvenzgeld abgedeckt gewesen und hätten die Masse der Gläubiger geschmälert.

Piloten könnten für Eurowings fliegen

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) hatte der Airline zugesagt, das AOC bis zum 4. November nicht zu entziehen. Gleichzeitig hatte Small Planet sich selbst entschlossen, die Erlaubnis bereits am 2. November "ruhend zu stellen", sollte kein Investor einen Kaufvertrag unterschrieben haben.

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass das deutsche Management den Piloten bereits bei der Jobsuche hilft und ihnen ein Angebot der tschechischen Travel Service unterbreitete. Diese will zum Jahreswechsel fünf Maschinen ab Stuttgart operieren - im Wet-Lease für Eurowings.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Small-Planet-Piloten könnten im Wet-Lease für Eurowings fliegen

Wie alle Airlines hatte auch die deutsche Small Planet mit zuletzt zehn Jets in diesem Sommer mit vielen Problemen zu kämpfen. Hinzu kamen noch einige AOGs, die auch die beiden Reservemaschinen betrafen. Daher musste der Ferienflieger auf teure Subcharter ausweichen, die die Charter-Airline unter anderem zusammen mit den Entschädigungszahlungen für Verspätungen und Ausfälle in die Knie zwangen.

Später flüchteten sich auch die polnische Schwester-Airline sowie der litauische Mutterkonzern in ein Restrukturierungsverfahren.

Von: cs

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