Offiziell: Small-Planet-Verkauf "unwahrscheinlich"

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Der Verkauf der deutschen Small Planet an VLM ist wohl gescheitert. Der Ferienflieger geht nicht davon aus, dass "im verbleibenden Zeitraum" eine Lösung gefunden wird. Dies bedeute noch nicht die Abwicklung.

Eine A320 der Small Planet Airlines. © AirTeamImages.com / Dirk Grothe

Die Gespräche über den Verkauf der insolventen Small Planet Deutschland an die belgische VLM sind ins Stocken geraten. Entsprechende Informationen aus dem Unternehmensumfeld bestätigt der Ferienflieger am Montag offiziell: "Eine Übernahme in dem verbleibenden Zeitraum erscheint unwahrscheinlich."

Die Insolvenz über das Unternehmen werde planmäßig am 1. Dezember eröffnet. "Sofern kein Investor die weitere Unternehmensfortführung finanziert, wird die Insolvenz dann ohne weitere Eigenverwaltung eröffnet", heißt es nun. Noch Mitte November ging das Unternehmen davon aus, dass die Eigenverwaltung aufrechterhalten wird.

Übernahme nach dem Verfahren "schuldenfrei" möglich

Im Laufe dieses Verfahrens könne das Unternehmen mit dem AOC weiterhin durch Interessenten nach Abschluss schuldenfrei übernommen werden, betont ein Sprecher. "Sollte es dazu nicht kommen, werden Firma und AOC liquidiert."

Denn bislang ruht die Betriebsgenehmigung nur. Small Planet gab sie nach Abschluss des Flugverkehrs Ende Oktober an das zuständige Luftfahrt-Bundesamt zurück. Das Personal wurde fristgerecht gekündigt - nur die für die Wiederaktivierung des AOC benötigten Personen verblieben im Unternehmen.

Freistellungen in der vergangenen Woche

Denn es gab berechtigte Hoffnungen auf einen Neustart: Der Mutterkonzern der belgischen ACMI-Airline VLM, die SF Aviation Holding, hatte vor einigen Wochen bereits eine Absichtserklärung zum Kauf unterschrieben. Mit einer Maschine sollte Small Planet im Winter wieder abheben.

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Doch bereits Ende vergangener Woche kündigte sich das Scheitern der Gespräche an: Nach airliners.de-Informationen erhielten die rund 400 Mitarbeiter zusätzlich zu ihrer Ende November gültig werdenden Kündigung die Freistellung.

"Im Zusammenhang mit einer Insolvenz bedeutet die Freistellung aller Arbeitnehmer meist, dass der Verwalter keine Möglichkeit sieht, den Betrieb fortzuführen und ihn deshalb unmittelbar einstellt, um keine weiteren beziehungsweise nur möglichst geringe Verluste zu produzieren", erläutert Arbeitsrechtler Jochen Seier.

Insolvenz in Eigenregie

Die deutsche Small Planet meldete Mitte September Insolvenz in Eigenregie an. Wie alle Airlines hatte auch der Ferienflieger in diesem Sommer mit vielen Problemen zu kämpfen. Hinzu kamen noch einige AOGs, die auch die beiden Reservemaschinen betrafen.

Daher musste der Ferienflieger auf teure Subcharter ausweichen. Zusammen unter anderem mit den Entschädigungszahlungen für Verspätungen und Ausfälle zwang dies Small Planet Deutschland in die Knie.

© AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Chris Jilli (2), HAMFive. Adrian Jack, Carl Ford (2) u.a. [M], Lesen Sie auch: So performten die Airlines im Sommer Bilanz

Später flüchteten sich auch die polnische Schwester-Airline sowie der litauische Mutterkonzern in ein Restrukturierungsverfahren. Dieses unterscheidet sich allerdings dahingehend von einem Insolvenzverfahren in Eigenregie, dass kein neuer Käufer gesucht werden muss.

Von: cs

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