Österreich erwägt Direkt-Einstieg bei Lufthansa Group

Austrian Airlines reduziert die Flotte. In Österreich evaluiert die Politik jetzt, welche Staatshilfen für die Lufthansa-Tochter Sinn machen - und legt den Fokus dabei vor allem auf den Erhalt Wiens als Langstrecken-Drehkreuz.

Flugzeuge der Austrian Airlins stehen im April 2020 im Corona-Storage in Wien. © AirTeamImages.com / Chris Jilli

Unter österreichischen Experten herrscht Uneinigkeit, wie staatliche Hilfen für die kriselnde Austrian Airlines aussehen sollten. Ein für Montag geplantes Treffen zwischen Regierungsvertretern und dem Lufthansa-Vorstand wurde auf Mittwoch verschoben, wie die Zeitung "Der Standard" berichtet.

Gegenwärtig versuche Austrian, staatlich garantierte Kredite und Zuschüsse über die staatliche Finanzagentur Cofag zu erhalten. Dafür versuche die Fluggesellschaft gegenwärtig ein williges Bankenkonsortium auf die Beine zu stellen, dass die entsprechenden Kredite bereitstellt. Der gesamte Finanzbedarf der größten österreichischen Airline belaufe sich dabei auf 750 Millionen Euro, so der Bericht, weshalb auch der Erwerb von Anteilen durch den österreichischen Staat untersucht werde.

Die Cofag soll dafür eine Beteiligung Österreichs am Mutterkonzern, der Lufthansa, in Erwägung ziehen. Eine Beteiligung nur an Austrian, würde die Abhängigkeit von der Lufthansa nur vergrößern, so die Argumentation. Würde sich Österreich jedoch einer deutschen Staatsbeteiligung an der Lufthansa anschließen und direkte Anteile erwerben, verspricht man sich deutlich mehr Einflussmöglichkeiten, vor allem um den Standort Wien als Luftfahrtdrehkreuz zu schützen.

Lufthansa lehnt Staatsbeteiligungen offiziell ab

Lufthansa hat sich in der Vergangenheit wiederholt ablehnend zu einer Staatsbeteiligung in den Heimatländern ihrer Airlines, Deutschland, die Schweiz, Österreich und Belgien, geäußert. Inwieweit das morgige Treffen ein Lösung in der Frage bringt ist unklar.

Gewiss ist hingegen, dass Austrian Airlines nach der Corona-Krise als deutlich kleinere Fluggesellschaft den Neustart wagt. Wie die Airline mitteilte, soll die Flottenstärke im Laufe dieses und des kommenden Jahres von gegenwärtig 80 auf 60 Flugzeuge sinken. Die angebotene Kapazität soll gegenüber den ursprünglichen Planungen um 20 Prozent sinken.

© Austrian Airlines, Lesen Sie auch: Österreich schließt Teilverstaatlichung von Austrian nicht aus

So sollen alle 18 Dash-8 Turboprops, die sieben A319 und die drei ältesten der sechs Boeing 767-300ER die Flotte verlassen. Einige bestellte A320 werden in den nächsten Jahren wohl noch zur Flotte stoßen. Durch die Ausflottung von älteren Maschinen sinke das Durchschnittsalter der Flotte von 15,4 auf 14,6 Jahre, so Austrian. Man erwarte für Ende 2021 maximal eine Nachfrage von 75 Prozent des Vorkrisen-Niveaus.

Appell an "die Unterstützung aller Beteiligten"

Trotz Verkleinerung der Flotte sollten so viele Arbeitsplätze wie nur möglich erhalten werden. Entsprechende Gespräche dafür mit den Betriebsräten seien bereits im Gange. "Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten. Wir wollen unser Langstrecken-Drehkreuz erhalten. Zukunftsfit bedeutet dabei, dass wir in der Lage sein müssen, unsere Flugzeuge, Gebühren, Löhne und Investitionen zu finanzieren und natürlich auch etwaige Belastungen und Kredite aus dem Corona-Grounding zurückzuzahlen", betont Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech. "Wir haben einen Plan. Nun hoffen wir auf die Unterstützung aller Beteiligten," beschließt der Vorstand des österreichischen National-Carriers seine Ausführungen.

Von: dk

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