Österreich hat wegen Coronavirus-Pandemie de facto Ausgangssperre

In Österreich gilt mit drastischen neuen Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie nun fast eine Ausgangssperre. Nur aus triftigen Gründen sollen die knapp neun Millionen Einwohner noch ihre Häuser verlassen dürfen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. © BKA

Auf den Straßen gab es Polizeipatrouillen, und ab Montag sollten Bußgelder von bis zu gut 2000 Euro verhängt werden, wenn sich jemand den Anweisungen widersetzt. Sämtliche Veranstaltungen wurden verboten, nirgends sollten sich mehr als fünf Menschen gleichzeitig aufhalten.

Zudem wird das Militär herangezogen. Bevorstehende Ausmusterungen wurden gestoppt. Die Miliz, also Reservesoldaten, sollte zum Teil mobil gemacht werden - nach Angaben eines Regierungssprechers das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Junge Leute, die in den letzten Jahren im medizinischen Bereich Zivildienst leisteten, sollen rekrutiert werden, um Engpässe im Pflegebereich zu verhindern.

Sparziergänge bleiben gestattet

Abgesehen von notwendigen Besorgungen für sich und Bedürftige oder weil der Job es verlangt sollten die Menschen zu Hause bleiben. Spaziergänge sollten gestattet bleiben. Wer dringend ins Freie müsse, "der darf das ausschließlich alleine machen oder mit den Personen, mit denen er in der Wohnung gemeinsam zusammenlebt", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Für das besonders betroffene Bundesland Tirol sagte der dortige Regierungschef Günther Platter: "Ohne einen triftigen Grund darf niemand seine Wohnung verlassen." Zu den Ausnahmen gehörten neben wichtiger Arbeit und Besorgungen auch Arztbesuche, Geld vom Automaten abheben und den Hund ausführen.

Nicht alltagsnotwendigen Geschäfte bleiben geschlossen

Alle Geschäfte in nicht alltagsnotwendigen Branchen bleiben geschlossen. Ab Dienstag sind auch alle Restaurants zu. Die Versorgung der Menschen über Supermärkte und Lieferdienste sei gesichert, sagte Kurz. In Eisenstadt im Burgenland wollen städtische Mitarbeiter die Besorgungen für ältere und kranke Anwohner erledigen. Der Zug- und Flugverkehr mit der Schweiz wird am Montag eingestellt. Die Regierung verhängte zudem mehr Einreiseverbote, darunter für Reisende aus Russland, den Niederlanden und der Ukraine, wenn diese kein Gesundheitsattest haben oder zwei Wochen in Quarantäne gehen.

Die Regionen Paznauntal mit den Touristenorten Ischgl und Galtür sowie St. Anton in Tirol und die Skiregion Heiligenblut in Kärnten standen wegen einer erhöhten Zahl von Fällen unter Quarantäne. Die letzten ausländischen Gäste sollten am Sonntag abreisen, österreichische Touristen mussten vor Ort bleiben.

Von: dpa-AFX, br

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