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Leerer Flughafenbahnhof BER © dpa

Der BER eröffnet am 31. Oktober 2020 und dabei stellt sich unweigerlich die Frage: wie komme ich eigentlich zum Flughafen? Die bisherige Betrachtung bezog sich meist ausschließlich auf Fahrgäste, die auch Fluggäste sind. Neben diesen sind auf den meisten Nah- und Fernverkehrs-Angeboten aber auch Pendler unterwegs, die gar nichts mit dem Flughafen zu tun haben und nur eine andere Teilstrecke nutzen. Linien wie der Flughafen Express FEX und der X7-Bus sind davon kaum betroffen. Dafür gibt es aber noch eine weitere Gruppe, die einzeln betrachtet werden muss: die Mitarbeiter am BER. Deren Pendlerprofil unterscheidet sich erheblich von Fluggästen und auch sonstigen Pendlerströmen. Während der Fluggast um 6 Uhr früh stöhnend in den "Pyjamaflieger" steigt, ist das Bodenpersonal, das Kabinenpersonal, das Sicherheitspersonal oder auch die Imbissversorgung schon eine ganze Weile länger im Dienst und die müssen auch zum Flughafen.

Der Einfachheit halber beschränken wir uns auf einen Vergleich der Frühfahrten zum Flughafen Tegel heute und zum BER ab dem 31.10.2020 von einigen ausgewählten Haltestellen mitten in der Woche. Die Nächte Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag sind generell betrachtet aufgrund des Wochenendpartyverkehrs leichter zu bewältigen - zumindest fahrplantechnisch. Seine Ruhe hat der zur Frühschicht aufbrechende Angestellte eher nicht.

Die Angaben zum BER sind unter Vorbehalt zu sehen, teils fehlen Fahrpläne noch und final sind sie erst recht nicht. Sie sind aber schon so gut, dass der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) sie über seine Fahrplan-Anwendung schon bereitstellt. Das einzige was getan werden muss, ist das Abfahrtsdatum weit in das nächste Jahr zu setzen. Die frühe Bereitstellung ist für Mitarbeiter auf jeden Fall ein guter Service, können sie sich so doch schon ihr individuelles Pendlerprofil anschauen.

Tegel ist schon früh gut zu erreichen - zumindest aus dem Westteil Berlins

Um in Tegel besonders früh anzukommen ist neben dem Auto oder dem Fahrrad eine Nähe zum X9-Bus von sehr großem Vorteil. Dieser Bus hat nämlich fast keine Betriebspause. Die erste Fahrt ab Zoologischer Garten beginnt um 3:13 Uhr. So früh bei üblicherweise leeren Straßen ist eine Ankunft schon eine Viertelstunde später zu erwarten. Damit ist ein Dienstbeginn um 4 Uhr in der früh gut machbar. Dieser Bus ist aber auch das einzige Angebot und bedeutet häufig eine Fahrt mit dem Nachtbus hin zum Nachtknoten Zoologischen Garten. Die U-Bahnen fahren in der Regel erst eine Stunde später aus ihren Depots und Abstellanlagen. Selbiges gilt auch für die anderen Busse zum Flughafen. Der 128er setzt erst kurz vor vier Uhr vom Kurt Schumacher Platz aus ein. Der 109er startet gar erst nach vier Uhr ab Zoologischer Garten. Einen zusätzlichen Einsetzer von einer der Unterwegshaltestellen gibt es nicht. Der von Fluggästen sehr stark genutzte TXL hat seine erste Fahrt ab Turmstraße erst um 3:58 Uhr, der ein bisschen früher auch schon vom Hauptbahnhof abfährt. Es zentriert sich also alles auf den X9 als Mitarbeiterzubringer jenseits besonderer Shuttledienste, Taxis und ähnlichem eher individualisiertem Verkehr.

Das ist schon reichlich knapp. Die ersten Flugzeuge heben ab Tegel, abseits von Militär- oder Postflügen, um 6 Uhr ab. Einsteigen beginnt in der Regel eine halbe Stunde vorher. Das Gepäck wird mitunter eine Stunde und früher abgegeben. Zudem wollen die Fluggäste ja in den Sicherheitsbereich, in die Lounge, vielleicht noch frühstücken. Und damit all diese Positionen besetzt sind, müssen die Mitarbeiter dafür vorher ankommen, sich gegebenfalls umkleiden und Vorbereitungen treffen. Wer kein Auto hat oder in der klirrenden Winterkälte nicht Fahrrad fahren möchte und auch keine Fahrgemeinschaft bildet, der wird in den kritischen Zeitbereichen wohl mit dem X9 am Flughafen ankommen. Der fährt immerhin alle 10 Minuten.

© dpa, Lesen Sie auch: BER setzt auf öffentlichen Nahverkehr

Am BER wird die Situation anders sein. Der geplante Flugbetrieb beginnt um 5:30 Uhr. Kommt beispielsweise ein Interkontinentalflieger etwas zu früh nach Berlin, darf dieser sogar schon ab 5 Uhr landen. Die offiziellen, aber vorläufigen Fahrplandaten zeigen hier entsprechend ein anderes, auf diese Situation angepasstes Bild, das, wie wir weiter feststellen werden, aber nicht ideal ist.

Wichtige Berliner Nachtknoten liegen abseits der großen Bahnhöfe

In der Woche wird ab Berlin Zoologischer Garten, also wo derzeit der X9 der Mitarbeiterzubringer ist, um 2:35 ein RB14 angeboten. Der braucht gut 38 Minuten zum BER Terminal 1+2, also dem Bahnhof direkt unter dem Flughafen. Er beginnt interessanterweise bereits in Nauen um 1:58 Uhr und deckt einen Großteil der Innenstadt ab. Zu beachten ist allerdings, das der Regionalzug an einigen Nachtknoten vorbeifährt. In Berlin liegen die Nachtzentren wie Hackescher Markt, neben Zoo einer von zwei Nacht-Hauptanschlüssen, oder Warschauer Straße oft abseits der großen Bahnhöfe. Hackescher Markt ist allerdings ein Sonderfall. Zum nächsten Fahrplanwechsel wird dieser Knoten aufgegeben und zum Alexanderplatz verschoben, wo die Flughafenzüge RB14 wie auch RE7, einen Halt haben. Die großen Bahnhöfe Spandau und Zoo sind aber gut an das Nachtnetz angeschlossen. Der Hauptbahnhof hingegen ist eigentlich kein Nachtknoten. Hier zentriert sich kein Busverkehr.

Die erste Fahrt des Flughafen Express (FEX), dessen frühe Fahrt durch die Presse als positives Beispiel ging, wirkt gerade deswegen ziemlich deplaziert. Der fährt zwar um 3:27 ab Hauptbahnhof los und kommt eine halbe Stunde später an, umfährt allerdings so gut wie jeden Nachtknoten in Berlin. Unverständlich ist hierbei, warum nicht wenigstens dieser Nachtzug einen Stopp am Regionalbahnhof Schöneweide macht und am Potsdamer Platz oder gar Südkreuz beginnt, um dort ein paar Mitarbeiter mitzunehmen. Schöneweide ist nämlich ein getakteter Nachtknoten, oder Richtungsanschluss, wie es die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nennen, an dem der Zug einfach vorbeirauscht. Tagsüber kann die S-Bahn die Bedienung dieser wichtigen Region übernehmen. Hier ist immerhin der Wissenschaftsstandort Adlershof in der Nähe. Nachts jedoch nur bedingt. Selbst die erste S-Bahn kommt spät an. Der FEX dürfte etwa um 3:50 Uhr an Schöneweise vorbeifahren und könnte Mitarbeiter um 4 Uhr in der früh abliefern. Die erste S-Bahn der Linie S9 kommt um 3:53 Uhr an und braucht bis 4:16 Uhr.

An sich dürfte diese frühe S-Bahnfahrt erfreulich sein. Allerdings nur auf den ersten Blick. Den Zug gibt es nämlich heute schon. Die S9 setzt wie gewohnt um 3:12 Uhr ab S-Bahnhof Westkreuz ein und erreicht BER über viele getaktete Nachtknoten in der Berliner Innenstadt. 4:16 Uhr dürfte für einige Mitarbeiter allerdings knapp werden, wenn der Flugbetrieb schon um 5 Uhr anfangen könnte. Der erste RE7 fährt übrigens ab Friedrichstraße um 3:52 Uhr los und kommt um 4:20 an. Auch das ist keine Verbesserung. Der Zoologische Garten wird also eine ganze Zeit lang nach dem RB14 nicht per Direktanbindung abgedeckt und zwingt Personal per Umsteigen den FEX zu nehmen. Das sind nach derzeitigem Stand die einzigen signifikanten Neuerungen für Mitarbeiter, die die Anreise von der Innenstadt nach Tegel gewohnt sind.

© dpa, Bernd SettnikLesen Sie auch: Studie fordert deutlich bessere BER-Verkehrsanbindung

Schlimmer noch: Der RB14 ist eigentlich das einzige vergleichbare Angebot zum X9 gen TXL, was eine frühe und unproblematische Anreise angeht. Allerdings bei einem rund eine Stunde früheren Flugbetrieb. Außerdem darf dieser Zug nicht ausfallen. Während der X9 ab dem frühen Morgen alle 10 Minuten fährt, ist faktisch eine dreiviertel Stunde im Regionalverkehr nichts los und die Ersatzwegfindung wird kompliziert. Ein kranker Busfahrer oder platter Reifen heißt 10 Minuten Verspätung. Fällt ein Lokführer aus ist das tendenziell mit extremen Konsequenzen verbunden. Dazu sei angemerkt, dass viele Eisenbahnunternehmen sich über Lokführermangel beklagen und Fahrausfälle in Berlin eben deswegen durchaus passieren.

Auch eine frühe Busverbindung zwischen den Terminals ist wichtig

Eine Alternative könnte die Nachtbuslinie N7 sein, zumindest für die, die im Süden Berlins wohnen. Kurz vor 3 Uhr wechselt die Buslinie ab Hermannplatz in einen 15-Minuten-Takt, eine Halbierung des Takts verglichen mit der heutigen Situation. Die Fahrt dauert rund eine Dreiviertelstunde. Die Nachtbuslinie reicht bis nach Spandau. Aber einerseits fährt sie von Spandau nicht so oft und andererseits ist sie kaum eine Alternative zum dort ebenfalls haltenden RB14. Die Fahrzeit des N7 auf der Gesamtstrecke liegt bei Sage und Schreibe zwei Stunden. Der N7 sorgt immerhin dafür, dass um 3 Uhr in der Früh schon alle 15 Minuten ein Bus zwischen den Terminals fährt. Wichtig für die, die mit dem RB14 in der Früh ankommen und zum anderen Terminal müssen. Die U-Bahnlinie U7, die der N7 in der Nacht ersetzt, ist ohne eine Frühfahrt unterwegs. Die erste U7 gen Rudow zum X7-Bus setzt erst um 4:05 am Hermannplatz ein. Weiter entfernte Bahnhöfe werden entsprechend mit späterer Ankunft am BER bedient. Freilich mit Umstieg zum dazu getakteten X7-Bus.

Auch wenn wir nicht jeden Flughafenjob und dessen spezifischen Dienstbeginn kennen, wirkt die bisher publizierte Lösung nicht ganz überzeugend. Da fährt ein FEX in der Früh um alle wichtigen Berliner Nachtknoten herum und deckt nicht einmal ausnahmsweise andere Bahnhöfe wie Schöneweide oder Potsdamer Platz ab. Auf der anderen Seite sieht es derzeit danach aus, als sei der RB14 die einzige Lösung für eine frühe Ankunft, vergleichbar mit dem X9. Der Zug ist selbst für Mitarbeiter, die im fernen Nauen wohnen, eine attraktive Lösung. Ein einzelner Zugausfall könnte aber unangenehme Konsequenzen haben, sowohl für die Mitarbeiter, die auf einen nachsichtigen Arbeitgeber hoffen müssen, wie auch für den Flugbetrieb. Wie hoch das Potenzial für Probleme ist, lässt sich aber erst einschätzen, wenn die Fahrgäste des RB14 gezählt werden. Die U-Bahn ist gar keine Lösung im Frühverkehr und der Nachtbus nur für die, die nicht allzu weit weg wohnen. Die S-Bahn fährt für einen frühen Dienstbeginn auch zu spät ab und wurde an den BER nicht angepasst.

Bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen andere Lösungen sinnvoller, die sich vom starren Fahrplankonstrukt entfernen, die allerdings vermutlich personalintensiver sind. Das in Berlin ab 15.12 startende Express-S-Bahn-Projekt ließe sich am Morgen vermutlich auch gut auf der Stadtbahn umsetzen. Nicht jeder S-Bahnhof muss geöffnet werden, aber die wichtigsten Knoten werden gemeinsam abgedeckt. Auf der Stadtbahn ist eine S-Bahn tagsüber in der Regel sogar geringfügig schneller als die Regionalzüge. Nimmt man einige S-Bahnhöfe heraus und bietet eine vernünftige Taktung an, die auch mal einen Ausfall eines Lokführers wegen Krankheit verkraften kann, kommt schnell ein attraktives wie auch redundantes Angebot heraus. Es gilt allerdings noch herauszufinden, ob die S-Bahn wartungstechnisch eine verkürzte Betriebspause verkraftet.

Wir freuen uns diesbezüglich über Rückmeldungen im Forum zu bestimmten Fahrsituationen, damit sich ein besseres Bild erzeugen lässt.

Im nächsten Teil der Analyse betrachten wir ausführlich die Situation für Fahrgäste, die auch Fluggäste sind. Insgesamt kam es zu zahlreichen Änderungen und Verbesserungen verglichen mit älteren Planungen, die vor allem im Detail interessant sind.

© FBB, Lesen Sie auch: Flughafen und Gemeinde Schönefeld vereinbaren engere Zusammenarbeit

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