Die Born-Ansage (136) Nur ein Zahlendreher?

Die Corona-Pandemie wird die Luftfahrt nachhaltig verändern, wie zuletzt die Zeit nach den Terroranschlägen vom 11. September. Unser Kolumnist Karl Born zieht dabei einige Parallelen.

Montage: airliners.de © dpa, Privat

Ob der Rabbi Akiba tatsächlich vor 2000 Jahren "alles schon mal dagewesen" gesagt hat oder ob der Bühnenautor Karl Gutzkow diesen Spruch nur "seinem Ben Akiba" in den Mund gelegt hat, weiß niemand so genau. Aber wir alle stolpern manchmal über Ereignisse, bei denen uns spontan in den Sinn kommt "das war doch schon mal da gewesen".

Dabei muss das nicht 100 Prozent exakt gleich sein, sondern nur in etwa gleich erinnerbar.

Die Terroranschläge vom 11. September waren zwar schon im Jahre 2001, aber die Sicherheitsanforderungen wurden erst ein Jahr später richtig hochgefahren.

Wann genau es in 2020 wieder so richtig mit der Fliegerei losgehen wird, wissen wir nicht. Aber das Coronavirus wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Die von mir vergleichsweise für das Jahr 2020 ausgewählten Zitate sind zwar noch fiktiv, aber nicht desto weniger sehr realistisch.

Hier ein Vergleich:

2002: "Reisen wird nie mehr wie es vorher war"
2020: "Reisen wird nie mehr wie es vorher war"

2002: lange Personenschlange vor den Sicherheitskontrollen wegen umfassender Sprengstoff- und Waffensuche
2020: Noch längere Personenschlange vor den Sicherheitskontrollen wegen Sicherheitsabstand"

2002: Schuhe aus
2020: Maske auf

2002: Alarm: Alleinstehender Koffer ohne Fluggast
2020: Alarm: Fluggast ohne Mundschutz

Fluggast scherzt an der Sicherheitskontrolle, der garantiert den Weiterflug verhindert:
2002: "Habe ich eigentlich noch meine Bombe im Koffer?"
2020: "Heute Morgen hatte ich noch hohes Fieber und schlimmen Husten."

Anonyme Warnung für einen bestimmten Flug: 2002: Abflug verzögert sich, alle Fluggäste raus, Sprengstoffspürhund rein.
2020: Abflug verzögert sich, alle Fluggäste raus, Desinfektionskommando rein.

2002: stärkere Cockpit Türen
2020: Scheiben zwischen den Sitzen

2002: geheim an Bord: Sky Marshal
2020: geheim an Bord: Hygiene Marshal

2002: USA fordern schon vor Abflug die Passdaten
2020: USA fordern schon vor Abflug den Corona-Immunitätsausweis<</p>

Verordnung 2320 aus dem Jahr 2002 des europäischen Parlaments, ein Meisterstück der modernen Bürokratie-Literatur, über fünf Seiten Verordnung und 16 Seiten Anhang. Da finden wir unter anderem:
2002: Diese Verordnung achtet die Grundrechte und hält die Grundrechte ein, die insbesondere in der Grundrechte-Charta der Europäischen Union anerkannt sind.
2020: Diese Verordnung achtet die Grundrechte und hält die Grundrechte ein.

2002: Kontrollierte abfliegende Fluggäste dürfen nicht mit ankommenden Fluggästen, die möglicherweise nicht nach dem Anforderungsniveau dieses Anhangs kontrolliert wurden, zusammenkommen.
2020: Kontrollierte abfliegende Fluggäste dürfen nicht mit ankommenden Fluggästen aus einem Land mit niedrigerem Hygienestandard zusammenkommen.

Fazit

2002: Fliegen ist sicher, macht nur weniger Spaß 2020: Fliegen ist sicher, macht nur weniger Spaß

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

Lesen Sie jetzt

So muss sich Fliegen früher angefühlt haben

Die Corona-Krise hat den Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Wer im arg ausgedünnten europäischen Streckennetz unterwegs ist, erlebt bizarre Situationen. Eine Reportage über die neue Normalität des Fliegens.

Corona-Einschränkungen treffen Flughafen-Dienstleister ins Mark

Hintergrund Kaum Betrieb an den Flughäfen führt zu existenziellen Notlagen bei Bodenverkehrsdienstleistern. Starre Verträge sorgen für Probleme bei Luftsicherheitsunternehmen: Die Corona-Krise bringt die Geschäftsmodelle der Flughafen-Dienstleister unter Druck. Die Zukunftssorgen bei Unternehmen und Mitarbeitern sind groß.

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Flughäfen Luftsicherheit Die Born-Ansage Corona-Virus