Nürnberger Flughafen muss weiter um Autobahnanbindung bangen

Umweltschützer bekämpfen das Straßenprojekt seit Jahren - jetzt hat der Stadtrat beschlossen, die Nordanbindung des Flughafen Nürnberg auf Eis zu legen. Die CSU gibt dennoch nicht auf.

Aegean Airlines am Flughafen Nürnberg © Flughafen Nürnberg

Die Nordanbindung ist tot, es lebe die Nordanbindung: So könnte man den Streit beschreiben, der seit mehr als 30 Jahren im Nürnberger Stadtrat um die Autobahnanbindung des Flughafens schwelt. Ein neues Kapitel folgte Ende Juni. Der Rat unter Führung von SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly stimmte mehrheitlich - gegen 18 Stimmen der CSU - dafür, den Bau der Straße nicht mehr weiter zu verfolgen.

Das Asphaltband sollte den Regionalflughafen mit der nördlich davon verlaufenden Autobahn Nürnberg-Frankfurt (A3) verbinden. Die Nürnberger Flughafen GmbH erhofft sich von dem Autobahnzubringer eine größere Attraktivität für Fluggäste aus anderen Regionen. Umweltschützer lehnen das Projekt hingegen kategorisch ab, weil die Straße ein wertvolles Waldgebiet zerschneiden würde.

Die Antragsteller aus Reihen der Grünen sind über das jüngste Stadtratsvotum hoch erfreut. «Es wurde einmal mehr deutlich, dass sich eine konsequente und beharrliche Haltung lohnt», sagte die umweltpolitische Sprecherin Britta Walthelm. Wieder einmal war die Nordanbindung vermeintlich beerdigt - doch die Christsozialen bleiben hartnäckig.

Bund kann jederzeit mit Bau beginnen

«Im Stadtrat ist das Thema durch», gibt der Geschäftsführer der CSU-Ratsfraktion, Michael Kraus, zu. Doch die Straße habe weiterhin Baurecht. Wenn der Bund sie möchte, bedarf es keiner weiteren Anträge. Da es eine Autobahnanbindung ist, würde die Straße zu 100 Prozent vom Bund finanziert werden. «Zugegebenermaßen wäre es einer der wenigen Fälle, in dem der Bund in einer Stadt etwas gegen den mehrheitlichen Willen des Stadtrats baut», gesteht Kraus. Wille der CSU ist die Anbindung an die A3 aber weiterhin.

Deshalb hat Sebastian Brehm, Fraktionsvorsitzender der CSU Nürnberg, mit seinem Parteikollegen Alexander Dobrindt gesprochen. Der Bundesverkehrsminister habe ihm zugesichert, sich weiter für die Verwirklichung der Nordanbindung einzusetzen und die Straße im Bundesverkehrswegeplan eingestellt zu lassen, sagt Brehm.

Größte Hürde für den Bau der rund 58 Millionen Euro teuren Straße ist das mit giftigem Löschschaum verschmutzte Grundwasser im Erdreich unter dem Flughafen. Bedingung für den Spatenstich wäre erst einmal eine gründliche Grundwassersanierung.

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Brehm will die Strecke auch gerade deswegen: Er befürchtet, bei einem Nichtbau bleibe die Reinigung des Bodens aus. Der Umweltausschuss des Stadtrats schätzt in einem neuen Zwischenbericht, dass eine Sanierung rund 20 Jahre benötige. Brehm hat dagegen ein Gespräch mit Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) Hoffnung gemacht: «Es schaut so aus, als ob eine Lösung der Umweltproblematik bevorsteht», sagt er. Brehm schätzt, dass bis zu einem Bau der Strecke nur rund vier Jahre vergehen müssten.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Thorsten Brehm, hält dieses Szenario für ausgeschlossen: «Das ist eine vollkommen überflüssige Diskussion. Wir können uns politisch lange darüber streiten. Fakt ist, dass sich alle Experten einig sind, dass die Fläche nur in einer relativ langen Zeit und zu horrenden Summen gereinigt werden könnte.» Weiterer Streitpunkt zwischen den Parteien ist die angeschlagene Geschäftslage des Regionalflughafens mit sinkenden Passagierzahlen. Seit 2010 schrumpften die Umsätze um rund 10 Millionen Euro auf 86,7 Millionen Euro. Der Flughafenbetreiber kämpft seit Jahren mit Verlusten.

«Die Idee der Nordanbindung kommt aus einer Zeit, in der der Flughafen sechs Millionen Passagiere angestrebt hat», betont die SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Prölß-Kammerer. Ihr CSU-Gegenspieler Brehm sieht den Rückgang der Passagierzahlen dagegen als Argument für einen Bau: Es gehe jetzt umso mehr darum, dass man Weltfirmen wie Adidas, Puma und Schaeffler eine schnelle Anbindung an den Weltwirtschaftsverkehr biete. Dadurch könne die Attraktivität im Vergleich zu den Großflughäfen Frankfurt und München steigen.

Von: dpa

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