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Norwegian möchte in Ryanair-Lücke springen

Ryanair verkleinert wegen der Pilotenstreiks die Basis am Flughafen Dublin. Dort will Norwegian nach airliners.de-Informationen die Chance für einen großen Aufschlag nutzen.

Boeing 737 von Norwegian. © AirTeamImages.com / Simone Ciaralli

Vom Teilrückzug Ryanairs am Flughafen Dublin könnte ausgerechnet Konkurrentin Norwegian profitieren. Nach airliners.de-Informationen will der Low-Cost-Carrier die am Airport stationierte Maschinenzahl aufstocken und so zum größten Billigflieger am Platz werden.

Airlines in Dublin
Angaben in Prozent
Ryanair 37.0
Aer Lingus 35.6
British Airways 2.7
Lufthansa 1.8
Flybe 1.7
Ethiopian Airlines 1.6
American Airlines 1.6
Übrige Airlines 18.0

Verteilung nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Sommerflugplan. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als 1,5 Prozent Anteil. Quelle: ch-Aviation

Ryanair hatte in dieser Woche angekündigt, wegen der Pilotenstreiks in Irland die in Dublin stationierte Flotte im Winter von 30 auf "höchstens" 24 verkleinern zu wollen. Die Maschinen sollen bei der polnischen Charter-Tochter Ryanair Sun zum Einsatz kommen.

© AirTeamImages.comges.com, Dirk Grothe Lesen Sie auch: Ryanair - die zerrissene Airline Hintergrund

Dies würde gleichzeitig hunderte Jobs gefährden: 100 Piloten und 200 Flugbegleiter wären in Dublin überflüssig. Airline-Chef Michael O'Leary hatte solch eine Reaktion zu Wochenbeginn auf die Streiks angekündigt - nichtsdestotrotz terminierten die Ialpa-Crews einen vierten Streiktag für Anfang August.

Ausgerechnet Norwegian …

Es entbehre nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Norwegian von der Dublin-Reduktion Ryanairs profitieren könnte. Denn zuletzt wurde diskutiert, dass die Iren Interessent IAG bei einer Übernahme Norwegians helfen könnten - denn der Airline-Konzern ist in Skandinavien schon mit zwei angeboten abgeblitzt.

Dies würde laut Beobachtern dahingehend Sinn ergeben, als dass beide Low-Coster über eine Personalie verbunden sind: Ryanair-Verwaltungsratschef David Bonderman ist über seinen Milliarden-Fonds TPG Capital auch an Norwegian beteiligt.

Beim Wachstum verhoben

Norwegian ist in finanzieller Schieflage, weil sich der Carrier beim Wachstum verhoben hat. Geradezu zwanghaft wollte Gründer Kos beweisen, dass das Low-Cost-Modell auch auf der Langstrecke funktioniert, berichten Branchenkenner. Doch mit den Verbindungen von Kopenhagen, Oslo und Stockholm nach Las Vegas mussten zuletzt einst so prestigeträchtige Routen wegen zu geringer Nachfrage aufgegeben werden.

Die Probleme liegen auch in Crew-Regelungen begründet: Wegen unter anderem Ruhezeiten ist mehr Personal pro Flugzeug vorzuhalten, was Geld kostet. Darüber hinaus baut Norwegian massiv die Flotte aus.

Milliarden für neue "Dreamliner"

Der "Fuhrpark" der Norweger soll in den kommenden Jahren fast verdoppelt werden. Die Order dafür enthält auch Gerät für interkontinentale Flüge: sieben Jets des Typs Boeing 787 "Dreamliner" und mehrere dutzend A321neoLR. Eine Order, die Milliarden verschlingt.

Quelle: Norwegian, Darstellung: airliners.de

In diesem Jahr soll der Norwegian-Bestand um 21 Jets auf 165 Flugzeuge vergrößert werden. Bis Ende 2020 ist ein Wachstum auf 225 Maschinen vorgesehen. Gleichzeitig soll der Anteil der geleasten Flugzeuge von jetzt über 50 Prozent im selben Zeitraum auf etwas über 30 Prozent gesenkt werden.

Die Belastung schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Addiert man die kurz- und langfristigen Finanzschulden des vergangenen Geschäftsjahres und zieht die sofort verfügbaren Barmittel ab, ergibt sich eine Nettoverschuldung von umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das operative Minus vor Steuern (Ebit) lag 2017 bei 207 Millionen Euro.

Von: cs

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