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Norwegian warnt vor Insolvenz und will 787-Flotte schrumpfen

37 Dreamliner zählt die Langstreckenflotte von Norwegian Air mittlerweile. Doch das Geschäft ist eingebrochen, jetzt sollen Maschinen vom Hof. In Zukunft soll der Fokus auf dem skandinavischen Markt liegen, falls die Airline den Winter übersteht.

Eine Boeing 787 von Norwegian. © AirTeamImages.com / Alvin Man

Norwegian Air hat Pläne bestätigt, ihre aus derzeit insgesamt 37 Flugzeugen bestehende 787-Flotte zu verkleinern, zunächst am Standort London Gatwick, wo eine Langstrecken-Basis betrieben wird. "Wir haben zu viele Langstreckenflugzeuge. Wir arbeiten daran, die Zahl zu reduzieren", zitieren mehrere skandinavische Medien den Finanzvorstand des Billigfliegers, Geir Karlsen.

Man glaube weiterhin an das Modell der kostengünstigen Langstrecke, dass man 2013 mit ersten Transatlantikflügen startete, aber der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise erlaube nur ein wesentlich langsameres Wachstum als geplant. Derzeit fliege man fast ausschließlich Kurz- und Mittelstreckenverkehr für den skandinavischen Markt, darauf solle auch künftig der Fokus liegen, so die Airline.

"Signifikantes Insolvenzrisiko"

Norwegian Air UK betrieb Ende letzten Jahres 13 Dreamliner von Gatwick aus und flog nach New York, Boston, Orlando, Miami, Tampa, Chicago, San Francisco, Los Angeles, Seattle, Austin, Denver, Rio de Janeiro und Buenos Aires. Bei den Töchtern Norwegian Air Sweden und Norwegian Air Long Haul sind weitere 24 Boeing 787 im Einsatz. Wieviele der Maschinen genau ausgemustert werden, wurde noch nicht bekanntgegeben.

Die teilweise Abkehr von der Low-Cost-Langstrecke als wichtigsten Wachstummarkt bedeutet einen grundsätzlichen Strategieschwenk bei Norwegian, die schon im vorigen Jahr Probleme hatte und in der Corona-Krise nun vollends mit dem Rücken zur Wand steht. In der vergangenen Woche warnte die Airline, dass es ein "signifkates Risiko" einer Insolvenz im ersten Quartal 2021 gebe. Kurzfristige Finanzlöcher machten frische Liquidität unabdingbar.

© Norwegian, Lesen Sie auch: Norwegian ruft nach weiterer Finanzspritze

"Wir sind dankbar für die Darlehensgarantie, die uns die norwegische Regierung zur Verfügung gestellt hat und wofür wir hart gearbeitet haben. Angesichts der aktuellen Marktbedingungen reicht es jedoch nicht aus, diese anhaltende Krise zu überstehen", sagte Konzernchef Jakob Schram. "Wir sehen drei Etappen vor uns. Wir wollen im Bereich der Mobilität bis 2030 konkurrenzfähig sein, aber wir müssen im Jahr 2025 profitabel sein. Zunächst müssen wir den Winter überstehen"

Nachdem jedoch Schweden bereits vor zwei Wochen Staatshilfen für Norwegian abgelehnt hatte und auch der norwegische Staat wenig Interesse zeigt, Geld nachzuschießen, bleibt nur der Kapitalmarkt als Liquiditätsquelle.

Auch hier hat Norwegian jedoch einen schweren Stand: Die Aktien des Unternehmens sind seit Jahresbeginn um 97 Prozent gefallen, nachdem die Fluggesellschaft im Mai rund 1,2 Milliarden Euro Schulden durch die Ausgabe neuer Aktien in Eigenkapital umgewandelt hat. Damit wurden Leasing-Gesellschaften, die im Besitz fast aller Flugzeuge des Unternehmens sind, die größten Einzelaktionäre. Reserven oder Assests, die man beleihen könnte gibt es nach ansicht von Branchenexperten so gut wie keine.

Derzeit soll es bei Norwegian noch Cash-Reserven in Höhe von 57 Millionen Dollar geben, schreibt das "Wall Street Journal", doch würden aktuell auch 5,7 Millionen Dollar pro Monat verbrannt.

© AirTeamImages.com, Rolf Jonsen Lesen Sie auch: Norwegian storniert Boeing-Großauftrag

Von: dk

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