Die Born-Ansage (128) Noch wenig Schwung in den ersten Meldungen des Jahres

Das Luftfahrtjahr 2020 beginnt ein wenig träge, Nischenthemen dominieren die Nachrichtenlage. Wenn es nach unserem Kolumnisten Karl Born geht, sollte die Branche etwas schwungvoller ans Werk gehen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Ein Blick auf die Meldungen zu Beginn des neuen Jahres zeigt, die Luftfahrtbranche hat den Schwung des neuen Jahrzehnts noch nicht genutzt. Es bleibt beim "weiter wie bisher".

Die erste Nachricht, die mir auffiel, kam von Boeing. "Das Unternehmen prüft, ob zwei Bündel kritischer Leitungen zu dicht beieinander liegen und daraus ein Kurzschluss resultieren könnte. Boeing versuche noch zu ermitteln, ob die Kabelbündel in den rund 800 bereits gebauten 737 Max noch getrennt werden müssen." Hoppla, das kommt einem doch bekannt vor. Sind eventuell ehemalige BER-Elektriker nach Seattle ausgewandert und haben dort einen neuen Job gefunden? Man sollte jetzt nicht unbedingt einen zeitlichen Verzögerungsvergleich zwischen BER und 737 Max herstellen, aber auf jeden Fall wissen wir, so etwas zu lösen kann dauern.

Lübeck und KISS

Geschickt nutzte der Flughafen Lübeck die noch schwächere Nachrichtenzeit zum Jahresbeginn, um den Neustart der eigenen Regionalfluggesellschaft "Lübeck Air" zu promoten. Es wäre dem Flughafen Lübeck nach den vielen Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit ja endlich ein Erfolg zu gönnen.

Sehr gut klingt auch die Aussage, man wolle über Qualität und nicht über den Preis konkurrieren. Aber mit drei verschiedenen Buchungsklassen und Allerweltsnamen wie "Silber", "Gold" und "Diamant" ins Marketing einzusteigen, dürfte schwierig werden. Eigentlich wäre am Anfang KISS gefordert, "keep it simple and stupid".

© Lübeck Air, Lesen Sie auch: Lübeck Air setzt zum Start auf München und Stuttgart

Wieder einmal will die Bundesregierung die Sicherheitsüberprüfung von Luftfahrtpersonal ausweiten. Dass heute die Luftsicherheitsbehörde nicht auf alle Daten anderer Behörden zugreifen darf, ist für so einen hochsensiblen Bereich nicht erklärbar. Bei dieser Gelegenheit sollte man auch das System der bisherigen Passagierkontrollen an den Flughäfen neu denken. Die jetzige Übertragung dieser Aufgaben an private Unternehmen ist nicht akzeptabel. Die Wartezeiten bei der Kontrolle (aufgrund auch der dahinterliegenden Prozesse) sind mehr als ärgerlich. Eine Übertragung dieser Aufgabe an die jeweilige Flughafengesellschaft (Konzentration in eine Hand) würde zu einer wesentlichen Verbesserung führen.

Qatar und die Bahn

Die Meldung der vergangenen Tage "Qatar Airways und Deutsche Bahn starten Codeshare-Vereinbarung" lässt den Leser irritiert und fragend zurück. Wem soll das etwas nützen? Passen die beiden politisch zusammen?

In etwa die gleiche Richtung geht die Nachricht: Die Golf-Airline Etihad ist neuestes Mitglied von Easyjets Umsteigernetzwerk "Worldwide by Easyjet". Bei Etihad werden jetzt auch kleinere Brötchen gebacken, wenn das vom ehemals eigenen großen Etihad-Netzwerk übrig geblieben ist.

In der Not tun sich sonderbare Partner zusammen.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

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