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Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin. © dpa

Um die Übernahme großer Teile der Air Berlin durch die Lufthansa steht es nicht gut: Wie mehrere mit der Sache vertraute Personen airliners.de sagten, habe die EU-Kommission "deutliche Vorbehalte" gegen den Kauf der Air-Berlin-Töchter LGW und Niki und erwäge diesen zu verbieten. Konzernchef Carsten Spohr sei aktuell in Brüssel, um die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager "milde zu stimmen".

Niki soll laut Planung demnächst für die Lufthansa-Billgplattform Eurowings abheben. Ob es dazu kommt, sei nun "fraglich", zitieren zudem Medien mehrere Insider in Brüssel und Wien. Falls sich nicht kurzfristig ein anderer Käufer finde, müssten die Flugzeuge der Niki noch vor Weihnachten am Boden bleiben.

Problematisch sei vor allem, dass der Kauf von LGW und Niki in einem Paket zur Prüfung eingereicht wurde. Nun erwäge Lufthansa, die LGW-Übernahme noch einmal einzeln vorzulegen.

Die EU-Kommission teilte am Donnerstagmittag mit, sie prüfe den Fall intensiv und sei noch zu keiner Entscheidung gekommen.

Niki-Betrieb "hoch defizitär"

Niki fliegt auch nach dem Ende des selbstvermarkteten Air-Berlin-Flugbetriebs aktuell noch weiter. Die Lufthansa dürfte bis zur Entscheidung der EU-Kartellwächter allerdings noch nicht in die Airline investieren, heißt es. Quellen berichten aber auch, dass dieses Vollzugsverbot auf Antrag ausgesetzt wurde. Lufthansa kauft aktuell Sitzplätze in größerer Anzahl bei der österreichischen Airline, um diese in der Luft zu halten - unter anderem, um die Streckenrechte zu sichern.

Der Betrieb bei Niki ist Insidern zufolge hoch defizitär. Rund zehn Millionen Euro wöchentlich kostet es die Lufthansa demnach, die Ferienfluggesellschaft in der Luft zu halten. Ohne dieses Geld wäre die Airline den Angaben nach sofort insolvent. Es wird erwartet, dass Lufthansa in diesem Fall die bereits gekauften Flugzeuge abzieht.

EU-Genehmigung kann bis Frühjahr dauern

Die EU-Kommission prüft auf Grundlage der europäischen Fusionskontrollverordnung, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung erlangt. Die Kommission hat nach der Anmeldung der geplanten Air-Berlin-Teilübernahme durch Lufthansa vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen.

Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Zuständig auf EU-Ebene ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sie hat bereits angedeutet, dass Lufthansa möglicherweise einige Strecken abgeben muss. Das deutsche Kartellamt wird das Brüsseler Verfahren begleiten und hat sich eine weitere Prüfung vorbehalten.

Ohne Niki würden die Übernahmepläne der Lufthansa deutlich ins Wanken geraten. In den vergangenen Monaten hatte Air Berlin vor allem die interessanten Mallorca-Ferienflüge auf die österreichische Tochter übertragen. Die Abspaltung des Touristikgeschäfts war im Oktober 2016 beschlossen worden, da Niki unter Regie von Air-Berlin-Großaktionärin Etihad in ein Joint-Venture mit Tuifly gebracht werden sollte. Der Plan scheiterte jedoch noch vor der Insolvenz der Air Berlin.

Zudem wurden etliche Flugzeuge hin und hergeschoben, sodass Niki aktuell fast ausschließlich A321 betreibt. Hinzu kommen sieben Boeing 737, die Tuifly für Niki abheben lässt. Eine Absage würde daher auch bei Tuifly neue Probleme aufwerfen. Eurowings strebt derweil auch eine Übernahme der Air-Berlin-Regionaltochter LGW an. Insgesamt sollen so 1700 Mitarbeiter in Österreich und Deutschland vom Lufthansa-Konzern übernommen werden.

© dpa, Lesen Sie auch: Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier

Mit einer Absage für den Deal käme aber auch die Air-Berlin-Insolvenz in Bedrängnis. So schreibt der "Spiegel", dass damit der vereinbarte Kaufpreis von 210 Millionen Euro nicht mehr fließen würde. Das hätte wiederum Auswirkungen auf den KfW-Kredit, den die Bundesregierung für die Abwicklung der Air Berlin gewährte. Bislang soll dieser aus der Kaufsumme gedeckt werden.

Condor-Mutter mahnt genaue Prüfung an

Der Reisekonzern Thomas Cook dringt derweil auf Korrekturen bei der Aufteilung der insolventen Air Berlin. "Wir hoffen, dass die EU-Kommission ein Interesse an fairem Wettbewerb hat", sagte Christoph Debus, Chef der Flugsparte von Thomas Cook, zu der auch Condor gehört, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Kapazitätsausbau

Die Lufthansa hat ihre Kapazitäten innerdeutsch deutlich erhöht. Auf einigen Strecken sei das Angebot um 25 Prozent gestiegen, heißt es in einer Mitteilung. Damit hätten die Airlines des Konzerns 45 Prozent der ehemaligen Air Berlin-Kapazität wieder hergestellt.

Das gelte vor allem bei Niki. Normalerweise dürfe eine gescheiterte Gesellschaft nur dann von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gäbe, sagte Debus. "Im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben." Condor hatte zusammen mit dem Österreicher Niki Lauda geboten, war aber nicht zum Zug gekommen.

Am Donnerstag bekräftigte Lauda, auch weiterhin zusammen mit dem Thomas-Cook-Konzern Interesse an Niki zu haben. "Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen", sagte Lauda dem "Handelsblatt". Sein Angebot zusammen mit Condor gelte nach wie vor.

© dpa, Lesen Sie auch: Condor fliegt innerdeutsch für Easyjet

Stattdessen will Easyjet einen Teil der Operations in Berlin-Tegel von Air Berlin übernehmen. Etliche Maschinen sollen den Plänen zufolge ab Januar von Tegel aus auf innerdeutschen Routen sowie im Europaverkehr eingesetzt werden. Zum Anfang setzt Easyjet dabei auf hinzugeleaste Kapazitäten, unter anderem von Condor.

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