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Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Es hätte alles so einfach sein können: Die Air-Berlin-Tochter Niki geht im Rahmen eines BGB-Betriebsübergangs an Lufthansa - alle Arbeitsplätze sind gerettet und der 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes hätte vollständig zurückgezahlt werden können (inklusive Zinsen).

Und selbst als die EU-Kommission durchblicken ließ, Lufthansa den Deal zu verbieten, der Kranich Niki fallen ließ und der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther in einem "Fire Sale" die Assets des Ferienfliegers an eine österreichische Tochter (Anisec) IAG-Billigflieger Vueling veräußerte, jubelten noch alle: Zweidrittel der Arbeitsplätze "gerettet" und immerhin 20 Millionen Euro für das KfW-Darlehen.

Dass Vueling nach dreijähriger Karenzzeit die Niki-Jobs in Wien streichen und wahrscheinlich nach Madrid auslagern und der Kaufpreis nicht in die Air-Berlin-Masse und damit Richtung Bund fließen würde, wurde nur als kleine Randnotiz wahrgenommen.

Auftritt "Fairplane"

Doch dann kam "Fairplane". Das Fluggastrechteportal erwirkte vor dem Landgericht Berlin, dass die Niki-Insolvenz Flöther weggenommen und nach Österreich verlegt werden muss. Noch bevor der BGH über die Beschwerde Nikis verhandeln konnte, hat das Landgericht Korneuburg in der Alpenrepublik vorsorglich ein Hauptverfahren eröffnet und Masseverwalterin Ulla Reisch bestellt, die sogleich ein neues Bieterverfahren ausrief. Das Chaos war perfekt - der europäischen Insolvenzordnung sei Dank.

© AirTeam Images, Christian GallikerLesen Sie auch: "Der Niki-Verkauf an Vueling ist unwirksam" Interview

Der neue Bieterzirkel - der übrigens in der Nacht von morgen auf Samstag endet - bekam natürlich sofort ein prominentes Mitglied: Andreas Nikolaus "Niki" Lauda. Der einstige Airline-Gründer und RTL-Rentner warf als erster seinen Hut in den Ring. Bereits in einer früheren Ausgabe habe ich ihn als Sparfuchs beschrieben, was für einen Manager ja keine Beleidigung ist. Bei Lauda ist es ein Charakterzug, und auch das ist alles andere als eine Beleidigung. Soll heißen: Lauda wird auch dieses Mal so bieten, dass er Niki nicht bekommt.

Lauda will gar nicht wirklich gewinnen

Warum sollte er auch? Mit Kaufpreis und Vorfinanzierung bis die EU-Genehmigung abgeschlossen ist, müsste Lauda so viel Geld aufbringen, dass sich dieses Geschäft für ihn wirtschaftlich nicht lohnen würde. Und für Beschäftigte in Österreich einige Millionen aus der eigenen Tasche opfern, das ist nicht so seine Kernkompetenz. Abgesehen davon, dass sich die Freude der Niki-Mitarbeiter über ein eventuelles Comeback von Lauda auch in Grenzen hält. Zu gut weiß man noch, wie stark der Kostendruck in der "alten Niki" war.

Im Ergebnis haben einige selbsternannte "Retter" für Niki nichts Gutes getan. Die EU, die sich feiern ließ, weil sie durchblicken ließ, den Lufthansa/Niki-Deal zu verbieten, um mehr Wettbewerb auf diesen Strecken zu erhalten. Gut gemeint, aber vorerst schlecht gemacht, denn danach gab es auf speziellen Strecken überhaupt keinen Wettbewerb mehr. Tausende von Tickets, die in Kürze abgeflogen werden sollten wurden wertlos und selbst Lufthansa nahm das gelassen hin und zog Plan B aus der Tasche. Folge: Insolvenzantrag für Niki.

Erneut das Murmeltierspiel

Auch den lauten Auftritt von "Fairplane" muss man kritisch sehen. Für die steht nicht der Fortbestand von Niki und deren Arbeitsplätze im Vordergrund, sondern die Chancen ihrer eigenen Kunden, die "Fairplane" mit der Durchsetzung ihrer Interessen aus aufgelaufenen Rechtsstreitigkeiten betraut haben. Und "Fairplane" sieht sich in Österreich in einer besseren Position als in Deutschland.

Damit wiederholt sich für Niki das Murmeltierspiel. Jemand, der "im Interesse von Verbrauchern handelt" (wie vormals die EU), stößt den Ferienflieger wieder gefährlich nah an den Abgrund. Zum Glück haben sich im Moment der deutsche Insolvenzverwalter und seine österreichische Kollegin auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Würden sich auch noch die beiden bekriegen, wäre es der endgültige Tod von Niki.

Auch der dritte Auftritt von Lauda wird enden wie die vorherigen, er wird mit seinem Gebot darauf achten, dass er höchstens Zweiter wird. Hauptsache mal wieder richtig Wind gemacht. Ob das der Airline hilft, ist höchst fraglich.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

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