Niki-Abwickler stehen in engem Austausch, © Montage airliners.de
Ulla Reisch und Lucas Flöther (Fotos: ulsr.at, insolvenzverwaltung.floether-wissing.de) © Montage airliners.de
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Niki-Abwickler stehen in engem Austausch, © Montage airliners.de (Fotos: insolvenzverwaltung.floether-wissing.de, Air Berlin, Screenshot
Lucas Flöther, vorläufiger Insolvenzverwalter von Niki in Deutschland, und Ulla Reisch, Insolvenzverwalterin von Niki in Österreich. © Montage airliners.de (Fotos: insolvenzverwaltung.floether-wissing.de, Air Berlin, Screenshot
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Kooperation statt Konfrontation: Der vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg berufene und nun offenbar nicht mehr für das gesamte Niki-Verfahren zuständige vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther steht im engen Dialog zu seiner österreichischen Kollegin Ulla Reisch. Dies sagte ein Sprecher Flöthers zu airliners.de.

Beide würden die neuen Kaufangebote genau prüfen, aber natürlich auch die vom spanischen Billigflieger Vueling eingereichte Offerte. Formal ist nach einem Beschluss des Landgerichts Korneuburg zwar nur noch Reisch zuständig, doch das Verfahren wird in Deutschland vor dem Bundesgerichtshof angezweifelt, daher betont Flöther: "Die Unterschrift beider Insolvenzverwalter gewährleistet dem Erwerber Rechssicherheit für den Vollzug des Kaufvertrags."

Niki soll im März wieder abheben

Der Zeitplan steht: Flöther und Reisch kündigten an, dass über den Verkauf Ende Januar der vorläufige Gläubigerausschuss in Deutschland und der Gläubigerausschuss in Österreich entscheiden werden. Niki soll bis zur zweiten Februar-Hälfte verkauft werden und spätestens im März wieder fliegen.

Notwendig wird die neuerliche Abstimmung aufgrund einer juristischen Streiterei: Das österreichische Landgericht Korneuburg hatte vergangene Woche das Hauptverfahren im Niki-Insolvenzfall umgehend eröffnet und Reisch zur Insolvenzverwalterin berufen - obwohl bereits ein Vorverfahren in Berlin läuft.

Niki-Verkauf an Anisec

Der von Flöther in einem "Fire Sale" kurz vor Jahresende ausgehandelte Niki-Verkauf an die Tochter des IAG-Billigfliegers Vueling, Anisec, kann ohne eine Eröffnung des deutschen Verfahrens nicht vollzogen werden. Das Bieterverfahren ist bis Freitag (19. Januar) erneut gestartet.

Ursprünglich hieß es vom Gericht, es seien nur jene Interessenten zu einem erneuten Gebot aufgerufen, die sich auch an der letzten Runde des deutschen Verkaufsverfahrens beteiligten und Vueling letztendlich unterlagen.

Da nun aber ein Komplettverkauf Nikis angestrebt wird, und nicht mehr nur einzelne Vermögensteile veräußert werden sollen, könne sich jeder (neue) Interessent dem Verfahren anschließen. Dies bestätigte ein Sprecher der niederösterreichischen Kammer gegenüber airliners.de.

Gebot von Ryanair

Somit kann auch der irische Billigflieger aktiv werden. Die Iren hatten Anfang der Woche ein Gebot angekündigt. Beobachter halten dies allerdings für sehr unwahrscheinlich, da die vorrangig an einzelnen Assets der Niki interessiert seien und nicht den Gesamtbetrieb inklusive der Arbeitsplätze absichern wollten. Ryanair hatte bereits angekündigt, auch Air Berlin komplett kaufen zu wollen, später aber einen Rückzieher gemacht.

Ebenfalls im Bieterprozess aktiv werden will Airline-Gründer Niki Lauda. Er kündigte bereits ein Gebot an. Ob dieses höher Ausfälle als sein ursprüngliches, konnte er noch nicht sagen. Dem Vernehmen nach war Lauda ursprünglich aus dem Rennen ausgeschieden, weil er lediglich einen einstelligen Millionenbetrag bot und mit der Sicherung der Arbeitsplätze haderte.

Vueling-Preis gilt als Maßstab

Condor und Tuifly wollten sich auf Anfrage nicht offiziell dazu äußern. Aus Unternehmenskreisen ist allerdings zu hören, dass beide den neuerlichen Prozess "sehr genau beobachten" würden.

Die österreichische Tochter des IAG-Billigfliegers Vueling, Anisec, will für 20 Millionen Euro große Teile der Niki übernehmen und noch einmal gut 16 Millionen Euro in die Aufnahme des Flugbetriebs stecken.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Kaum Gemeinsames zwischen Niki und Vueling Analyse

Wer auch immer den Zuschlag für den Ferienflieger bekommen möchte, sollte mehr bieten als Vueling. Denn als Maßstäbe für den Verkauf gelten der erzielte Gesamtpreis sowie die Liquidität des Bieters und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.

Sollte das österreichische Verfahren hingegen mit einem anderen Käufer als Vueling (Anisec) enden, wird es kompliziert, denn rein rechtlich ist für den Fall nichts vorgesehen, so der Insolvenzrechtler Jörn Weitzmann im Gespräch mit airliners.de: "Bei Zuständigkeitsstreitigkeiten gilt der Grundsatz der Priorität." Da zuerst ein Vorverfahren in Deutschland eröffnet wurde, ist die Bundesrepublik im Recht. Allerdings, schränkt Weitzmann ein, spreche einiges für Österreich, weil Niki dort nun mal den Mittelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen (Comi) hat.

Flöther hilft Niki aktuell aus

Medienberichten zufolge habe der Ferienflieger bereits drei Millionen Euro des von Vueling gewährten Darlehens abgerufen. Lufthansa hatte vor dem abgebrochenen Übernahme-Versuch wöchentlich das Dreifache in Niki gesteckt. Aktuell würde Niki von Flöther mit Geld aus der deutschen Insolvenzmasse versorgt, um den Basis-Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Derzeit fliegt der österreichische Carrier nicht mehr. Das Wiener Verkehrsministerium halt die wertvolle "operating license" (inklusive der Slots) allerdings bis März unter Verschluss. Dann solle Niki laut Vueling wieder abheben. In Justizkreisen wird unter Verweis auf das Insolvenzverfahren des italienischen Lebensmittelriesen Parmalat nicht ausgeschlossen, dass das Wiener Ministerium die Genehmigung noch länger aufrecht erhalten würde.

Vueling-Chef zu Besuch in Wien

Des Weiteren sollen bis zu 700 Mitarbeiter der Niki unterkommen. Insolvenzrechtler weisen daraufhin, dass Anisec nach einer dreijährigen Übergangszeit Niki an Vueling übergeben und somit das Groß der Arbeitsplätze von Wien nach Madrid verlagert werden konnten. Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits wollte sich auf Anfrage von airliners.de nicht dazu äußern.

© AirTeam Images, Christian Galliker Lesen Sie auch: "Der Niki-Verkauf an Vueling ist unwirksam" Interview mit einem EU-Insolvenzrechtler

Trotz aller juristischen Unsicherheit hält Vueling indes weiter an der Transaktion fest. Dem Vernehmen nach hat Airline-Chef Javier Sanchez-Petro bei einer Betriebsversammlung am Flughafen Wien betont, dass die Marke Niki aufrecht erhalten, aber der Ticketverkauf an Vueling angeschlossen würde. Niki verfügt hierfür über keine eigenen Systeme, da bis zuletzt Air Berlin diese Aufgabe übernommen hatte.

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