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Niedersächsische Luftfahrtindutrie schlägt Alarm und ruft nach Bund

Der zweite Shutdown sorgt für Existenzangst. Der Bund müsse gezielt Luftfahrtzulieferern in Niedersachsen helfen, fordert die Wirtschaft. Andernfalls würden demnächst eher Toilettendeckel als Cockpits gebaut.

A350-Rumpfsektion bei Premium Aerotec in Nordenham bei Hamburg. © Premium Aerotec

Teile der niedersächsischen Luftfahrtindustrie bangen wegen der anhaltenden Corona-Krise zusehends um ihre Existenz. Bei einem Krisengespräch von Vertretern der Branche und Zulieferern sowie Wirtschaftsminister Bernd Althusmann ging es auch um mögliche weitere Hilfen für die Betriebe - dabei sieht die Wirtschaft nach erster Unterstützung aus dem Land nun besonders den Bund am Zug.

Flugzeugbauer und -ausstatter sind ebenso wie Airlines, Flughäfen und der Tourismus von drastischen Umsatzeinbrüchen betroffen. "Für das nächste Jahr erwarten wir Ergebnisse, wie wir sie zuletzt zu Zeiten der Finanzkrise hatten", warnte Jens Harde vom Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall. Vor 2025 werde man das Vorkrisenniveau wohl nicht erreichen. Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt meinte: "Durch den zweiten Shutdown ist die Lage noch alarmierender geworden."

Das Land hatte coronabedingte Finanzhilfen für die Luftfahrtindustrie im September schon von 20 Millionen auf 40 Millionen Euro verdoppelt. Ein Sonderprogramm fördert Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie Technologieprojekte. Man begrüße dies nachdrücklich, betonte Schmidt. Althusmann wurde mit den Worten zitiert: "Es ist von eminenter Bedeutung, dass wir den innovativen Luftfahrtzulieferern unter die Arme greifen." In Niedersachsen gibt es etwa 260 Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche mit insgesamt mehr als 30.000 Beschäftigten.

Laut dem Niedersachsen-Metall-Chef ist die Zukunftsfähigkeit etlicher Firmen bedroht: "Wenn wir am Luftfahrtstandort Norddeutschland auch in Zukunft Cockpits ausrüsten und nicht nur die Toilettendeckel für die Flugzeuge bauen wollen, dann ist die Bundesregierung gefordert, unsere mittelständischen Zulieferer gezielt zu unterstützen." Ein Fonds könnte etwa das Eigenkapital angeschlagener Betriebe stärken. Ähnlich äußerte sich Schmidt in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch die Flughäfen sind schwer von den Reiseeinschränkungen in der Pandemie getroffen. Bei einem "Luftverkehrsgipfel" auf Bundesebene hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) jüngst gemeinsame Rettungspakete mit Ländern und Kommunen für Airports vorgeschlagen.

Von: dk, dpa

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