Neuer Minister, neue Frist: Alitalia-Sanierung kommt nicht voran

Die italienische Politik hat wilde Wochen hinter sich. Die Volten in Rom fügen auch der unendlichen Geschichte um die Rettung der Alitalia mindestens ein weiteres Kapitel hinzu. Dabei sind die Favoriten für eine Übernahme längst klar.

Eine Alitalia-Maschine auf dem Flughafen Mailand © Antonio Calanni/AP/dpa / Antonio Calanni

Die Frist bis zu der potenzielle Investoren einen umfassenden Sanierungsplan für Alitalia abgeben sollen, wurde ein weiteres Mal verlängert. Der Relaunch der nur durch eine massive Intervention des Staates seit mittlerweile zwei Jahren künstlich am Leben gehaltenen Fluglinie verzögert sich damit weiter, das berichtet das Portal "Air Transport World" unter Verweis auf eine Ankündigung des italienischen Wirtschaftsentwicklungsministeriums.

Die italienische Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS), der Infrastrukturkonzern Atlantia und die US-amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines waren eigentlich aufgerufen, ihre Pläne bis zum 15. September vorlegen. Dabei handelte es sich bereits um ein Ultimatum, das seit Anfang des Jahres im Zwei-Monat-Rhythmus verschoben wird.

Die neuerliche Verschiebung liegt laut italienischen Quellen in der chaotischen Situation rund um die Regierungsneubildung in Rom. So ist nun mit Stefano Patuanelli ein neuer Minister für wirtschaftliche Entwicklung im Amt und damit für die Überwachung der Alitalia-Situation verantwortlich, nachdem die vorherige Regierungskoalition zusammengebrochen ist und ein neues Bündnis zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und der Demokratischen Partei (PD) übernommen hat.

Zwei Jahre unter Staatskontrolle

Die größte italienische Airline befindet seit zwei Jahren unter Staatsverwaltung, nachdem ein Insolvenzantrag gestellt worden war. Seitdem wird sie mit Notkrediten am Leben gehalten, die in der italienischen Öffentlichkeit immer wieder auf große Kritik stoßen. Allerdings konnte das Defizit der Airline seit 2017 deutlich gesenkt werden. Zwischenzeitlich hatte auch Lufthansa einen Einstieg bei Alitalia erwogen, diese Pläne nach der Ankündigung des Staates, auch künftig an der Fluggesellschaft beteiligt sein zu wollen, aber wieder verworfen.

Zuletzt meldeten sich weitere Interessenten: Kolumbiens Fluggesellschaft Avianca, den römischen Unternehmer Claudio Lotito, Eigentümer des Fußball-Erstligisten Lazio Rom, und die italienische Baugesellschaft Toto. Seit geraumer Zeit gilt jedoch das Konsortium um die Eisenbahngesellschaft, die Infrastrukturholding Atlantia im Besitz der Familie Benetton und Delta Airlines als Favorit für den Neustart in Rom. Eisenbahn und das Wirtschaftsministerium wollen Medienberichten zufolge künftig zusammen 35 Prozent an Alitalia halten und die Fluglinie gezielt zur Stärkung des Tourismus nach Italien einsetzen.

© ANSA/dpa, Ettore Ferrari Lesen Sie auch: Benetton-Familie steigt bei Alitalia-Rettung mit ein

Von: dk

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