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Neuer Erfurter Flughafenchef optimistisch für Post-Corona-Zeit

Eine Woche nach seinem Amtsantritt zeigt sich der Erfurter Flughafenchef Gerd Stöwer zuversichtlich, dass es mit Ende der Pandemie wieder aufwärts geht. Für kleine Flughäfen sei die Gewinnzone jedoch unerreichbar.

Prof. Gerd Stöwer, Flughafenchef in Erfurt, vor abgestellten Airbus-Flugzeugen während der Corona-Krise.. © Flughafen Erfurt

Nach dem Ende der Coronakrise rechnet der neue Geschäftsführer des Flughafens Erfurt-Weimar, Gerd Stöwer, mit einem Sprung bei den Passagierzahlen. Es werde dann bei vielen Menschen eine große, neue Lust auf das Fliegen geben, nachdem viele von ihnen wegen der Coronakrise in den vergangenen Monaten nicht in ein Flugzeug gestiegen seien, sagte Stöwer, am Mittwoch in Erfurt. "Die Leute wollen in den Urlaub fliegen."

Im vergangenen Jahr zählte der Flughafen nach Angaben der Betreibergesellschaft etwa 156.000 Passagiere, im Jahr davor waren es etwa 262.500 gewesen. Im Jahr 2006 war der Maximalwert bei den Passagierzahlen erreicht worden: Etwa 485.000 Passagiere waren damals von oder ab Erfurt geflogen.

Um den Flughafen Erfurt-Weimar wird - wie um andere kleine Flughäfen in Deutschland auch - seit Jahren intensiv gestritten. Er gehört fast vollständig dem Freistaat Thüringen. Zuletzt hatten die Grünen im Land gefordert, ihn zu schließen. Nach eigenen Angaben erhält die Flughafengesellschaft alleine in diesem Jahr einen regulären Zuschuss aus dem Landeshaushalt in Höhe von 2,6 Millionen Euro, plus weitere 0,9 Millionen Euro als Corona-Hilfe.

"Einfach kann jeder"

Stöwer räumte ein, dass es einem so kleinen Flughafen niemals gelingen werde, ohne staatliche Förderungen zu überleben. "Ein Flughafen dieser Größenordnung wird keine schwarzen Zahlen schreiben können", sagte er. Dennoch sei er nicht gekommen, um den Flughafen abzuwickeln. Er sei gekommen, um "Aufbauarbeit" zu leisten. "Einfach kann jeder."

Gleichzeitig mahnte Stöwer an, die Diskussion über die Daseinsberechtigung des Flughafens anders zu führen als bislang. Selbst sehr kleine Flughäfen wie jener in der Landeshauptstadt seien Infrastrukturprojekte, bei denen es nicht alleine um das betriebswirtschaftliche Ergebnis gehe. Es sei falsch, dass bei einer Autobahn oder einem Autobahntunnel nicht über die Betriebskosten gesprochen werde, bei kleinen Flughäfen aber seit Jahren und dauerhaft. Die Frage, ob sich ein Bundesland einen eigenen internationalen Verkehrsflughafen leiste, sei auch "eine Frage des Selbstverständnisses".

Stöwer leitet die Geschäfte des Flughafens seit Anfang Oktober. Nach Angaben des für den Flughafen zuständigen Thüringer Infrastrukturministeriums ist er als Interimsgeschäftsführer angestellt worden. In den nächsten Monaten soll den Angaben nach eine dauerhafte Geschäftsführung für den Flughafen gesucht werden. Stöwer ließ offen, ob er bereit wäre, den Chefposten dauerhaft zu besetzen, sollte er darum gebeten werden. "Bei dem Thema ist alles offen, aber von beiden Seiten", sagte er. Aktiv bewerben werde er sich um die Stelle nicht. Auch die Interimsstelle habe er sich nicht beworben, sondern sei von Vertretern des Freistaats angesprochen worden.

Stöwer ist seit mehr als 30 Jahren in der Luftfahrtbranche tätig, zuletzt als selbstständiger Unternehmensberater. Seine Karriere begannt der Luft- und Raumfahrtingenieur bei der Lufthansa. Später leitete er die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden. Zwischen 1996 und 2016 war Stöwer CEO am Flughafen Münster/Osnabrück.

Von: dk mit dpa

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