Zug statt Flug (7) Mit dem Zug zum Flug ist riskant und wenig komfortabel

Kofferschleppen und fehlende Anschlussgarantien: Im Vergleich zum Zubringerflug ist die Bahnfahrt zum Flughafen für Umsteigepassagiere eine regelrechte Zumutung. Dabei ging es schon mal besser. Ein praktischer Blick aus Umsteiger-Sicht.

Ein ICE der Deutschen Bahn verlässt den Fernbahnhof am Flughafen von Frankfurt. © dpa / Arne Dedert

In einer mehrteiligen Reihe legt Bahn- und Luftfahrtjournalist Andreas Sebayang die praktischen Probleme rund um die aktuelle Diskussion um eine Verlagerung von Fernverkehr auf die Schiene dar. In diesem Teil geht es um das unkomfortable Reisen mit Gepäck und fehlende Anschlussgarantien.

Wer den Zug zum Flug nutzt und dabei analog zum Zubringerflug ohne Komforteinbußen reisen will, der hat Probleme, denn gerade hier gab es bei der Bahn in den vergangenen Jahren eigentlich nur Rückschritte.

Fangen wir beim Gepäckservice an, der das Fliegen so angenehm macht. Abgeben, einsteigen, umsteigen, vom Band nehmen, fertig. Das gibt es bei der Deutschen Bahn nicht. Doch warum? Sicher, das Ein- und Auschecken von Gepäck ist mit Aufwand verbunden. Andererseits braucht es dann im Zug keine oder weniger Gepäckregale, die von Fahrgästen oft ineffizient belegt werden. Im Gepäckwagen können die Profis effizient stapeln.

Ausgerechnet die bahnunfreundlichen USA sind hier ein gutes Beispiel. Viele Amtrak-Strecken bieten zwischen wichtigen Bahnhöfen die Möglichkeit, das Gepäck loszuwerden. Ein Service, der in der Regel auch sehr schnell ist. Das Gepäck wird verladen und schnell ausgegeben. Dafür sind US-Bahnhöfe sehr gut vorbereitet. Zugegebenermaßen kostet es bei Reisebeginn viel Zeit. 45 Minuten vor der Abfahrt muss das Gepäck abgegeben werden. Es sind laut Amtrak auch Umsteigeverbindungen möglich.

Und in Deutschland? Ältere Fahrgäste und ansonsten vielleicht noch Modellbahner kennen noch sogenannte Gepäckwagen, die es heute nicht mehr gibt. Von den speziellen Lufthansa-Zügen brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. In den 1980er Jahren fuhren sogar noch spezielle Lufthansa-Zug-Garnituren durch die Bundesrepublik. Und vielleicht erinnern sich manche sogar noch an den Gepäckservice in Verbindung mit Lufthansa-Flügen. Wer wollte, konnte sein Gepäck in Köln, IATA-Code QKL, an Lufthansa-Schaltern einchecken. Stuttgart (ZWS) bot das auch. Doch das ist alles vorbei.

Wer Bahn fährt, schleppt

Heute ist davon nichts mehr übrig. Das Airrail-Terminal, wo das Gepäck ein paar hundert Meter vor dem Flughafen Frankfurt abgegeben werden kann, hilft allenfalls ein bisschen.

Beim Bahn-Flugzubringer wie auch beim regulären Bahnverkehr heißt es: Treppauf/Treppab mit dem Gepäck und immer schön aufpassen. Nicht mal ein In-Town-Check-In gibt es hierzulande. Die Österreicher machen das immerhin in Wien.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Berlin sollte einen modernen In-Town-Check-In bekommen Gedankenflug

Ohnehin ist von den großen Flughäfen in Deutschland einzig Frankfurt vernünftig an das ICE-Netz angeschlossen. Der Flughafen München, Deutschlands zweitgrößtes Drehkreuz, ist hingegen mit der Bahn nur schlecht zu erreichen.

Mit dem Üfex aus dem Norden hat sich das zuletzt nur in wenigen Fällen verbessert. Aber es bleibt dabei: Der Flughafen München ist - vom Rest Deutschlands gesehen - nur über die Luft oder mit dem Auto leicht zu erreichen. Mit der S-Bahn vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen zu fahren macht jedenfalls wenig Laune und dauert schon im besten Fall fast eine Stunde.

Koffer verschicken hilft dem Umsteiger nicht

Die Schweizer haben übrigens an vielen Bahnhöfen noch einen Gepäckservice, wenngleich das Gepäck nicht mit demselben Zug befördert wird, sondern länger braucht und somit kaum für Umsteiger zum Langstreckenflug geeignet ist. Dafür sind die Preise sehr günstig. Sechs Franken kostet der Service mit Bahnhofsabholung am nächsten Tag. Zudem sind in der Schweiz bisweilen sogar noch Gepäckwagen unterwegs, allerdings nur für Fahrräder.

Von: Andreas Sebayang

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