Zug statt Flug (2) Mit zu wenigen Gleisen kompliziert durch Deutschland

In der Diskussion um die Verlagerung des Flugverkehrs auf die Schiene werden innerdeutsche Flüge gerne als verzichtbar dargestellt. Doch für viele Verbindungen innerhalb Deutschlands fehlt es schlicht an adäquaten Bahnstrecken.

Der ICE 4 ist nur bis 250 km/h zugelassen. © Deutsche Bahn / Claus Weber

In einer mehrteiligen Reihe legt Bahn- und Luftfahrtjournalist Andreas Sebayang die praktischen Probleme rund um die aktuelle Diskussion um eine Verlagerung von Fernverkehr auf die Schiene dar. Der zweite Teil zeigt die Probleme im innerdeutschen Fernverkehr. In weiteren Teilen geht es um die Schwierigkeiten beim grenzüberschreitenden Verkehr in Europa, es gibt einen Blick über die Grenzen und wir schreiben über Dinge, die sich aus Passagiersicht bei der Deutschen Bahn ändern müssten, um eine ernsthafte Konkurrenz zum Flugzeug zu werden.

Deutschland ist ein Bahnland, aber kein perfektes. So gibt es hierzulande zwar Hochgeschwindigkeitszüge, doch nur wenige tatsächlich schnelle Verbindungen, die dem Flugzeug in soweit Konkurrenz machen können, als dass die Kunden sich per se für die Bahn entscheiden würden.

Dennoch scheint der politische Wille da zu sein, Passagiere zum Umsteigen zu bewegen. Doch würde es überhaupt funktionieren, die 2018 rund 23 Millionen innerdeutschen Fluggäste auf die Schiene zu verlagern - zusätzlich zu den rund 147 Millionen Bahngästen im DB-Fernverkehr? Prinzipiell sieht das schwierig aus. Denn das deutsche Bahn-System ächzt schon jetzt an vielen neuralgischen Punkten.

Ohnehin muss man unterscheiden zwischen dem sogenannten Hub-Verkehr, also Umsteiger an den Drehkreuzen und dem Originärverkehr, also rein innerdeutsche Flüge.

Im Hub-Verkehr ist die Bahn im prinzipiellen Nachteil. Fluggäste wollen möglichst früh ihr Gepäck loswerden und eine Anschlussgarantie haben. Das erklärt unter anderem kurze Flugverbindungen wie Hannover-Frankfurt oder den von airliners.de im Detail betrachtete Nürnberg-München-Zubringer. Es gibt aber auch Zubringer, die mit der Bahn so attraktiv sind, dass der Flugverkehr keinen Sinn mehr ergibt. Köln-Frankfurt ist so eine Musterstrecke.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Auf kurze Hub-Zubringer lässt sich nur schwer verzichten Analyse

Im Originärverkehr konkurrieren die Systeme Bahn und Flug hingegen nicht mit dem Umsteigekomfort sondern vor allem mit der Zeit. Bahn-Verbindungen im Bereich von maximal dreieinhalb bis vier Stunden gelten als die Grenze, unter der zeitliche Unterschiede zum Flug zu vernachlässigen sind.

Von: Andreas Sebayang

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